Burglengenfeld: Nach Höhlenfund – Tracerversuch für den Trinkwasserschutz

Die Entdeckung einer großen Höhle bei Bauarbeiten an der Umgehungsstraße hat Burglengenfeld im Frühsommer 2020 überregionale Medienaufmerksamkeit beschert. Die Frage, die die Stadtwerke als Wasserversorger seitdem beschäftigt, lautet: Wie ist der Schutz unseres Trinkwassers am besten sicherzustellen? Antworten hierzu soll ein sogenannter Tracerversuch liefern.

Dass eine derart große Höhle, der nach seinem Entdecker benannte Zwicknagelschacht, im Stadtgebiet Burglengenfeld liegt, war für Fachleute keine große Überraschung. Große Teile des Wasserschutz- und Wassereinzugsgebiets gehören zum Oberpfälzer Jura. Bodenschichten im Jurakarst sind häufig nur sehr dünn ausgeprägt, das Gestein ist stark zerklüftet und damit äußerst durchlässig. Hier bestehen zum Beispiel durch Dolinen vielfach direkte Verbindungen zwischen der Erdoberfläche und dem Grundwasserstrom. Niederschlagswasser, aber auch unerwünschte Stoffe wie Pflanzenschutzmittel können deshalb rasch in das Grundwasser und damit letztlich auch in das Trinkwasser gelangen.

Ähnliche Auswirkungen könnte der Zwicknagelschacht haben. Der tiefste bislang bekannte Punkt der Höhle liegt laut dem Hydrogeologen Dr. Klaus Dieter Raum nur rund 30 Meter über dem Grundwasserspiegel. Fragen, die die Stadtwerke daher klären wollen: Wie lange würde es etwa nach einem Unfall auf der Umgehungsstraße in dem Bereich dauern, bis möglicherweise verunreinigtes Wasser im Grundwasser und bei den Trinkwasserbrunnen im Raffa ankommt? Wie lange also hätten die Stadtwerke in so einem Schadenfall Zeit, um zu reagieren?

Um Antworten auf diese Fragen zu bekommen, ist der Tracerversuch nötig. Dabei wird an geeigneten Stellen in der Höhle mit lebensmittelechtem Farbstoff versetztes Wasser eingebracht. Anhand der Färbung kann nachvollzogen werden, welchen Weg das Wasser nimmt und wie schnell das geht. Das kann wenige Stunden dauern – oder mehrere Monate.

Stadtwerke-Vorstand Friedrich Gluth erklärte, dass der Tracerversuch den ursprünglichen Planungen zufolge längst abgeschlossen sein sollte. Allerdings steckte wie so oft der Teufel im Detail. Zunächst waren umfassende Absprachen des beauftragten Fachbüros mit den zuständigen Fachbehörden nötig: Welche Farbstoffe eignen sich dafür? Welches Labor kann zuverlässig die Auswertungen übernehmen? Und letztlich drehte sich alles um die Frage, wer derzeit überhaupt die geeigneten Farbstoffe für den Versuch liefern kann. Nun soll der Tracerversuch Mitte Januar 2021 stattfinden.

„Wasser ist Leben. Trinkwasser ist unser höchstes Gut, unser wichtigstes Lebensmittel. Es muss daher auch entsprechend geschützt werden“, macht Friedrich Gluth deutlich. Die Stadtwerke hätten in den vergangenen Jahren erheblichen Aufwand betrieben, um die Versorgung der Bürger mit einwandfreiem Trinkwasser zu gewährleisten. Als Beispiele dafür nennt der Vorstand den Bau eines neuen Brunnens, die Sanierung der Hochbehälter auf dem Kreuzberg und am Augustenhof, die Sanierung einer ehemaligen Mülldeponie oder die Auswechslung eines Schieberkreuzes in der Vorstadt „über Nacht“.

Die Entdeckung des Zwicknagelschachts zeige eindrücklich die geologischen Besonderheiten des Einzugsbereichs der Burglengenfelder Trinkwasserversorgung auf. „Das zeigt auch, wie wichtig es war, die Aktivkohleanlage im Raffa zu bauen“, so Gluth. „Das Trinkwasser, das aus unseren drei Brunnen im Waldgebiet Raffa kommt, bedarf keiner Aufbereitung und kann direkt und ohne Zusätze an die Verbraucher abgegeben werden.“ Der Bau der Aktivkohleanlage sei eine Vorsichtsmaßnahme für den „hoffentlich nie eintretend Fall“, dass Verunreinigungen das Trinkwasser bedrohen. Nur dann soll nach jetzigem Stand die Aktivkohleanlage in Betrieb genommen werden. Generell aber gelte: „Die Wasserqualität in Burglengenfeld ist sehr gut und entspricht in allen Belangen den strengen gesetzlichen Anforderungen.“

Die Aktivkohleanlage ist inzwischen betriebsbereit. Die bereits mit der Geistlichkeit abgesprochene kirchliche Segnung und damit der offizielle Abschluss der Bauarbeiten ist eine der zahlreichen Veranstaltungen, die wegen der Corona-Pandemie heuer nicht stattfinden konnten.

(vl)