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Neustadt a.d. Waldnaab: Sterben die Wirtshäuser aus?

Schafkopf, Stammtisch, Schweiners: Geht die Oberpfälzer Wirtshauskultur verloren? Eine Ausstellung in Neustadt an der Waldnaab erinnert jetzt an die Geschichten der örtlichen Wirtshäuser.

Anlässlich des 800-jährigen Stadtjubiläums in Neustadt an der Waldnaab hat Ernst Umann, Ortsvorsitzender des Oberpfalzvereins in Neustadt, in mühevoller Recherchearbeit eine Ausstellung zusammengestellt, die sich den Wirtshäusern widmet, die es in Neustadt einst gegeben hat. 25 waren es einmal – heute ist nur noch eines in Betrieb. Außerdem gibt es zwei Zoiglstuben, doch die haben nur zwei Mal im Monat geöffnet.

Die Wirtshauskultur hängt immer mit der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Situation der Stadt zusammen – das war schon so, als die Magdeburger Salzstraße im Mittelalter das Geschehen in Neustadt an der Waldnaab bestimmte. Kaufleute und Reisende brauchten Übernachtungsmöglichkeiten, denn meist hatten die Wirtshäuser auch Fremdenzimmer. Als Neustadt Residenzstadt wurde, übernachteten mehr Diplomaten und Beamte. Und als um 1900 die Glasindustrie nach Neustadt kam, brauchte es völlig andere Wirtshäuser, die zu den Bedürfnissen und Lebensumständen der Arbeiter passten.

Im 21. Jahrhundert ersetzen Medien und Mobiltelefon viele Funktionen, die einst das Wirtshaus hatte: Geselligkeit und Kommunikation haben sich verändert. Das ist der Hauptgrund für das große Wirtshaussterben der vergangenen Jahrzehnte.

Doch diese Entwicklung ist nicht in Stein gemeißelt: Gerade die Zoiglstuben erfreuen sich großer Beliebtheit, sind nahezu überfüllt, wenn sie geöffnet haben. Und auch das übergebliebene Wirtshaus wird gut besucht.

Es wird wohl immer beides geben, traditionelle Wirtshäuser und moderne Gastronomie – um die urbayerische Wirtshauskultur aber zu erhalten, müssen die Gasthäuser besucht werden. Es liegt also in der Hand der Oberpfälzer, wie die Wirtshauslandschaft in Zukunft aussehen wird. (jl)