Kostenpflichtige Coronatests: Einschränkungen für Ungeimpfte gerechtfertigt?

Corona-Testpflicht für Ungeimpfte ab einer Inzidenz von 35? Impflicht durch die Hintertür? Wir haben uns heute umgehört wie die Menschen dazu stehen und wie Experten das Ganze bewerten.

Ist die Impfquote in Wahrheit höher als vom RKI angegeben? Diese Meldung machte heute die Runde. Laut dem RKI selbst, könnten bereits mehr Menschen mindestens eine Erstimpfung erhalten haben als bisher angenommen. Vor allem in der Altersgruppe der 18- bis 59-Jährigen. Laut einer kürzlich durchgeführten Umfrage soll hier die Impfquote bei 79% liegen. Offiziell liegt sie jedoch nur bei 59%. Wichtig ist das auch deshalb, weil Ungeimpfte ab Herbst mit mehr Einschränkungen rechnen müssen als Geimpfte.

In die Apotheke gehen und sich per Schnelltest auf Corona testen lassen. In den vergangenen Wochen Gang und Gäbe. Schnell, unkompliziert und kostenlos. Das soll sich ab Herbst jedoch ändern. Dann sollen die Tests kostenpflichtig werden. Außerdem: Testen lassen muss sich nur, wer nicht geimpft oder genesen ist. Das sorgt für Diskussionen. Von der Impfpflicht durch die Hintertür ist die Rede. Dabei muss das Ganze aus mehreren Perspektiven gesehen werden. Eine davon ist die wirtschaftliche. Dr. Robert Winkler, Inhaber der Emailapotheke in Amberg, betreibt in seiner Apotheke auch ein Schnelltestzentrum. Er erklärt, dass der überall aufgebaute Testapparat sehr viel Geld gekostet habe und weiterhin auch kostet. In der Email Apotheke in Amberg werden zur Zeit im Schnitt zwischen 30 und 100 Tests am Tag durchgeführt. Er habe Verständnis dafür, dass es auf Dauer einfach nicht tragbar sei, dass das alles die Allgemeinheit bezahle. „Man muss auch fairerweise sagen, dass für alle die sich nicht impfen lassen können, aus medizinischen Gründen oder weil es noch keine Zulassung gibt wie bei Schwangeren oder Kindern unter 12 Jahren, die Kosten weiterhin erstattet werden.“

Der zweite wichtige Blickwinkel ist die medizinische Sicht. Hier erklärt der Ärztliche Direktor des St. Anna Krankenhauses in Sulzbach-Rosenberg, dass es durchaus medizinisch Sinn macht, zwischen geimpft und ungeimpft zu unterscheiden. Von Ungeimpften gehe ein wesentlich größeres Risiko aus als von Geimpften. Darauf müsse die Gesellschaft reagieren. In der Diskussion steht auch die 7-Tage-Inzidenz als alleiniger Richtwert. Kritiker sagen, der Impffortschritt werde hier nicht berücksichtigt. Es wird gefordert, die Hospitalisierungsrate miteinzubeziehen. Unumstritten ist aber auch dieser Wert nicht. „Hospitalisierung bei Covid-Erkrankungen kommt natürlich zwei bis drei Wochen später“, erklärt Dr. Klaus Nester. Entscheidungen zur Eindämmung des Infektionsgeschehens müssten aber früher getroffen werden. Er empfiehlt neben der 7-Tage-Inzidenz auch den R-Wert in Zukunft stärker mit einzubeziehen. Aktuell sei die Lage noch entspannt. Derzeit gebe es keinen Corona-Patienten im St. Anna Krankenhaus. Der bislang Letzte wurde vergangene Woche entlassen.

Ein Blick auf die seit Wochen konstant ansteigenden Infektionszahlen zeigt: Wir stehen am Anfang der vierten Welle. 217 Neuinfektionen wurden in der Oberpfalz in den vergangenen sieben Tagen registriert. Die Inzidenz ist inzwischen wieder auf 19,5 gestiegen. Dem gegenüber steht eine offizielle Impfquote von 59,5%. Zu wenig für die angestrebte Herdenimmunität. Ob die kostenpflichtigen Tests für Ungeimpfte der Impfkampagne nochmal neuen Schwung verleihen bleibt jetzt abzuwarten.

(ac)