Fußball in Deutschland in Nöten? Historische Pleiten und ihre Auswirkungen

2014 ist die DFB Elf von Joachim Löw in einem packenden Finale Weltmeister geworden und hat auf dem Weg dahin Gastgeber Brasilien mit 7 zu 1 Toren demontiert. 2018 hat es die Mannschaft in der Gruppenphase auf magere drei Punkte gebracht und ganze zwei Tore. Mit diesem Ergebnis ist Deutschland – die weltbeste Mannschaft des Jahre 2014 – als Gruppenletzter ausgeschieden. Besonders bitter war die krachende Niederlage gegen Südkorea. Ein Team, von dem bis zum Anpfiff des ersten Deutschland-Spiels eigentlich jeder Fußballfan dachte, dass Deutschland im Vorbeigehen schlagen würde. Der DFB will sich trotz der Niederlagen und des Ausscheidens hinter den Bundestrainer stellen.

Ob Joachim Löw diese Verantwortung auf sich nimmt, wird noch entscheiden. Ihm allein die Schuld für das Aus in Russland in die Schuhe zu schieben, ist genauso falsch wie die Annahme, der deutsche Fußball stehe mit dem Rücken zur Wand. Als Bundestrainer hat Joachim Löw sicher den einen oder anderen Fehlern in der Aufstellung gemacht. Dazu gehört die Fokussierung auf Weltmeister. Spieler, die 2014 bis zum Umfallen für den Sieg geackert haben, konnten sich diesmal nicht in Szene setzen. Aber: Bis zum Vorrunden-Aus haben diese Spieler den Trainer auch nie enttäuscht. Die Zeit nach der WM ist bekanntlich vor der WM. Für den DFB und den Bundestrainer wird es jetzt darum gehen müssen, aus Fehlern zu lernen. Aber wie?

Bekannte Fußballpleiten und ihre Auswirkungen

Das Spiel gegen Südkorea – und damit das Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft – erlebten mehr als 25 Millionen Zuschauer live am Fernseher mit. Zahlen, die vom DFB stammen, belegen das große Interesse an der WM (solange Deutschland mitgespielt hat). Ein blamables Ausscheiden, wie es die Zuschauer am 27. Juni erlebt haben, ist nicht die einzige Blamage einer deutschen Mannschaft in der Vergangenheit gewesen. Im Gegenteil: Bereits frühere Teams mussten sich mit einem frühen Ticket für die Heimreise aus großen Turnierserien verabschieden.

  • 1994 – Deutschland scheidet aus: Die WM 1994 spielte Deutschland als Titelverteidiger. Unter Berti Vogts überstand die Mannschaft zwar die Rundenphase und konnte sich auch im Achtelfinale durchsetzen. Gegen den „Fußballzwerg“ Bulgarien reichte es dann aber nur zu einem 1:2 im Viertelfinale. Aber – und dies macht Hoffnung – 1996 gewann die DFB Elf unter Vogts die EM 1996.
  • Schmach von Cordoba: Die Niederlage 1978 gegen Österreich gilt heute noch als eine der traumatischen Stunden in der deutschen Fußballgeschichte. Und auch damals stand ein Weltmeister Österreich gegenüber. Vor dem Ausscheiden gegen die österreichische Mannschaft hatte die DFB Auswahl bereits alles andere als berauschend gespielt.
  • Bayern gegen Real Madrid: Niederlagen kassieren nicht nur die Nationalmannschaft, sondern auch Bundesliga-Klubs. Gefeit davor ist selbst der FCB nicht – wie das Abschneiden in der Champions-League zeigt. 2018 hat es für den FC Bayern München gegen Real Madrid wieder nicht gereicht. Eine Niederlage und ein Unentschieden sind einfach zu wenig, die Madrilenen haben den besten deutschen Klub wiederholt deklassiert. Doch der FCB hatte in diesem Wettbewerb auch ruhmreiche Zeiten. Als die Champions-League noch der Pokal der Landesmeister war, gewann der FC Bayern München den Pott beispielsweise von 1974 bis 1976 dreimal in Folge.

Wie ist der Fußball in Deutschland aufgestellt?

 

Der deutsche Fußball ist nur noch ein Schatten seiner selbst! Dieser inhaltliche Tenor taucht seit dem Ausscheiden in Russland immer wieder auf. Wie weit hergeholt sind solche Thesen. Wenn Experten wie Stefan Kuntz – der U21-Weltmeistertrainer – von in Zukunft schwierigen Zeiten sprechen, hat dies ein gewisses Gewicht. Worauf Experten hinweisen, ist die Lücke, welche Spieler wie Lahm, Schweinsteiger, Klose oder Podolski in der DFB Elf hinterlassen haben. Die Weltmeister waren Charaktere, die nicht nur taktisch gedacht haben. Phillip Lahm war ein Spielmacher, der das deutsche Spiel auf dem Platz mit aufgebaut hat.

