Hirschau: „Ich saß auf Elvis‘ Schoß!“

Der bekannteste Mensch auf dem Erdball war 1960 laut einer Umfrage Elvis Presley. Elvis, der Musiker, der Star, der gutaussehende, junge Mann. Er war beliebt und begehrt. Verehrt, aber auch verfolgt. Unter anderem deshalb wurde er als Soldat auch nach Grafenwöhr versetzt. Er sollte dort dem Hype um seine Person entkommen. Doch auch in der Oberpfalz gab es große Elvis-Fans. Zu vielen Kontakten mit den Einheimischen ist es nicht gekommen.

Einer, der für viel Gesprächsstoff sorgte, war sein Aufenthalt am 5. Februar 1960 in Hirschau. Mehr oder minder freiwillig. Er war mit einer Militärkolonne unterwegs, als in Hirschau auffiel, dass ein Teil der Kolonne fehlte. Das Fahrzeug, in dem auch Elvis war, machte auf dem Marktplatz in Hirschau halt. Zwei Stunden mussten die Soldaten dort auf ihre Kameraden warten.

Nach Erzählungen eines damaligen Lokalreporters seien die Soldaten fast ausschließlich auf dem Marktplatz gestanden. Dann hätten sie aber im Gasthaus „Goldenes Lamm“ Schutz vor der Kälte gesucht. Längst hatte sich herumgesprochen, dass sich der King des Rock’n’Roll dort aufhält. Fans und Reporter umlagerten ihn schließlich. Er trank Cola und verteilte Autogramme auf Bierdeckeln.

Genau diesen einen verschneiten Wintertag möchte das Kultur- und Militärmuseum in Grafenwöhr wieder rekonstruieren. Dafür hat es Zeitzeugen zu Interviews eingeladen. Viele sprechen heute noch mit Begeisterung von dem Treffen. Dagmar Kiermeier etwa saß auf Elvis‘ Schoß. Sie sagt heute, 58 Jahre nach dem Treffen, sie sei immer noch glücklich, wenn sie an diesen Moment denke. Sie habe sich einfach zu ihm vorgedrängt und sich auf seinen Schoß gesetzt. Und er habe sie dann festgehalten. Wochenlang sei sie aus dem Schwärmen nicht mehr rausgekommen.

Über Elvis‘ Aufenthalte in der Oberpfalz und vor allem seine privaten Ausflüge ist allerdings insgesamt wenig bekannt bzw. wenig belegt. Die Zeitzeugeninterviews sollen auch dazu dienen, die bisherigen Erkenntnisse zu verifizieren. Im Herbst werden die Interviews dann in einer Sonderausstellung gezeigt. (eg)