Ein Instrument erlernen: Welche Möglichkeiten gibt es?

Rund neun Millionen Musikliebhaber sollen nach Auswertungen unabhängiger Studien in Deutschland derzeit regelmäßig mindestens ein Instrument spielen, weitere vier Millionen ihrem Hobby als Sänger in einem Chorensemble nachgehen. Gründe für das Erlernen von Flöte, Geige und Co. gibt es genug.

Von Tuten und Blasen Ahnung haben?

Ist nicht nötig, um emotional auf Musik zu reagieren. Auch, wer sich auf der Tanzfläche in der Ecke versteckt oder beim Aerobic-Kurs den Takt verpasst – Musik liegt allen Menschen auf individuelle Weise im Blut. Bereits im Mutterleib sollen Embryos Töne und Klänge der Außenwelt wahrnehmen können und durch sie für ihr späteres Leben geprägt werden.

Nicht umsonst steht Musikunterricht in den meisten europäischen Ländern auf dem Lehrplan. Von insgesamt 19 untersuchten Nationen verzichten nur Island und die Niederlande auf Musik als ein verpflichtendes Schulfach, bei der Hälfte aller anderen steht neben Notenschlüsseln und Gesang auch das Erlernen eines Instruments auf dem Plan. Damit werden bei den Kindern zahlreiche Fähigkeiten unterstützt. Die Kleinen können

  • Rhythmusgefühle entwickeln
  • Konzentration stärken
  • Koordinationsfähigkeit steigern
  • Gedächtnis trainieren
  • als Band- oder Orchestermitglied ihre Teamfähigkeit unter Beweis stellen
  • Kreativität ausleben
  • Emotionen beherrschen
  • Durchhaltevermögen zeigen
  • Disziplin üben
  • Erfolge erzielen

In die Tasten oder auf die Pauke hauen?

Wer im Schulunterricht keine Möglichkeit zum Erlernen eines Instruments hatte oder sich darüber hinaus auch in der Freizeit der Musik verschreiben möchte, der hat die Qual der Wahl. Soll es ein Blas-, Streich- oder Tasteninstrument sein? Während Erwachsene ihre Entscheidung oft schon lange vor ihrer ersten Unterrichtsstunde gefällt haben, erweist sich der Kauf des passenden Musikinstrumentes für Kinder oft als nicht einfach.

Früh übt sich

Nach einer musikalischen Früherziehung mit Klatschen und Bewegungsspielen soll nach wissenschaftlichen Erkenntnissen ein Einstiegsalter von sechs Jahren ideal zum Erlernen eines Instrumentes sein. Dabei stehen Klavier, Gitarre und Geige ganz oben auf der Beliebtheitsskala von Schülern in Deutschland.

Nicht immer jedoch ist sich ein Kind bereits sicher, welches Instrument es gerne erlernen würde. Verschiedene Aspekte können dabei helfen, die Auswahl einzugrenzen.

  • Erfolge sind wichtig: Instrumente mit hohen Ansprüchen an die Feinmotorik wie Geigen sind für den Einstieg nicht empfehlenswert
  • Integration in den Alltag: Die Wohnung muss genug Platz für das Instrument bieten. Klaviere und Schlagzeuge lassen sich nur schwer in einer Zwei-Zimmer-Wohnung unterbringen
  • Anschaffungskosten: Platz für das Klavier wäre da, doch nicht die finanziellen Mittel? Kostengünstiger sind elektronische Varianten. Sie bieten zudem den Vorteil des Gebrauchs von Kopfhörern
  • Mädchen oder Junge? Wird den Kindern die Entscheidung überlassen, zeigt sich ein Unterschied zwischen den Geschlechtern: Mädchen greifen zur Blockflöte, Jungs möchten trommeln
  • Spielt noch jemand in der Familie? Oft macht gemeinsames Musizieren doppelt Spaß – die Instrumente können aufeinander abgestimmt werden
  • Wo liegen die Vorlieben? Tanzt der Nachwuchs zu Rockmusik, summt er mit bei Opern, lässt Jazz sein Herz höher schlagen? Während ein Bass als ein beliebtes Band-Instrument gilt, ebnen Klarinette oder Querflöte den Weg ins klassische Orchester.

