Amberg: Mordfall Kalweit wird neu aufgerollt

Es sind oft grausame Fälle, hinter denen ein dickes Fragezeichen steht. Fälle, in denen Kinder verschwinden oder Menschen getötet werden – und deren Täter nie gefasst oder gefunden werden. Bislang ist das auch bei der ermordeten Ambergerin Gertrud Kalweit der Fall. Doch bis heute – beinahe 39-Jahre nach dem Auffinden der Getöteten – hat die Polizei die Hoffnung nicht aufgegeben, ihren Mörder doch noch hinter Schloss und Riegel zu bringen.

Jetzt rollt die Polizei den Fall von damals neu auf. Denn es ist Aufgabe der Kripo, auch alte ungelöste Falle im Blick zu behalten. Und in diesem Fall drängt die Zeit. Die damals 38-Jährige wurde am 20. März 1980 gegen 23:00 Uhr auf dem Nachhauseweg von der Arbeit sexuell missbraucht und getötet. Am nächsten Morgen gegen 06:30 Uhr wurde sie leblos im Amberger Stadtgraben gefunden. Trotz intensiver Ermittlungen gelang es der Polizei damals nicht, den Täter zu fassen. Ganz zu den Akten gelegt hat die Polizei den Fall aber bis heute nicht.

Die „EG Stadtgraben“ bei der Kriminalpolizei Amberg arbeitet seit Mitte Oktober mit ihren Ermittlern wieder auf Hochtouren. Denn viel Zeit bleibt nicht mehr. Es wurden ordnerweise Akten studiert und digitalisiert und auch Kollegen, die einst mit dem Fall betraut waren, befragt. Alte Spuren und Aservate werden zudem mit den neuen technischen Möglichkeiten von heute neu ausgewertet. Dabei sollen aufbauend auf den objektiven Befunden auch mögliche neue Ansätze gefunden werden.

Die Polizei hofft zudem auf weitere Hinweise auf der Bevölkerung und hat ein Hinweistelefon eingerichtet. Dieses ist unter der 09621/890-0 zu erreichen. Jeder noch so kleine Hinweis kann sehr wichtig sein. Für den entscheidenden hat das bayerische Landeskriminalamt zudem 10.000 Euro ausgesetzt. Menschen, die Erinnerungen an die Tatnacht haben, irgendwann verdächtige Wahrnehmungen gemacht haben oder etwas sogar nur vom Hörensagen her wissen, sollen sich unbedingt an die Polizei wenden. Auch wer denkt, sein Wissen sei der Polizei bereits bekannt, der könne sich irren und solle sich vorsichtshalber dennoch mit der Polizei in Verbindung setzten, appelliert Albert Brück, der Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberpfalz.

Zwischenzeitlich seien bereits neue Hinweise eingegangen, die derzeit ausgewertet werden würden, erzählt Brück. Die Polizei ermittelt mit Hochdruck weiter. Um vielleicht doch noch – 39-Jahre später – den Fall Getrud Kalweit lösen zu können. Denn Mord verjährt nicht. (nh)