Betrug beim Online-Shopping – Wie schützt man sich?

Das Internet hat die Lebensqualität innerhalb von Gesellschaften stark verbessert. Viele Angelegenheiten lassen sich bequem über das digitale Netz erledigen und auch die Kontaktpflege war nie einfacher als in der heutigen Zeit. Doch das Internet kann zuweilen auch ein düsterer Ort sein, da es zahlreiche Betrüger auf Geld, Passwörter und sogar Identitäten abgesehen haben. Speziell im Bereich E-Commerce müssen Verbraucher besonders auf der Hut sein. Im Interview erklärt Friedhelm Hofman, Experte für Online-Sicherheit, wie man sich vor den betrügerischen Machenschaften im Internet schützen kann.

Betrug beim E-Commerce

Laut den Angaben des Unternehmens RSA, Anbieter für Online-Sicherheitslösungen, beliefen sich die Verluste im Zusammenhang mit Betrug beim E-Commerce im Jahr 2018 auf fast 6,4 Milliarden US-Dollar. Dabei hat sich die Schadenssumme im Gegensatz zum Vorjahr nahezu verdoppelt. Auch in Deutschland werden die Maschen der Betrüger immer professioneller. Daher ist es äußerst wichtig, dass Verbraucher die Anzeichen von E-Commerce-Betrug erkennen, um sich selbst und auch die eigenen Finanzen zu schützen.

Im E-Commerce kommen am meisten Kreditkartenbetrug, Identitätsdiebstahl, Rückbuchen und betrügerische Rücksendungen zum Einsatz. Diese Methoden betreffen nicht nur die Verbraucher, sondern werden auch auf die Händler angewandt. Dabei gibt es viele Warnzeichen, die auf einen potenziellen Betrug hinweisen können. Dazu gehören unter anderem mitten in der Nacht aufgegebene Bestellungen, Postfachadressen, kostenlose oder anonyme E-Mail-Adressen oder auch exorbitant hohe Bestellsummen.

Obgleich man sich als Verbraucher oder Händler über derartige Hinweise bewusst ist, wird es zuweilen immer schwieriger, Echtheit und Betrug auseinanderzuhalten. Friedhelm Hofman, Experte für Online-Sicherheit, weiß über die Kniffe der Betrüger Bescheid und kann die Unsicherheit aller beteiligten Parteien nachvollziehen. Im Interview erklärt er, wie man sich vor Betrug beim Online-Shopping schützen kann.

Wie genau arbeiten Betrüger im E-Commerce?

Friedhelm Hofman: Die wohl gängigste Art des Betrugs im Online-Handel sind die sogenannten Fake-Shops, die mittlerweile immer schwerer zu erkennen sind. Sie sind teilweise Kopien von existierenden Webseiten und wirken auf den ersten Blick seriös und Käufer schöpfen daher selten Verdacht, dass es sich eventuell um eine betrügerische Seite handeln könnte.

„Sicherheit im E-Commerce ist auch für unsere Nutzer ein Thema. Aus diesem Grund prüfen wir jedes Schnäppchenangebot ganz genau“, sagte uns Ralph Schomaeker-Möller von der Dealplattform Mein-Deal.com in einem Telefoninterview.

An dieser Stelle empfiehlt es sich, der jeweiligen Webseite einer Überprüfung zu unterziehen und sowohl Informationen und Erfahrungsberichte einzuholen. Wenn Verbraucher z.B. auf der Suche nach einem Gutschein- oder Schuhportal sind, allerdings auf einer ähnlichen und doch abgewandelten Version des Originals landen, müssen die Alarmglocken läuten. Hier hilft dementsprechend ein überprüfender Blick.

Da Fake-Shops zuweilen mit gut kopierten Produktbildern und Informationen aus dem Internet sowie einem professionellen Erscheinungsbild arbeiten, gewinnen sie oftmals das Vertrauen der Konsumenten und verleiten zu einem Kauf. Auch ein scheinbar besonders günstiger Preis des gesuchten Produkts soll zu einem Kauf animieren.

Anhand welcher Kriterien lassen sich Fake-Shops erkennen?

Friedhelm Hofman: Fake-Shops imitieren zwar bekannte Webseiten, können allerdings nicht jeden Aspekt des Originals kopieren. Das gilt speziell für die Internetadresse. Meist weist diese bei den Nachahmungen Ungereimtheiten auf, die sofort als Warnzeichen identifiziert werden müssen. So kommen etwa Erweiterungen der Adresse um weitere Domainendungen zum Einsatz. Wo eigentlich nur ein „.de“ stehen müsste, liest sich beim Fake-Shop z.B. ein „.de.com“.

