Amberg/Straubing: Noch einmal das Grab der Frau besuchen

In den letzten Jahren hatte Manfred S. aus Amberg gesundheitlich wenig Glück. Bei ihm wurde COPD (chronische Atemnot) festgestellt. Einige Monate später dann die Diagnose: Ein Tumor im Rachen. Er muss mit Sauerstoff versorgt werden, weswegen Unternehmungen immer schwierig sind. Bis vor wenigen Monaten unterstützten ihn seine Nachbarn und fuhren ihn ans Grab seiner verstorbenen Frau, das nur wenige Kilometer vom Wohnort entfernt liegt.
Doch wegen Corona ist auch das nicht mehr möglich.

Neben einer 24-Stunden-Pflegekraft wird der Amberger auch vom SAPV-Team Palli Vita aus Kastl betreut. In einem Gespräch schilderte er seinen Herzenswunsch: Noch einmal an das Grab seiner Frau fahren und es schön herrichten. Die Mitarbeiterin von Palli Vita reagierte sofort und fragte beim BRK Herzenswunsch-Hospizmobil an. Dort war sich das Leitungsteam schnell einig: ein Wunsch, der perfekt ins Profil des ehrenamtlichen Projekts passt. Denn die Helfer erfüllen Menschen mit einer palliativen Grunderkrankung einen Herzenswunsch, der für den Fahrgast natürlich kostenlos ist.

Innerhalb von zwei Wochen organisierte Angela Fischer, die beim Herzenswunsch-Hospizmobil für die Helfer und die Organisation zuständig ist, den Besuch des Grabs. Am vergangenen Donnerstag war es dann soweit: Nina Heldmann, eine Helferin aus Amberg und Marko Pammer vom BRK-Kreisverband Straubing-Bogen trafen sich am Morgen, um den Herzenswunsch zu erfüllen.

Sie holten noch ein Blumengesteck, das sie dem Fahrgast für das Grab schenken und machen sich auf den Weg nach Amberg. Auf der Fahrt ist die Stimmung gut, aber durchaus auch angespannt. Wie fit wird Manfred S. sein? Gibt es vielleicht weitere Wünsche, die zusätzlich erfüllt werden können?

An der Adresse des Wohnhauses angekommen, begrüßen Herr S. und Pflegefachkraft Heike Prösl die beiden Ehrenamtlichen und freuen sich auf die Fahrt. Eine Bitte haben die beiden aber noch: Am Morgen hatte der Hausarzt noch ein Rezept ausgestellt. Ob das Team das abholen und in der Apotheke abgeben könnte?

Natürlich, so die Antwort. Anschließend fahren die vier Richtung Urnenwald Hohenburg. Je näher sie dem Ziel kommen, umso ruhiger die Stimmung im Auto.

Es ist ein besonderer Moment, als Manfred S. sich dem Grab seiner geliebten Frau nähert und die beiden Helfer beginnen, Blumen zu pflanzen. Schließlich verweilen die vier am neu hergerichteten Grab und lassen die Ruhe und das Ambiente auf sich wirken.

Nach einer gewissen Zeit fragt S., ob es denn noch möglich wäre, auf den Mariahilfberg in Amberg zu fahren. Von dort herrsche so eine tolle Sicht auf die Stadt. Nina Heldmann und Marko Pammer erklären sich sofort einverstanden.

Während der Fahrt zurück nach Amberg kann der Fahrgast den Komfort des neuen Herzenswunsch-Hospizmobils so richtig genießen. Er schläft sogar ein wenig.

Am Mariahilfberg erkundigen sich die beiden Ehrenamtlichen, ob trotz vollbesetzter Sonnenterasse der Bergwirtschaft ein Blick auf die Stadt möglich sei, um den zweiten Wunsch auch zu erfüllen. Die Wirte geben grünes Licht und Manfred S. kann den wunderbaren Blick auf Amberg genießen.

Schließlich bittet er die beiden Begleiter unbedingt noch um ein Gruppenfoto, damit er den Tag immer in Erinnerung behalten kann.

Am Nachmittag bringen Nina Heldmann und Marko Pammer Manfred S. wieder zurück zu seiner Wohnung. Er bedankt sich für den wunderbaren Tag und sagt: „Es hat mir richtig gut gefallen!“ Für die beiden Ehrenamtlichen ist das das höchste Lob, das sie sich vorstellen können. Mit vielen Emotionen und Gedanken geht es wieder zurück nach Straubing.

(Bild- und Textquelle: BRK Kreisverband Straubing-Bogen)