Bauboom in der Oberpfalz ungebrochen – aber die Handwerker werden knapp

Der Immobilienmarkt in der Oberpfalz befindet sich aktuell im Wandel und somit schließt sich die Region einem allgemeinen Trend an, wonach das Wohnen immer teurer wird. Der zunehmende Wohnungsmangel in vielen Städten sorgt für steigende Mietpreise, allen staatlichen Interaktionen wie der Mietpreisbremse zum Trotz. So sind beispielsweise die Mietkosten in Neumarkt von rund sechs Euro pro Quadratmeter auf 9,50 Euro im Neubau gestiegen und auch bei Bestandsimmobilien liegen sie nur noch selten unter sieben bis acht Euro. Eine Ende dieser Entwicklung ist aber – zumindest zum Stand heute – noch lange nicht in Sicht.

 

Preise für Immobilien in der Oberpfalz steigen

 

Die Lösung lautet für viele Menschen daher: Sie kaufen lieber eine Immobilie, anstatt ihr Leben lang überhöhte Mieten zu zahlen. Der Immobilienerwerb ist schließlich eine durchaus sinnvolle Altersvorsorge und sorgt zudem für Planungssicherheit, denn entgegen einer Mietwohnung kann der Besitz nicht einfach „gekündigt“ oder „verteuert“ werden. Befeuert wird diese Entwicklung durch die aktuelle Niedrigzinsphase, denn Kredite waren selten so günstig wie aktuell. Doch es gibt zwei Probleme: Einerseits möchten derzeit viele Deutsche die Gunst der Stunde nutzen und so steigen auch die Preise für einen Immobilienerwerb stetig an. Einige Experten sprechen sogar bereits von einer neuen Immobilienblase und schätzen in vielen Regionen die Kaufpreise um 20 bis 30 Prozent überteuert ein. Andererseits kann sich nicht jeder eine Immobilie leisten, denn eine Vollfinanzierung ohne Eigenkapital ist nur in den wenigsten Fällen sowie mit überdurchschnittlichem Einkommen möglich – jedoch haben nicht alle Menschen ausreichend Erspartes auf dem Konto.

 

Immer mehr Menschen bauen sich ihr Traumhaus

 

Wo die Preise für Bestandsimmobilien aber zu teuer und die Mieten zu hoch sind, weichen viele Menschen auf den Hausbau aus. Sie erwerben Grundstücke, die weniger zentral gelegen und somit auch günstiger sind und stellen anschließend das Haus ihrer Träume darauf – im Trend liegen dafür zurzeit die vergleichsweise kostengünstigen und schnell aufgebauten Fertighäuser. Dies bietet noch weitere Vorteile: Das Haus kann direkt energieeffizient gebaut werden, was die Nutzung von Fördergeldern ermöglicht und auf Dauer Strom-, Heiz- sowie Wasserkosten spart. Zudem können Teile des Hauses später vermietet werden, was neben zusätzlichen Einnahmen auch steuerliche Vorteile verspricht. Und zuletzt können direkt moderne Sicherheitsvorkehrungen wie eine Funkvernetzung eingebaut werden, sodass später keine Nachrüstung mehr notwendig ist. Dies erklärt den Bauboom, welcher vor allem in der Region Regensburg seit mehreren Jahren ungebrochen ist – und zunehmend zur Belastung wird.

 

Baubranche in Regenburg wächst weiter – ebenso die Proteste

 

Angefeuert wird dieser zudem durch Investoren, welche im Zuge der steigenden Kauf- und Mietpreise das große Geschäft wittern. Somit wächst Regensburg aktuell um 1.000 Einwohner pro Jahr und ein Ende dieser Entwicklung ist vorerst nicht in Sicht. Auf das Stadtbild selbst oder dessen soziale Strukturen wird dabei nur wenig Rücksicht genommen. Die Einwohner befürchten eine „Ghettoisierung“ bei gleichzeitig explodierenden Wohnkosten. Es fehlt an einem einheitlichen Konzept. Die Stadt „wuchert“ und mit diesem Problem ist Regensburg in der Oberpfalz sowie deutschlandweit längst nicht alleine: Jedes Jahr werden in der Oberpfalz aktuell neue Rekorde geschrieben, wenn es um neu errichteten Wohnraum gegenüber den Vorjahren geht. Allein im Jahr 2014 wurden rund 51.500 neue Wohnungen gebaut und somit 9,5 Prozent mehr als noch ein Jahr zuvor. Insgesamt kommt die Oberpfalz somit auf ein Wachstum von mehr als 38 Prozent, allein im betreffenden Jahr 2014. In Regensburg werden die Proteste derweil immer lauter, doch dieses ist nicht das einzige Problem, welches der Bauboom mit sich bringt.

