Der Einzelhandel geht online

Die Corona-Pandemie, die das Jahr 2020 bestimmt hat und auch das Jahr 2021 weiterhin fest im Griff hat, hat einen Wandel im Einzelhandel förmlich erzwungen. Mit dem Lockdown im Frühjahr und im Dezember 2020 wurden vor allem mittelständische Einzelhändler, die auch den Charme der Oberpfalz mitbestimmen, ihrer Verkaufs- und Existenzgrundlage beraubt. Sie musste schließen, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Ihr Einkommen sank auf null. Und obgleich es Hilfen seitens der Politik gab, initiierte diese Zwangsschließung doch auch einen Ruck in der Riege der Einzelhändel – und zwar in Richtung Online-Vertrieb.

Abbildung 1: Wird die Kleidung an der Stange zum Ladenhüter? Die Gefahr besteht, denn die Läden bleiben vorerst einmal zu. Wer sich als lokaler Einzelhändler aufmacht, um seine Produkte online zu vertreiben, sollte den Online-Handel mit lokaler Werbung Verquickung und so die eigene, regionale Online-Nische finden.

ibi research sprang beratend ein

Bereits seit April 2020 ist die ibi research nun beratend tätig, um Einzelhändler fit zu machen für die Herausforderungen, die ihnen der Onlinehandel stellt. Das Institut ist keine neue Erfindung, sondern bildet bereits seit 1993 eine Brücke zwischen der universitären Theorie an der Universität Regensburg und der Praxis mit Blick auf anwendungsorientierte Beratung und Forschung.

Was abstrakt klingt, hatte für die Einzelhändler der Oberpfalz deutlich mehr Praxisnähe, denn sie erhielten kostenlose Webinare zu den Möglichkeiten, online als Einzelhändler zu agieren – und zwar über Facebook, Amazon und andere Online-Kanäle. Unter bayern-hilft-haendlern.de können einige der Webinare auch noch nachträglich abgerufen werden, denn der Informationsbedarf ist nach wie vor hoch und auch der Bedarf einer Online-Strategie ist spätestens seit dem Lockdown im Dezember brisanter denn je.

Mit welchen Ideen sich der Einzelhandel in der Oberpfalz durch die schwierige, wirtschaftliche Phase manövriert, könnte unterschiedlicher nicht sein. Allerdings lässt sich auch beobachten, dass keine totale Abkehr von der Regionalität zu erkennen ist, sondern eine gekonnte Verquickung von Online-Angeboten und Vor-Ort-Service.

Online-Handel und lokale Werbung. So geht das zusammen

Ganz im Gegensatz zu Startups, die bei null beginnen und sich zunächst einen Kundenstamm aufbauen müssen, haben die Einzelhändler in der Oberpfalz das bereits: Treue Kunden, die bis dato meist fußläufig ins Ladengeschäft kamen und dort die gewünschten Produkte erworben haben. Seit dem das nicht mehr geht, haben sich zunehmend mehr Einzelhändler auf das Abenteuer Online-Handel eingelassen, was für sie bedeutet: Sie brauchen einen Online-Shop und lokale Werbung, um Stammkunden zu halten. Gut bewährt hat sich die Kombination dieser Dienstleister:

Abbildung 2: Eine wichtige Komponente eines funktionierenden Onlinehandels ist ein technisch gut aufgestellter Onlineshop, der die Produkte aus dem Ladengeschäft in der Oberpfalz kontaktfrei präsentiert.

Die Software: Unter shopify.de erhalten interessierte Einzelhändler, die online gehen wollen, Know-how und Technik, um diesen Weg einschlagen zu können. Mit Firmennamen, Logo, Texten und Bildern kann die Online-Präsenz starten. Die Produktwelt wird anschließend die Shop-Inhalte bilden. Shopify hilft hier mit der nötigen Software sowie Beratung rund ums Thema Branding. Auch unabhängige Agenturen sind mittlerweile auf die Arbeit mit Shopify spezialisiert, da die Plattform extrem erfolgreich ist. Aufgesetzt wird so ein technisch hochwertiger Onlineshop, der die beliebtesten Funktionen des Onlineshoppings unterstützt und dem Einzelhändler Tür und Tor zu diversen Onlinekanälen öffnet. Die Online-Vermarktung sowie das Management des Shops sind weitere Features des Anbieters.

Die lokale Werbung: Um nicht nur interessierte Kunden aus aller Welt zu erreichen, sondern die Stammkunden aus der Oberpfalz nach wie vor mit gewohnten Produkten in hoher Qualität zu versorgen, setzen viele Einzelhändler der Region auf fassbare Werbung. Das bedeutet in der Praxis: Die Adresse des neuen Online-Shops muss sichtbar werden – und zwar mithilfe von Stempeln, Visitenkarten und Beschriftungen auf Tüten, die vor allem beim Versand oder für den Abholservice nötig sind. Hilfe gibt es für den Part „lokale Werbung“ ebenfalls Hilfe aus dem Netz, denn die Mitarbeiter der stempelfactory.de können auch im Lockdown weiterarbeiten, produzieren und liefern.

Ein Blick zu den Nachbarn, in den Landkreis Ebersberg im Regierungsbezirk Oberbayern, zeigt die Verwirklichung einer anderen Idee, um dem Einzelhandel ein Überleben in der Krise zu sichern: Unter br24.de ist von der Idee von Lakhena Leng zu lesen, die für den Landkreis eine regionale Plattform ins Leben rufen wollte, auf der alle Einzelhändler online ihre Produkte anbieten können. Das Prinzip fußt darauf, ein ebenso breites Marktplatzangebot zu bieten wie Amazon, allerdings mit ausschließlich regionalen Einzelhändlern, die sich mehr oder weniger gut mit dem Prinzip anfreunden können.

Keine Versandriesen, sondern regionaler Charme

Was für die Einzelhändler in der Oberpfalz zählt, ist nicht, das komplette Geschäft online abzuwickeln und der regionalen Stammkundschaft den Rücken zu kehren. Auch gibt es keine Chance, den mächtigen Versandriesen die Stirn zu bieten. Allerdings bietet vor allem die Kombination aus Online-Shop und lokaler Werbung die Möglichkeit, weiterhin regional zu agieren – kontaktfrei und ganz im Sinne der Eindämmung des Infektionsgeschehens.

Ein Blick zu den überregional tätigen Wirtschaftsriesen der Region zeigt: Conrad Electronic in Hirschau stockte auf, um den Onlinehandel in der Vorweihnachtszeit gut bewältigen zu können. Auch bei Witt Weiden gibt es bereits seit längerem die Möglichkeit, online zu shoppen. Unklare Zukunftsaussichten werden künftig verstärkt auch die Einzelhändler ins Netz bringen – im besten Fall mit einer Kombination aus Online-Angebot und lokaler Werbung.

(exb)

 

Abbildung 1: pixabay.com © Free-Photos (CC0 Public Domain)

Abbildung 2: pixabay.com © mohamed_hassan (CC0 Public Domain)