Große Hufeisennasen: Erneuter Geburtsrekord bei seltener Fledermausart

Spätere Geburten durch das nass-kalte Wetter im Frühjahr und trotzdem verzeichnen die Großen Hufeiesennasen einen erneuten Geburtsrekord. Das Fledermaushaus in Hohenburg kann per Live-Webcam verfolgt werden.

Die letzte Wochenstube der Großen Hufeisennase in ganz Deutschland findet sich in der Oberpfalz. Seit der Entdeckung dieser seltenen Fledermausart im Jahr 1992 in Hohenburg im Lauterachtal schützt der LBV diese Kolonie unter anderem im Rahmen eines von der EU, dem Bayerischen Naturschutzfonds und dem Naturpark Hirschwald finanzierten Life Projekts. Auch wenn die Geburten dieses Jahr wegen kalter Temperaturen später als sonst begannen, sind die Großen Hufeisennasen im LBV-Fledermaushaus weiterhin auf Rekordjagd. „Bisher konnten mindestens 136 Geburten nachgewiesen werden, ein Anstieg von 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Somit wächst die Anzahl an Geburten der großen Hufeisennase im sechsten Jahr in Folge“, sagt LBV-Projektleiter Alexander Gnatz. Trotz des holprigen Starts in den Sommer, entwickelt sich die Oberpfälzer Kolonie prächtig. Jeder kann die Großen Hufeisennasen online über die LBV-Webcam in ihrer Wochenstube beobachten unter www.lbv.de/huficam.

Im Februar und März war es in Hohenburg mit Temperaturen von knapp 20 Grad ungewöhnlich warm. Deswegen kehrten sehr viele Fledermäuse bereits besonders früh aus ihren Winterquartieren zurück in das Koloniegebäude. „Die Großen Hufeisennasen flogen sehr früh in diesem Jahr regelmäßig nachts aus, um nach dem Winter ihre Fettreserven aufzufüllen. Dieser frühe Start ließ uns auf ein gutes Jahr für unsere Hufis hoffen“, erklärt Alexander Gnatz.

Im April wirkte sich der Temperatureinbruch mit einer Reihe von Frostnächten allerdings negativ auf die Entwicklung der Insekten aus, die den Großen Hufeisennasen als Nahrung dienen. Diese Zeit verbrachten die Fledermäuse im Kälteschlaf im Keller des Fledermaushauses, um Energie zu sparen. Auch die bis in den Mai andauernden kalten Temperaturen sowie hohe Niederschläge von Mai bis Juli sorgten für Verzögerungen in der Entwicklung der Insektenpopulationen. „Diese starken Einschränkungen auf der Speisekarte unserer Hufis sorgten dafür, dass die Geburten des diesjährigen Nachwuchses auf sich warten ließen“, so der Fledermaus-Experte weiter.

Das erste Jungtier in diesem Jahr kam am 22. Juni auf die Welt. Das ist der zweit späteste Geburtsbeginn, der im Fledermaushaus in Hohenburg bisher beobachtet wurde. „Wenige Tage später starteten nur die Geburten im Jahr 2013, die erst am 26. Juni einsetzten. Im Vergleich dazu erblickte letztes Jahr das erste Jungtier bereits am 8. Juni das Licht der Welt. Daran zeigt sich, wie stark die Entwicklung der Fledermäuse von den Wetterbedingungen abhängt“, sagt der LBV-Biologe. Insgesamt wurden in diesem Jahr 136 junge Fledermäuse im Fledermaushaus in Hohenburg geboren. 2016 waren es mit 66 Geburten knapp halb so viele. Vor zehn Jahren wurden gerade mal 31 Jungtiere geboren.

Auch wenn zwei Jungtiere die erste Lebensphase nicht überlebten, ist der erneute Anstieg der Geburten ein gutes Zeichen für den Bestand dieser gefährdeten Fledermausart. Auch die Anzahl an erwachsenen Fledermäusen nimmt beständig zu, weil die Jungtiere die ersten fünf Jahre dank ausreichendem Nahrungsangebot gut überstehen. Dieses Jahr konnten zur Zeit der Geburten 341 erwachsene Weibchen der Großen Hufeisennase in der Kolonie gezählt werden. „Die Rekorde häufen sich in unserer Kolonie und zeigen uns, wie gut es der Großen Hufeisennase im Lauterachtal gefällt und dass sich unsere Anstrengungen für den Erhalt dieser Fledermausart auszahlen“, betont Alexander Gnatz.

Hintergrundinformationen zur Großen Hufeisennase
Damit sich die Große Hufeisennase wohl fühlt, sind drei Lebensraumbedingungen notwendig. Für ihren Winterschlaf braucht die Fledermausart großräumige frostfreie Quartiere, wie zum Beispiel Karsthöhlen, die einen großen Einflug haben und die möglichst ganzjährig ungestört sind. In den warmen Monaten bevorzugt sie dunkle, ruhige Gebäude mit offenen Einflügen und unterschiedlichen Temperaturzonen. Ihre Nahrung, verschiedene Insektenarten, findet die Große Hufeisennase in strukturreichen Landschaften ohne Pestizideinsatz. „Ein solches Fledermaus-Paradies findet die Große Hufeisennase im Oberpfälzer Jura im Lauterachtal und dem angrenzenden Truppenübungsplatz vor. Hier sind die wesentlichen Lebensraumstrukturen erhalten geblieben, sodass die Große Hufeisennase bis heute dort überleben konnte“, erklärt Projektleiter Alexander Gnatz.

(vl)