Amberg: Lebensmittel retten per App

Etwa 6,1 Millionen Tonnen Lebensmittel landen pro Jahr in Privathaushalten im Müll. So das Ergebnis einer Erhebung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. Umgerechnet sind das rund 75 Kilogramm Lebensmittel pro Kopf. Insgesamt sind es sogar beinahe 12 Millionen Tonnen Lebensmittel, die in der gesamten Lebensmittelversorgungskette pro Jahr im Müll landen. Besonders häufig landen Brot- und Backwaren in der Tonne – sie sind Platz zwei nach Obst und Gemüse. Und genau das ist Alfred Schuller ein Dorn im Auge. Um das Wegwerfen von Backwaren in zumindest seiner Bäckerei zu verringern, setzt er auf verschiedene Wege.

Aus weißen Semmeln wird etwa Paniermehl. Bei der Müllvermeidung hilft ihm seit Juli nun auch die App „too good to go“. Das Prinzip dahinter: Teilnehmende Bäckereien, Cafes, Restaurants und Verkaufsmärkte bieten meist kurz vor Ladenschluss überschüssige Ware vergünstigt an. In der App sieht der angemeldete Nutzer welche Angebote es in der Region gibt und kann diese reservieren und abholen.

Alfred Schuller bietet an jedem Verkaufstag fünf Tüten voller Backwaren über diese App an, die eine halbe Stunde vor Ladenschluss von den App-Usern, die die Tüten via der App reserviert haben, abgeholt werden können. Für diese Tüten verlangt er 4,40 Euro, die Backwaren selbst haben aber einen Wert von mindestens fünf Euro. So bekommt der Nutzer beispielsweise Brot, Semmeln oder auch Gebäck und Kuchen zu einem deutlich günstigeren Preis. Das freut den Nutzer – aber auch den Bäcker- und Konditormeister. Denn dabei handelt es sich um Ware, die teilweise ansonsten in der Tonne hätte landen müssen. Auch andere Anbieter aus der Region machen mit und bieten überschüssige Ware mit der App an – und retten so zusammen mit den Nutzern Lebensmittel vor der Tonne.

Insgesamt soll in Deutschland bis 2030 die Lebensmittelverschwendung pro Kopf auf Einzelhandels- und Verbraucherebene halbiert werden – so ein Ziel der Nationalen Strategie zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung. Diese wurde im Februar vom Bundeskabinett verabschiedet. Teil der Strategie ist der Preis „Zu gut für die Tonne“. In der Kategorie „Digitalisierung“ wurde in diesem Jahr die im Beitrag erwähnte App „Too good to go“ ausgezeichnet. (nh)