Cannabis-Boom: Das Marktpotenzial ist noch nicht ausgeschöpft

Dass die Hanfpflanze ein schier unerschöpfliches Potenzial besitzt, wussten die Menschen schon vor unserer Zeitrechnung. Das nun schon mehrere Jahrzehnte andauernde Verbot verdeckte dieses Wissen und die wirtschaftliche Komponente geriet in Vergessenheit. Doch in den letzten Jahren sind Anzeichen für eine Öffnung nicht mehr zu übersehen und es besteht die berechtigte Hoffnung, dass das Marktpotenzial von Cannabis in absehbarer Zeit ausgeschöpft werden kann.

Auch in Deutschland sind erste Anzeichen erkennbar. So ist Cannabis seit März 2017 auf Rezept erhältlich. Das treibt den Anbau und den Import von Medizinalhanf voran. Zudem entwickelt sich mit dem rauschfreien Wirkstoff CBD (Cannabidiol) ein neuer Markt, der perfekt die modernen Online-Vertriebswege bedient. Die Produkte sind in der Mehrheit legal zu kaufen und Startups schießen wie Pilze aus dem Boden. Franchise-Unternehmen und Affiliate-Marketing-Maßnahmen kurbeln den Verkauf an. Immer mehr junge Menschen möchten ein CBD White Label gründen, womit Produkte von Drittanbietern unter eigener Marke gewinnbringend vertrieben werden können. Doch immer noch behindern Einschränkungen und Verbote den Aufbau einer Wertschöpfungskette.

Die Wertschöpfungskette der Cannabinoide

Die über hundert Wirkstoffe (Cannabinoide) der Hanfpflanze auch abseits des berauschenden THC (Tetrahydrocannabinol) versprechen ein boomendes Business und einen riesigen Markt. Cannabinoide sind in Arzneien enthalten und werden in Kosmetikartikeln verarbeitet. Nahrungsergänzungsmittel und Lebensmittel sind weitere Industriezweige, die auf die Substanzen setzen wollen.

Vor allem bei medizinischen Anwendungen geht das Marktpotenzial in den Multi-Milliardenbereich. Derzeit steht CBD im Mittelpunkt und hat die Phase als Lifestyle-Produkt schon länger hinter sich gelassen. CBD wirkt antibakteriell und entzündungshemmend. Zudem wurden entkrampfende und antiseptische Eigenschaften nachgewiesen. Sein therapeutisches Potenzial entfaltet die Substanz bei Beschwerden, welche im zentralen Nervensystem oder dem Immunsystem ihre Ursache finden. Bisher kommt es vornehmlich bei Schlafstörungen zum Einsatz, an denen zumindest in Europa an die 150 Millionen Menschen leiden. Zudem werden Erfolge bei der Linderung chronischer Schmerzen vermeldet.

Nur Bruchteile der Cannabinoide sind erforscht

Obwohl der Wirtschaftszweig inzwischen den Kinderschuhen entwachsen ist, muss noch Pionierarbeit geleistet werden. Experten gehen davon aus, dass allein in der EU für Cannabinoid-haltige Medikamente ein Markt mit einem Volumen von ca. 250 Milliarden Euro besteht. Dabei bedarf es sicherlich Investitionen in Millionenhöhe allein für die Grundlagenforschung. Die Stimmen werden immer lauter, die eine Lockerung der harschen politischen Regulierungen fordern. Erst dann öffnet sich für Investoren und Firmen die gesamte Wertschöpfungskette, damit die wichtigsten Geschäftsbereiche wie Forschung und Entwicklung sowie Vermarktung und Vertrieb in Gang gesetzt werden können.

CBD nur eine Blaupause

Das gesamte wirtschaftliche Potenzial von Cannabis erscheint vor allem dann beeindruckend, wenn sich bewusst gemacht wird, dass CBD nur einer von vielen Wirkstoffen der Hanfpflanze ist. Mit Cannabigerol (CBG), Cannabivarin(CBV) und Cannabinol (CBN) stehen schon weitere Substanzen bereit, denen teilweise ein 50-faches Potenzial im Vergleich zu CBD zugesprochen wird.

Einige Länder haben das schon erkannt und rund um den Globus wächst der Absatz von Hanfpflanzen. Bisher wird sich dabei weitestgehend auf medizinisches Cannabis konzentriert. Kanada, Israel, die Niederlande und Dänemark sind schon länger im Geschäft. In Deutschland muss noch der größte Teil des Rohmaterials, der für die Medikation von Schmerzpatienten verschrieben wird, für teures Geld importiert werden. Aber auch auf diesem Feld geht es voran. Darf doch seit Kurzem in Neumünster und bei Dresden unter Aufsicht der Cannabisagentur Medizinalhanf angebaut werden.

Investoren scharren mit den Hufen

Speziell die fortschreitende Legalisierung von Cannabis in den USA fasziniert die Investoren. Der kürzlich erfolgte Machtwechsel im Weißen Haus heizt die Erwartung weiter an. Es wird davon ausgegangen, dass unter Joe Biden und vor allem Vize Kamala Harris die Legalisierung auf dem größten Markt der Welt vorangetrieben wird.

Bisher kann von drei bereits etablierten Unternehmen gesprochen werden, die seit ihrem Börsenstart auf eine positive Renditeentwicklung zurückblicken können. Global Player aus der Getränkeindustrie wie Coca-Cola und Heineken denken laut über Joint Ventures nach. Allerdings werden sich auch in diesem Bereich nur die nachhaltigsten Geschäftsmodelle durchsetzen und die harte Selektion überstehen. Die Aussichten für Anleger sind rosig, doch sollte die Sache mit einem langfristigen Erwartungshorizont angegangen werden.

(exb)

(Bildquelle: Jeff W on Unsplash)