Bayreuth/Amberg: Fortsetzung im Prozess Sophia Lösche

Mordprozess Sophia Lösche

Die 28-Jährige wollte im Juni 2018 von Leipzig nach Nürnberg trampen. Die Studentin aus Amberg fuhr mit einem LKW-Fahrer mit, kam aber nie in Nürnberg an. Sophias Leiche wird später in Spanien gefunden. Jetzt wird vor dem Landgericht in Bayreuth der Fall um Sophia Lösche verhandelt.

UPDATE

Beim heutigen Prozesstag am Landgericht Bayreuth musste Andreas Lösche den Gerichtssaal für längere Zeit verlassen. Er sei nicht in der Lage gewesen, den Ausführungen des Gerichtsmediziners beizuwohnen, wie er gegenüber OTV sagte. Zu heftig seien dessen Details über seine getötete Schwester Sophia gewesen.

Gerichtsmediziner Stefan Seidl berichtete sehr ausführlich über den fortgeschrittenen Verwesungszustand des Leichnams und über die dumpfe Gewalteinwirkung eines Gegenstandes auf den Kopf der jungen Frau. Sie habe nicht lange überleben können, so heftig seien die Schläge gewesen. Sophia sei an einem offenen Schädel-Hirn-Trauma gestorben. Er gehe nicht von einer längeren Bewusstlosigkeit der jungen Frau aus. Auch von einer Fesselung von Sophia zu Lebzeiten nahm er Abstand. Als Todeszeitpunkt gab er den 14. bis 16. Juni 2018 an. Eine nähere Eingrenzung ließe sich nicht mehr durchführen, weil der Verwesungszustand des Leichnams schon zu fortgeschritten gewesen sei, so Seidl.

Andreas Lösche geht aber auch nach dem heutigen Verhandlungstag davon aus, dass seine Schwester erst in Südfrankreich getötet worden ist und bis dorthin viel leiden musste – auch wenn am Handgelenk keine Blutungen aufgrund einer Fesselung festgestellt werden konnten. Für den Prozess habe dies jedoch keine große Bedeutung, so Valentin Barth, der Vertreter der Nebenklage. Das Mordmerkmal der Heimtücke sei nach wie vor gegeben.

Der Angeklagte kam am Ende dann noch selbst zu Wort. Er gab Auskunft über die Eheprobleme mit seiner Frau, die es schon von Anfang an gegeben habe. Sie habe sich nie um die Kinder gekümmert, habe diese vernachlässigt und ihn dabei respektlos behandelt. Überhaupt habe er in seinem Leben nie Respekt erfahren. Als Kind sei er häufig geschlagen worden und von seiner Mutter sei er nie richtig erzogen worden. Jetzt reagiere er aggressiv darauf, wenn er geschlagen oder berührt werde. Wörtlich: „Wer mich berührt, den schlage ich.“

Wie diese Aussagen zu bewerten sind, wird vielleicht am Montag ein psychiatrischer Gutachter sagen. Dazwischen liegt für die Familie ein quälendes Wochenende. Die volle Wahrheit über die Umstände von Sophias Tod wird sie wahrscheinlich nie erfahren. (tb)

7. Prozesstag

Hat der Angeklagte Spuren verwischen wollen und deshalb den LKW in Spanien in Brand gesetzt? Dieser Frage wurde am heutigen 7. Verhandlungstag im Mordprozess Sophia Lösche nachgegangen.

Ein Brandgutachter wurde diesbezüglich befragt. Der Brandschaden sei so enorm gewesen, dass er keine 100-prozentige Aussage treffen könne. Er bot dem Gericht 3 mögliche Varianten. Es könne sich um einen technischen Defekt gehandelt haben, es könne bewusst durch Manipulieren der Technik ein Brand herbeigeführt worden sein, oder der Brand wurde vorsätzlich gelegt. Auf Nachfrage hielt der Brandgutachter die Varianten 2 und 3 als etwas wahrscheinlicher als die 1. Variante, auch wenn vorher mehrere Kontrollleuchten aufgeleuchtet seien. Diese hätten aber nicht auf eine immense Gefahr hingedeutet.

Auch Andreas Lösche, der Bruder der Getöteten Sophia, und der Vertreter der Nebenklage Valentin Barth halten die Varianten 2 und 3 als am wahrscheinlichsten. Für sie steht es außer Frage, dass der Angeklagte Spuren des Verbrechens beseitigen wollte.

Am Freitag wird der Prozess am Landgericht Bayreuth fortgesetzt. (tb)

 

6. Prozesstag

In Bayreuth ist am heutigen Montag der Mordprozess Sophia Lösche fortgesetzt worden. Im Mittelpunkt standen dabei erst einmal 2 Polizeibeamte mit ihren Aussagen.