Die „jungen Wilden“, welche teils noch in der U21 spielen dürften, brauchen Zeit zur Entwicklung. Zu beobachten ist ein weiterer Trend: In der deutschen Nachwuchsförderung geht es um Teamplay und taktischen Fußball. Was dabei etwas auf der Strecke bleibt ist die Kreativität, welche genauso zum Fußball gehört. Erst die Mischung aus beiden Eigenschaften macht eine Mannschaft für das hohe internationale Niveau tauglich – und damit fit für den Titel.

Im deutschen Fußball warten beim Nachwuchs Talente, die gern im DFB Trikot auf dem Platz stehen würden. Eine Mannschaft lässt sich daraus aber nur formen, wenn Führungsspieler die Truppe zusammenhalten. Potenzial ist – wie die U17 EM oder die U21 EM gezeigt haben – in jedem Fall da.

Wie wird die Nationalelf künftig aussehen?

Mit oder ohne Joachim Löw – diese Frage wird diese Woche beantwortet. Ob sich der Bundestrainer für die Zusammenarbeit mit Nationalteam und DFB entscheidet, wird mit Spannung erwartet. Sofern sich Löw fürs Weitermachen entscheidet, wird eines nicht funktionieren – so zu arbeiten wie bisher. In Teilen hat die Taktik des Bundestrainers versagt. Gerade die ehemaligen Weltmeister haben für das Aus in der Vorrunde in Russland erhebliche Kritik einstecken müssen. Ein Teil des Misserfolgs ist letztlich auch den Spielern zuzuschreiben. Wer wird 2020 zur EM und 2022 zur „Weihnachts-WM“ auf dem Rasen stehen?

Weltmeister: Diese Spieler bleiben

Nicht alle Weltmeister von 2014 haben in Russland überzeugt. Bei einigen Spielern aus der alten Garde war aber durchaus Potenzial zu erkennen – wenn auch nicht auf dem Niveau aus Brasilien. Zu den Spielern, bei denen ein Verbleib in der Nationalmannschaft wahrscheinlich ist, gehören:

Bei diesen Spielern war in Russland streckenweise eine gewisse Motivation zu erkennen. Ein Rücktritt von Spielern wie Neuer oder Kroos wäre sicher überraschend – und im Fall von Toni Kroos eine herbe Enttäuschung.

Weltmeister: Wer wird gehen?

Welche Spieler aus dem 2014er Kader am Ende ihren Hut nehmen werden, kann niemand mit Sicherheit sagen. Es kann durchaus passieren, dass die Spieler nach dem Abfallen der Verantwortung, einen solchen Titel verteidigen zu müssen, wieder ganz anders auf dem Rasen stehen. Allerdings rechnen Fußballexperten damit, dass es Abgänge geben wird. Auf der Liste stehen zwei Namen immer wieder mit ganz oben:

  • Mesut Özil
  • Sami Khedira.

Aber auch die Zukunft von Thomas Müller und İlkay Gündoğan sieht mehr oder minder ungewiss aus. Gerade Özil und Gündoğan werden sich nach der Affäre um das Treffen mit dem türkischen Staatspräsidenten sehr genau fragen, ob ein Weitermachen in Frage kommt.

Erfahrene Spieler und junge Wilde

Wie die Nationalelf in Zukunft aussieht, ist Kaffeesatzleserei. Es wird eine Mischung aus persönlichen Entscheidungen und der Performance in den kommenden Monaten sein, die darüber entscheidet. Eines wird der Bundestrainer brauchen: Erfahrung. Komplett auf Spieler zu verzichten, die das Bild der Mannschaft geprägt, wäre nicht einfach nur ein Bruch. Für internationale Turniere braucht es einfach einen Kern an Spielern, der damit bereits Erfahrung hat.

Russland hat aber auch gezeigt, dass junge und hungrige Spieler als Motor genauso wichtig für den Erfolg sind. Gerade einige der Neuzugänge in der DFB Elf waren es, die Drive in die Mannschaft versucht haben zu bringen. Julian Brandt, Rudy oder Timo Werner könnten Spieler werden, die in Zukunft den Ton angeben. Schließlich haben sie mit der WM noch eine Rechnung offen.

Fazit: Nationalteam braucht Veränderungen

Ausgeschieden und zwar als Gruppenletzter. Diese Blamage sitzt bei DFB Elf und Fans sehr tief. Das Aus des noch amtierenden Weltmeisters kann aber auch ein Weckruf sein. In Medien wird bereits das Bild von der Stunde 0 für den deutschen Fußball prophezeit. Ganz so dramatisch ist die Situation vielleicht nicht. Das Ausscheiden hat sich als einen Grund Fehlentscheidungen des Trainers, aber auch die Bequemlichkeit der Spieler hat Anteil. Jetzt ist es an der Zeit, Fehler zu analysieren – und daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen. Nur so wird es in Zukunft wieder weiter gehen.

(exb)

 

Bildquellen:

Bild 1: fotolia.com © gpointstudio #83900379

Bild 2: fotolia.com © Coloures-Pic #65501332