 

Viele Pläne können nicht (mehr) umgesetzt werden

 

Um den Bauboom umzusetzen, herrscht natürlich ein hoher Bedarf an Handwerkern, doch genau diese werden zunehmend knapp. Die Auftragsbücher der kleinen und großen Unternehmen sind voll – und das nicht selten gleich für mehrere Monate bis Jahre. Es sieht also danach aus, als würde dem Bauboom ein natürlicher Riegel vorgeschoben. Eine Entwicklung, für die viele Oberpfälzer zwar dankbar sind, jedoch müssen auch sie unter den Folgen leiden. Denn wer aktuell einen Handwerker benötigt – sei es für einen Hausbau, für eine Renovierung oder sogar bei Notfällen wie einem Wasserschaden – muss oft lange Wartezeiten sowie hohe Preise befürchten. Das Bauen, Renovieren & Co wird also zunehmend teurer sowie zeitintensiver und sprengt damit nicht selten die Kalkulation der Immobilienkäufer. Es droht die Schuldenfalle. Ein Problem, das nicht nur kleine Privathaushalte, sondern zunehmend auch die öffentlichen Kassen betrifft. Viele Pläne von Städten oder auch Investoren im Zuge des Baubooms werden voraussichtlich nicht oder zumindest nicht im angedachten Zeitrahmen sowie Budget fertiggestellt. Ein Abklingen der „Baugier“ ist bislang dennoch nicht zu beobachten.

 

Steigende Auftragszahlen in der Baubranche

 

Laut Statistischem Bundesamt steigen die Auftragszahlen im Handwerk und vor allem in der Baubranche seit vielen Jahren stetig an. Allein von März bis April 2017 verzeichneten sie ein Plus von 0,9 Prozent und im Gegensatz zum Vorjahr sogar von 6,4 Prozent. Dies entspricht dem höchsten Wert seit 23 Jahren und einem Umsatzvolumen von 6,3 Milliarden Euro an offenen Bestellungen, obwohl Kleinbetriebe mit weniger als 20 Mitarbeitern noch nicht einmal in der Statistik erfasst wurden. Dies macht deutlich, wie groß die Potenziale der Baubranche aktuell sind. Vor allem im gewerblichen Bedarf wie dem Metallbau, doch auch im Bauhauptgewerbe findet demnach das größte Wachstum statt. Rund vier Millionen Menschen arbeiten aktuell im Handwerk – aufgeteilt auf sämtliche Berufe. Klingt wenig? Ist es auch!

 

Handwerker genießen beste Zukunftsaussichten

 

Während Handwerksberufe vor wenigen Jahrzehnten noch eine tragende Rolle in der deutschen Gesellschaft spielten, wählen mittlerweile immer mehr junge Menschen nach ihrem Abschluss ein Studium. Deutschland sei „überakademisiert“, bemängelt deshalb der Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH). Im Handwerk herrscht ein Fachkräftemangel. Tendenz steigend. Bereits jetzt liegen die Wartezeiten auf Handwerker bei durchschnittlich zehn Wochen und diese Problematik wird sich weiter verschärfen, so die Befürchtung. Denn im Handwerk fehlt es an ausreichend Nachwuchs und jedes Jahr bleiben tausende Lehrstellen unbesetzt.

 

Dabei ist die Überzeugung, die Zukunftsperspektiven sind bei einem Studium besser als durch eine Ausbildung im Handwerk, mittlerweile längst überholt. Zahlreiche Handwerksbetriebe suchen aktuell nach einem Nachfolger und wer ein gut laufendes Unternehmen besitzt, mit dem kann kaum ein Akademiker finanziell mithalten. Zudem ist die Gefahr der Arbeitslosigkeit im Handwerk um 0,7 Prozentpunkte geringer. Dennoch sitzt die Angst tief, dass sich eine Krise wie zu Beginn der 2000er Jahre wiederholen könnte. Zudem wirken moderne Berufe auf junge Menschen oft schlichtweg attraktiver, sei es die Arbeit mit digitalen Medien oder die Möglichkeiten von Remote Work, Homeoffice & Co. Die Arbeit mit den eigenen Händen, vor Ort sowie zu fixen Zeiten – damit kann das Handwerk aktuell nur wenig Nachwuchs locken. Durch die steigenden Gehälter und besseren Zukunftsaussichten angesichts des Fachkräftemangels, könnte sich das in den kommenden Jahren aber wieder ändern.

 

Handwerker genießen eine exzellente Verhandlungsposition

 

Gemäß dem Gesetz von Angebot und Nachfrage ist die Rechnung nämlich simpel: Aufgrund des Mangels an Handwerkern im Zuge des Baubooms, steigen die Preise. Um bis zu 50 Prozent sind Handwerkerleistungen in den vergangenen Jahren teurer geworden. Zudem befinden sich die Betriebe in der luxuriösen Position, sich ihre Aufträge selbst aussuchen sowie zeitlich einteilen zu können. Das Rosinenpicken hat begonnen und wer nicht bereit ist, hier mitzuziehen, der muss nach Alternativen suchen. Genau deshalb tummeln sich mittlerweile aber auch zahlreiche Betrüger auf dem Markt, welche angeblich schneller und günstiger „liefern“ können. Genau bei solchen Angeboten ist also Vorsicht angebracht. Schlussendlich bleibt es abzuwarten, ob der Handwerkermangel den Bauboom in Regensburg sowie der gesamten Oberpfalz zum Stillstand bringen wird oder ob es sich ohnehin nur um eine Blase handelt, welche eines Tages platzt und dem Spuk ein plötzliches Ende verleiht. Noch ist jedenfalls kein Ende in Sicht, weder beim Bauboom noch beim Fachkräftemangel im Handwerk.

 

 

Titelbild:       fotolia.com        Michael Rosskothen

(exb)