Amberg: „Wollen kein Exempel statuieren“

Plädoyers im Prozess um Amberger Prügeltour

Im Prozess um die Amberger Prügeltour soll morgen das Urteil gegen die vier Asylbewerber fallen. Heute am späten Nachmittag ist nach vier Verhandlungstagen die Beweisaufnahme geschlossen worden. Anschließend wurden die Plädoyers gesprochen.

Dass der Prozess deutlich früher als geplant zu Ende gehen kann liegt an einer Absprache am Beginn des aufsehenerregenden Prozesses zwischen Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung. Demnach sicherte das Gericht milde Strafen gegen Geständnisse zu.  Die Verteidiger beantragten erwartungsgemäß jeweils die niedrigste Strafe des vereinbarten Strafrahmens. Demnach wird es für die drei Afghanen Bewährungsstrafen geben, der hauptangeklagte Iraner muss für mindestens zweieinhalb Jahre ins Gefängnis – zunächst aber soll der Alkohol- und Drogenkonsument einen Entzug machen.
Der Verteidiger des Iraners, Rechtsanwalt Jörg Jendricke sprach in seinem Schlussvortrag von einer medialen Vorverurteilung der vier Angeklagten. „Sie mussten als Gallionsfigur für eine vermeintlich verfehlte Asylpolitk und für Popolismus herhalten“. Das sei eine große Belastung für seinen Mandanten.

Die Verteidiger betonten, dass die Taten der vier jungen Männer zwar „unschön“ seien, aber unter alkoholisierten Jugendlichen immer wieder vorkämen – beispielsweise bei Kirchweihfesten.

Alle Verteidiger baten den Richter und die Schöffen, bei ihrem Urteil zu berücksichtigen, dass durch die umfassenden Geständnisse aller vier Angeklagten eine wochen- oder monatelange schwierige Beweisaufnahme erspart geblieben sei.

Auch Staatsanwältin Jennifer Jäger hielt in ihrem 40-minütigem Pladoyer den Angeklagten deren Geständnisse zu Gute. „Die sind viel wert“. Sie stimmte mit den Verteidigern überein, dass in allen vier Fällen Jugendstrafrecht angewandt werden könne und dass die drei Afghanen zur Bewährung freikommen sollen. Es dürfe keine Rolle spielen, was die Öffentlichkeit erwartet“, sagte Jäger mit Blick auf das gewaltige Medieninteresse und die anhaltenden Debatten seit jenem 29. Dezember 2018. „Wir wollen kein Exempel statuieren!“. Die Staatsanwältin forderte eine Verurteilung wegen gefährlicher  Körperverletzung, Nötigung, Beleidigung, Angriff auf Vollstreckungsbeamte und anderer Delikte.
Die Männer, die am Tattag zwischen 17 und 19 Jahre alt waren, haben gestanden, in jener Nacht im Amberger Bahnhofsgebiet wahllos Passanten angegriffen und zum zum Teil schwer verletzt zu haben. Das Urteil soll morgen um 9.30 Uhr verkündet werden. Zu erwarten ist, dass dann zwei der drei Haftbefehle aufgehoben werden. (gb)