Ein Spurenermittler gab an, dass auf einer aufgefundenen Matratze und auf einer Bierdose DNA-Spuren von Sophia sichergestellt werden konnten. Kombiniert mit den Aussagen von 2 spanischen Forensikerinnen Ende Juli ließe die heutige Aussage des Beamten durchaus zu, dass Sophia zu einem späteren Zeitpunkt getötet worden ist als bisher angenommen. Bis jetzt gilt der 14. Juni 2018 als der Tattag. Die Vermutung von Seiten des Bruders Andreas Lösche ist, dass sie bewusstlos geschlagen und auf dem Weg nach Spanien oder in Spanien getötet worden ist. Die Kopfverletzungen könnten diese These stützen, denn die Forensikerinnen berichteten Ende Juli von 2 unterschiedlichen Kopfverletzungen. Der Angeklagte hatte aber bei Prozessauftakt nur von Schlägen mit einem dumpfen Werkzeug gesprochen, die letztendlich tödlich waren.

Ein 2. Beamter berichtete heute von der Telefonauswertung. Und auch von den gefundenen Fotos und Videos auf dem Handy des Angeklagten. Einige seien leider gelöscht worden, erzählt er vor Gericht, und könnten nicht mehr wiederhergestellt werden. Hierzu soll der Angeklagte aber noch befragt werden. Nur er kann aufklären, um welche Fotos und Videos es sich dabei handelt.

Der Prozess wird am Mittwoch und am Freitag in Bayreuth fortgesetzt. (tb)

5. Prozesstag

Im Mordprozess im Fall Sophia Lösche haben heute Vormittag 2 Forensikerinnen aus Spanien ausgesagt. Sie waren per Video aus Spanien in den Gerichtssaal geschaltet. Dabei ging es um 2 wesentliche Punkte.

Der eine Punkt drehte sich um den Todeszeitpunkt. Die Forensikerinnen gaben an, dass dieser im Zeitraum zwischen dem Nachmittag des 16. und dem Nachmittag des 17. Juni 2018 liege. Also 2 bis 3 Tage später, als der Angeklagte am 1. Prozesstag berichtete. Die große Anzahl an Larven bei dem Leichnam weise auf diesen Zeitraum hin. Auf Nachfrage mussten sie aber auch zugeben, dass der Todeszeitpunkt bereits am 14. Juni sein könnte. Die Leiche von Sophia Lösche sei eingewickelt in einem LKW transportiert worden, wo es eventuell kühler gewesen sei.

Der 2. Punkt betraf den Vorwurf der Staatsanwaltschaft, Sophia sei sexuell missbraucht worden und daraufhin getötet worden, um die Tat zu vertuschen. Da keine Spermaspuren festgestellt werden konnten, schlossen die Gerichtsmedizinerinnen eine sexuelle Tat aus.

Neu war der Punkt, bei dem es um die Kopfverletzungen ging, die in Spanien untersucht worden waren. Es seien 2 unterschiedliche Kopfverletzungen festgestellt worden. Eine tödlich verlaufende Verletzung durch mehrere Schläge mit einem dumpfen Gegenstand und eine Kopfverletzung, die nicht tödlich verlaufen sei. War also Sophia zuerst bewusstlos und wurde gefesselt nach Frankreich und Spanien gefahren, wo sie letztendlich getötet worden ist? Eine Frage, die sich den Prozessbeobachtern aufdrängt, denn auch diese Version scheint nach wie vor möglich.

Für Andreas Lösche und dem Vertreter der Nebenklage Valentin Barth ist nach dem heutigen Prozesstag klar: Die Version des Angeklagten über den Todeszeitpunkt und dem Tathergang kann nicht stimmen und ist erlogen. Es wird spannend, zu welchen Erkenntnissen der Indizienprozess in Bayreuth noch führen wird. Die Angehörigen hoffen, dass das Gericht der Wahrheit zumindest ziemlich nahe kommt. (tb)

4. Prozesstag

Es dauerte Mitte Juni vergangenen Jahres sehr lange, bis die Polizei reagiert hat. Diesen Vorwurf von Seiten der Familie Lösche gibt es schon seit über einem Jahr. Die Wahrheitssuche um den gewaltsamen Tod von der Ambergerin Sophia Lösche ging heute vor dem Landgericht in Bayreuth weiter.

Am Vormittag wurden die Cousine von Sophia, ihre beste Freundin, ihr ehemaliger Freund und ein Bewohner der Leipziger Wohngemeinschaft befragt. Sie erzählten von den Abweisungen der Polizei, als es dort erste Nachfragen gegeben habe. Sie tauche schon wieder auf, hieß es da anfangs, oder aber, dass die bayerische Polizei dafür zuständig sei.

In der Zwischenzeit starteten Freunde eine private Suchaktion, schauten sich sogar Videomaterial an Raststätten an und war damit in ihrer Recherche schneller als die Polizei, wie heute vor Gericht wieder einmal deutlich wurde. Am Ende seien immerhin rund 100 Privatleute an der Suche beteiligt gewesen.

Auch ihre Aussagen hinsichtlich von Sophias Charakter steht in klarem Widerspruch zu den Aussagen des Angeklagten vom 1. Verhandlungstag. In der vergangenen Woche sagte er, dass Sophia seine Privatsachen durchwühlt habe, weil sie vermutet habe, er habe Haschisch aus ihrer Tasche gestohlen. Sie sei daraufhin aggressiv geworden und die Situation sei eskaliert. Die Aussagen der zeugen boten heute ein anderes Bild von Sophia. Sie sei stets hilfsbereit gewesen, sozial engagiert und habe die Konfrontation gescheut und lieber das offene, deeskalierende Wort bevorzugt. (tb)