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Goethes „Werther“ leidet auf der LTO-Bühne

„Die Leiden des jungen Werther“ des Landestheater Oberpfalz feierte gestern Premiere. In der Regionalbibliothek in Weiden wurde Goethes Stück in die Moderne transferiert. In dem Stück verliebt sich der junge Werther in Lotte. Die ist allerdings bereits vergeben. Dazwischendrängen kommt für den sensiblen Werther nicht in Frage. Und so verzweifelt er, wird nahezu wahnsinnig und sieht nur noch einen Ausweg aus seiner Situation. Mit nur drei Schauspielern und ein paar Kisten mit Flohmarkt-Sachen schaffte das Landestheater eine Atmosphäre, die die Zuschauer in ihren Bann zog. Das LTO zeigte: Goethes weltbekannter Briefroman funktioniert auch in der Moderne.

So schreibt Werther eben keine Briefe, sondern zeichnet Sprachmemos mit seinem Handy auf. So ärgert er sich über die Gesellschaft, die von ihm verlangt, vegan zu leben, Chai-Tee zu trinken oder eine spezielle Fernsehserie anzusehen. Werther möchte das nicht. Er will frei sein. Frei von Zwängen, frei von Druck, frei von Konventionen. Er ist ein hochsensibler, emotionaler Mensch. Oder – wie „Lotte“-Darstellerin Doris Hofmann es formuliert – durch seine Unsicherheit ein Abenteuerer.

Für Lotte wird dieser Abenteurer zum Verhängnis. Denn sie wiegt sich in Sicherheit mit ihrem zukünftigen Ehemann Albert. Er ist kreuzbrav und liebt seine Lotte sehr. Er bietet ihr Sicherheit. Doch er selbt ist gefangen in seinem Denken. Poesie oder gar Romantik gibt es nicht in seinem Denken. Lotte fühlt sich zwar bei ihm sicher, aber sie fühlt sich auch eingesperrt. Nicht so bei Werther. Mit ihm philosophiert sie, tanzt bis in den Morgengrauen und beobachtet vorbeiziehende Gewitter.

Es entsteht eine komplizierte Dreiecksbeziehung, die jeden Moment zu zerbrechen droht. Und das tut sie schließlich auf tragische Art und Weise.

Regisseur Jona Manow und die Bühnen- und Kostümbildnerin Katharina Claudia Dobner schaffen es gekonnt, Goethes Texte mit der Moderen zu verbinden. Die Aktualität der Handlung wird damit mehr als deutlich. Die drei Schauspieler, Doris Hofmann, David Endress und Julian Struck funktionieren und harmonieren hervorragend auf der Bühne. Es entsteht eine Dynamik, die die Zuschauer mitreißt. Durch die modernen Elemente gibt es zu Beginn des Stückes viel zu Lachen. Doch das tragische Ende lässt die Zuschauer atemlos zurück.

Hier die Termine für „Die Leiden des jungen Werther“:

Samstag, 27.01.
Freitag, 02.02.
Samstag, 03.02.
Freitag, 09.02.
Samstag, 10.02.

Jeweils um 20 Uhr in der Regionalbibliothek in Weiden.

Karten gibt es unter 09659/93100 oder unter www.nt-ticket.de

(eg)​