Amberg: Wasserschaden im Stadtarchiv – Historische Dokumente werden restauriert

Es war am Dienstagmorgen wie ein kleiner Schock: Das Amberger Archiv hat durch eine geplatzte Leitung hohen Schaden genommen. Wie hoch der Schaden ist, kann allerdings noch nicht beziffert werden. Die Bücher wurden ehute von der Spezialfirma abgeholt.

Das Unheil nahm in der vergangenen Nacht seinen Lauf. Gegen 5:30 Uhr schlug die Brandanlage Alarm, auch wenn es sich um eine geplatzte Wasserleitung handelt. Die ganze Nacht über strömte das Wasser in die unteren Stockwerke. Die Feuchtigkeit ist jetzt im gesamten Gebäude verteilt.

So sind unter anderem 40 antike Ratsbücher von der Feuchtigkeit angegriffen und werden unverzüglich nach Leipzig gebracht, wo sie von den Experten im dortigen Zentrum für Bucherhaltung zunächst fachkundig getrocknet sowie anschließend restauriert werden sollen. Ein Problem sind aber nicht nur die Archivalien selbst, sondern vor allem auch das durchfeuchtete Gebäude, in dem noch zahlreiche weitere, nicht direkt betroffene Schätze lagern. Kann es nicht schnell und richtig austrocknen, drohen weitere Gefahren für Haus und Archivmaterial.

Heute Vormittag hat die Leipziger Spezialfirma durchnässte Bücher des Amberger Stadtarchivs abgeholt.  In Leipzig sollen die Exemplare schockgefroren und restauriert werden. Ende April könnten sie wieder nach Amberg gebracht werden - so der jetzige Plan. In den betroffenen Räumen sind mehrere Luftentfeuchter aufgestellt.

Das Stadtarchiv von Amberg ist erst 2018 in das historische Gebäude in der Amberger Innenstadt eingezogen. Vorher war es für rund 6,7 Millionen Euro saniert worden. Wie hoch der Schaden am Gebäude ist, kann derzeit noch nicht gesagt werden.

Oberbürgermeister Michael Cerny bedankt sich bei allen Helfern:

„Auch aus unserer Nachbarstadt Weiden haben sich Oberbürgermeister Jens Meyer und die Stadtarchivarin Petra Vorsatz gemeldet, genauso wie Archivare aus Donauwörth, aus Bochum und aus Wedel in Schleswig-Holstein“, berichtet Oberbürgermeister Michael Cerny und spricht ihnen sowie allen weiteren Personen und Stellen, die ihre Unterstützung zugesagt haben, sein herzliches Dankeschön aus.

Diesem Dank schließt sich auch Diplom-Archivar (FH) Jörg Fischer aus dem Amberger Stadtarchiv an. „Gleich zu Anfang hat sich auch unser Amberger Staatsarchiv gemeldet und uns ein umfassendes Hilfsangebot gemacht. So bekommen wir von dort eine Stellfläche mit Regalen von 200 laufenden Metern zur Verfügung gestellt, wenn das notwendig werden sollte“, zeigt er sich begeistert von dieser großen Hilfsbereitschaft und dem Entgegenkommen, das dem Stadtarchiv aus vielen Richtungen entgegenschlägt.

Beeindruckt ist Fischer auch von dem Angebot der Universitätsbibliothek Regensburg, die Bereitschaft signalisiert hat, über das Notfallprogramm für Bibliotheken Unterstützung zu gewähren. Außerdem hätten sich zahlreiche Kolleginnen und Kollegen, beispielsweise aus dem Kulturreferat und der Gewerbebau, sowie die Generaldirektion der Staatlichen Archive und der Verband deutscher Archivare gemeldet und Bereitschaft signalisiert, zu helfen. „Hinzu kommt, dass uns mehrere Konservierungsfirmen kontaktiert und das Angebot gemacht haben, uns schnell und unbürokratisch zur Seite zu stehen“, so der Archivar.

Ein großes Dankeschön richten er und Oberbürgermeister Michael Cerny aber auch an die Freiwillige Feuerwehr Amberg für ihr beherztes und professionelles Eingreifen. „Ihrem umsichtigen Einsatz ist es zu verdanken, dass rund 700 Jahre altes Archivgut gerettet werden konnte, indem sofort mit der Sicherstellung dieser Archivalien begonnen wurde“, betont der Amberger OB und macht deutlich, dass damit auch der immaterielle Schaden, der durch eine vollständige Zerstörung von Archivgut immer auch entsteht, begrenzt werden konnte.

(Pressemitteilung Stadt Amberg)

(tb)