Auch wenn die Adresse nicht mal im Ansatz mit dem gezeigten Inhalt der Webseite übereinstimmt, sollte man als Verbraucher Skepsis walten lassen. Falls z.B. bei einer URL zum Thema Sport aus unerklärlichen Gründen plötzlich Möbel dargeboten werden, handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um einen gefälschten Shop.

Können Kundenbewertungen bei der Identifizierung von Fake-Shops helfen?

Friedhelm Hofman: Prinzipiell macht es beim Online-Shopping immer Sinn, sich als Kunde die Bewertungen anderer Käufe anzuschauen, um einen Eindruck von dem jeweiligen Artikel und der gesamten Seite zu bekommen. Doch die Praxis zeigt, dass man sich nicht nur auf die Rezensionen innerhalb eines Shops verlassen sollte.

Sollten sich etwa nur positive Bewertungen in Form von Lobeshymnen auf der Seite angehäuft haben, kann dieser Aspekt als ein zusätzliches Indiz für einen Fake-Shop angesehen werden. Insbesondere wenn anderweitige Bewertungen stark von den positiven Kundenrezensionen abweichen, weist diese Tatsache meistens auf betrügerische Absichten hin.

Was müssen Verbraucher über das Impressum und die AGB bei Fake-Shops wissen?

Friedhelm Hofman: Aufgrund der steigenden Professionalität der Betrüger, verfügen viele Fake-Shops sowohl über ein Impressum als auch über Allgemeine Geschäftsbedingungen. Allerdings sind diese frei erfunden oder schlicht und einfach von anderen Seiten kopiert. Das Problem hierbei ist, dass dies zum Teil sehr schwer zu erkennen ist.

Ein deutliches Indiz für gefälschte AGB ist der Sprachstil. Es gibt Fake-Shops, die diesen Teil der Webseite mithilfe eines Übersetzungsprogramms einarbeiten, so dass letztlich schlechtes Deutsch dabei herauskommt. Fällt also auf, dass die AGB merklich mit Fehlern durchsiebt sind oder sogar gänzlich fehlen, sollte lieber nichts bestellt werden.

Beim Thema Impressum gibt es ebenfalls einige Merkmale, die die Identifizierung eines Fake-Shops ermöglichen. Ein nicht vorhandenes Impressum ist das offensichtlichste Indiz für eine betrügerische Seite. Falls doch ein Impressum vorzufinden ist, müssen unter anderem die Adresse, ein Vertretungsberechtigter und eine E-Mail-Adresse aufgelistet sein. Zudem darf der Verweis auf das Handelsregister mit entsprechender Nummer nicht fehlen.

Helfen Gütesiegel bei der Erkennung von Fake-Shops?

Friedhelm Hofman: Gütesiegel sind ein nützliches Tool für Verbraucher, um Sicherheit beim Online-Shopping zu vermitteln. Das wissen natürlich auch die Betreiber von Fake-Shops, die sich gerne mit erfundenen Siegeln schmücken. Allerdings verfügen diese über keinerlei Aussagekraft. Heikler wird es, wenn echte Gütesiegel wie etwa „Trusted Shops“ genutzt werden.

Fake-Shops verwenden dieses bekannte Symbol, um glaubhaft und seriös zu wirken. Jedoch besitzen sie kein Zertifikat für diese Auszeichnung. Verbraucher können mit einem Klick auf das Siegel überprüfen, ob dieses mit einem entsprechenden Zertifikat verlinkt ist. Ohne eine solche Verlinkung handelt es mit sehr großer Wahrscheinlichkeit um eine Fälschung.

Was können Opfer von Fake-Shops tun?

Friedhelm Hofman: Wer bereits Geld an einen Fake-Shop überweisen hat, muss umgehend seine Bank kontaktieren. Diese soll die Zahlung rückgängig machen. In der Regel ist dies innerhalb weniger Stunden nach einer Onlinebestellung noch möglich. Bei anderen Zahlungsvorgängen wie dem Lastschriftverfahren kann die Zahlung noch bis zu acht Wochen nach Einzug revidiert werden.

Des Weiteren sollten alle Belege für die Online-Bestellung aufbewahrt und gesichert werden. Dazu gehören der Kaufvertrag, die Bestellbestätigung, alle E-Mails und ein Screenshot des Angebots. Da es sich rein rechtlich um Betrug handelt, hilft auch der Kontakt zur Verbraucherzentrale.

(Bild: Das Internet hat auch seinen Schattenseiten. Bildquelle: methodshop / Pixabay)