Tipp: Nicht jedes Kind zeigt von Beginn an ein langfristiges Durchhaltevermögen. Die meisten Instrumentenarten lassen sich auch mieten, ausleihen oder in Schnupperkursen an Musikschulen ausprobieren – ideal, um für einige Wochen den Geschmack des Kindes zu testen.

Natürlich können die Kleinen auch Ukulele lernen oder Harfe. Einige gängige Musikinstrumente finden sich jedoch häufiger als andere in Familienhaushalten wieder. Dazu zählen:

  • Blockflöte: der Klassiker unter den Einstiegs-Instrumenten. Günstig in der Anschaffung, robust und leicht zu erlernen
  • Gitarre: Auswahl zwischen akustischen und elektronischen Varianten. In Kindergrößen erhältlich. Gleichzeitiges Singen möglich
  • Violine: Erfordert Durchhaltevermögen. Schwierige Handhabung, empfindlich und teuer. Wer den Anfang meistert, hört selten wieder auf
  • Klavier: Sperrig, teuer, laut. Schnelle Erfolge.
  • Trompete: Für Solisten, Orchester und Bands, für Musikstile von Jazz bis Klassik. Empfindlich, schwer an Gewicht

Es ist nie zu spät

„Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir“ – dem Hinweis des römischen Philosophen Seneca folgen immer mehr ältere Musikliebhaber: Sie erlernen auch mit 30, 50 oder 70 Jahren noch ein Instrument. Mag es das erste sein oder eine Auffrischung des Kindheits-Hobbies.

Grundsätzlich gibt es kein Instrument, das nicht auch noch Senioren erlernen könnten. Dennoch erweisen sich Blasinstrumente aufgrund des erforderlichen Lungenvolumens oder Violinen wegen der benötigten Fingerfertigkeit als weniger geeignet als beispielsweise Klaviere. Mittlerweile finden sich auch speziell für Senioren entwickelte Musikinstrumente wie die sogenannte Veeh-Harfe auf dem Markt. Sie erlauben durch eine spezielle Schablonenschrift das erfolgreiche Saiten-Zupfen auch ohne Vorkenntnisse im Notenlesen.

Teamarbeiter oder Einzelgänger?

Ist die Entscheidung für das Instrument gefallen, geht es an die nächste Frage: Wie sollte es am besten erlernt werden? In Eigenregie zu Hause, im Gruppenunterricht oder bei einem Privatlehrer?

Onlineunterricht unter der Lupe

Kostenlose Tutorials auf YouTube-Kanälen, gebührenpflichtige Internet-Musikschulen oder speziellen Apps für Tablets: Wer technikaffin ist und sich gut selbst motivieren kann, für den bietet sich ein Online-Musikunterricht an.

Vorteile: 

  • Günstig
  • Zeitliche Flexibilität
  • Inhalte frei wählbar

Nachteile:

  • Hohe Selbstdisziplin erforderlich
  • Kein Feedback zum Kenntnisstand
  • Kein Kontakt zu Gleichgesinnten

Einzelunterricht unter der Lupe

Allein, aber zu zweit: Einzelunterricht punktet in Hinsicht auf besonders viele Aspekte. Umsonst gibt es das Ganze jedoch nicht…

Vorteile:

  • Intensives Lernen
  • Ungeteilter Fokus des Lehrers
  • Anpassung von Lerntempo und Stückauswahl an Schülerwunsch
  • Keine Ablenkung
  • Problemloses Aussetzen von Unterrichtsstunden aufgrund privater Gegebenheiten
  • Keine Verunsicherung durch Dritte

Nachteile:

  • Erhöhte Anstrengung durch intensives Lernen
  • Keine Hilfestellung durch andere Schüler
  • Chemie zur Lehrkraft entscheidend
  • Sehr kostspielig

Gruppenunterricht unter der Lupe

Der Lernerfolg beim Gruppenunterricht steht und fällt auch mit der Atmosphäre der Teilnehmer untereinander. Wer sich bereits im Vorfeld kennt, tritt erfahrungsgemäß weniger häufig in Konkurrenz zueinander. Auch Kenntnisstand und Musikgeschmack sollten möglichst auf einer Linie liegen.

