Fall Sophia Lösche: Plädoyers im Mordprozess

Geht es nach der Oberstaatsanwältin Sandra Staade am Landgericht Bayreuth, dann muss der 42-jährige Angeklagte wegen Mordes lebenslang hinter Gitter. Also 15 Jahre. Ihm wurde in ihrem Plädoyer noch einmal vorgeworfen, dass er Mitte Juni vergangenen Jahres Sophia Lösche getötet zu haben. Im Streit, wahrscheinlich wegen eines zurückgewiesenen Annäherungsversuchs, habe er sie niedergeschlagen. Um diese Tat zu vertuschen, habe er Sophia letztendlich vielleicht 10 Minuten später auf dem Rastplatz Sperbes getötet. Es sei eine Verdeckungstat – ein Mordmerkmal.

Der Vertreter der Nebenklage forderte in seinem Plädoyer, dass noch die besondere Schwere der Tat in Betracht gezogen wird. Dies würde es deutlich erschweren, dass der Angeklagte nach 15 Jahren wieder freikommt. Für Rechtsanwalt Valentin Barth sei eine Haftentlassung nach 15 Jahren nur schwer vermittelbar.

Verteidiger Karsten Schieseck plädierte „nur“ auf Tatschlag, statt auf Mord, forderte aber eine Haftstrafe im zweistelligen Bereich. Die genaue Höhe ließ er dabei offen. In den Plädoyers seien ihm viele Mutmaßungen geboten worden, die sich aber nicht bestätigen ließen, so Schieseck.

Zu Wort kamen heute auch Sophias Vater Johannes Lösche und Bruder Andreas. Für beide sei es sehr wichtig, die Wahrheit zu erfahren. Direkt an den Angeklagten gewandt sagte der Vater: „Warum verschweigen Sie uns die Wahrheit?“ Andreas Lösche bezweifelte heute noch einmal, dass seine Schwester in Deutschland auf dem Rastplatz Sperbes getötet wurde. Seiner Meinung nach sei dies in Frankreich passiert.

Der Angeklagte selbst entschuldigte sich in seinem letzten Wort noch einmal bei der Familie. Er habe die junge Frau nicht töten wollen.. Er habe sie aber auch nicht sexuell belästigt. In seiner Kindheit habe der Marokkaner viele Qualen erlebt. Er sei dazu bereit, alles wieder gutzumachen.

Das Urteil wird am Mittwoch kommender Woche gesprochen. Sehr wahrscheinlich ist, dass die Familie Lösche auch danach noch mehr Fragen als Antworten findet. Und das wird sie auch für den Rest ihren Lebens begleiten. (tb)