Vorteile:

  • Erhöhte Motivation
  • Sozialer Austausch
  • Vergleichsmöglichkeiten
  • Regelmäßiger Unterricht
  • Kostengünstiger als Einzelunterricht

Nachteile:

  • Geteilte Aufmerksamkeit der Lehrkraft
  • Kein individuelles Lerntempo
  • Keine Rücksichtnahme auf persönliche Interessen
  • Mögliche Verzögerungen bei Informationsweitergaben und Unterrichtsgestaltung

Für einen Gruppenunterricht kann zwischen öffentlichen und privaten Musikschulen gewählt werden. Es muss auch nicht immer die herkömmliche Volkshochschule sein: Einwohnern des Einzugsgebiets der Oberpfalz stehen sogarungewöhnlich Orte wie ein Kloster als Übungsstätten zur Verfügung. Wer hier Erfolg hatte, kann den weiteren Schritt wagen und sich als Mitglied im Auswahlorchester des Bezirks Oberpfalz bewerben. Im Jahr 2000 als Austauschplattform für Musiker und Ergänzung zum Heimat-Musikverein ins Leben gerufen, bietet die Musikvereinigung Gleichgesinnten die Option, konzertante Blasmusik überregional zu repräsentieren.

Übung macht den Meister

Um zumindest am Anfang einen Erfolg verbuchen zu können, wird altersunabhängig ein tägliches Üben von rund einer halben Stunde empfohlen, Unterricht sollte einmal wöchentlich erfolgen.

Dabei gilt: Auch in Mietwohnungen darf musiziert werden! Dies wurde bereits in unzähligen Gerichtsurteilen bestätigt. Allerdings darf das Instrument auch nicht beliebig hervorgeholt werden. Abhängig von der Lautstärke und dem Wohnumfeld schwanken die Befugnisse zum Üben zwischen 30 Minuten und drei Stunden – pro Werktag und außerhalb der Ruhezeiten.

Nicht ohne mein Saxophon!

Musikinstrumente stellen in der Regel nicht nur finanzielle, sondern auch hohe persönliche Werte für ihre Nutzer dar. Gleich zwei Gründe, besondere Vorsicht bei ihrer Lagerung, der Wartung und ihrem Transport walten zu lassen.

Auch, wenn das tägliche Üben im Normalfall kein Problem darstellt – steht die lange Sommerreise an oder kann aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen für eine längere Dauer nicht musiziert werden, sollten empfindliche Holzinstrumente besonders sorgfältig gegenüber Hitze und Feuchtigkeit geschützt werden. Werden Geige, Violine und Co. nicht korrekt verstaut, können ihre Klangkörper leiden. Ebenso sollte ein Klavier unabhängig von seiner Nutzung regelmäßig gestimmt werden oder der Lack von Blechblasinstrumenten durch spezielle Instrumenten-Sprays geschützt.

Nicht nur den wöchentlichen Weg zum Musikunterricht in der überfüllten U-Bahn sollten Musikinstrumente unbeschadet und ohne Sturz überstehen. Wer auch im Urlaub seinem Hobby nachgehen möchte, sollte vor allem bei Auto- und Flugreisen und empfindlichen Instrumenten besondere Maßnahmen für den sicheren Transport ergreifen. Das ist vor allem bei empfindlichen Instrumenten, wie unter anderem Saxophon oder Fanfare nötig.

Dabei reicht es im Kraftfahrzeug normalerweise aus, das Instrument nicht im überhitzten Kofferraum, sondern in einer gepolsterten Tasche im Schatten am Fuße des Beifahrersitzes zu verstauen.

Bei einer Mitnahme im Flugzeug empfiehlt sich eine frühzeitige Kontaktaufnahme mit der Airline: Kann das Instrument nicht als Handgepäck mitgeführt werden, lässt es sich möglicherweise als wertvolle Fracht deklarieren und in einem klimatisierten Bereich des Frachtraums unterbringen.

(exb)

 

(Bildquelle: https://pixabay.com/photos/piano-music-keys-exercise-pianist-5353974/)