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Nittenau: Lebendige Totenstätte

Der Naturfriedhof Schlosswald ist eine einzigartige Ruhestätte: Der Friedhof bei Nittenau ist nicht nur so natürlich wie möglich, sondern auch noch digital. Mit einem QR-Code lassen sich Informationen über die Gräber sammeln, die als solche kaum erkennbar sind. Denn: weder gibt es Grabsteine, noch Gestecke, noch Inschriften. In dem Wald in Stefling sind nur abbaubare Holzurnen erlaubt und die werden in der Nähe eines Baumes oder Steines begraben. Es soll ein freier Friedhof für alle sein, der statt den Tod das pure Leben ausstrahlt, sagt Jürgen Kölbl, der die Idee zum Naturfriedhof hatte.

Jürgen Kölbl arbeitete eigentlich als Verwaltungsfachwirt. Oft 70 Stunden in der Woche. Als sein Vater starb, änderte er sein Leben. Denn der Vater hatte sich eigentlich eine Bestattung im Wald gewünscht. Eine möglichst natürliche. Und das hat Kölbl jetzt umgesetzt. Und zwar so konsequent wie möglich, mit viel Liebe zum Detail. Er sei gerne hier und lausche einfach den Geräuschen. Denn dieser Ort sei eine sehr lebendige Totenstätte. Die Pflanzen, das Wetter, die Tiere: alles bewege sich und mache Geräusche. Das habe eine beruhigende Wirkung.

Das Schöne sei hier, dass das Leben hier nicht ende. Es verändere sich nur. Wenn die abbaubaren Urnen verrottet sind, verbindet sich die Asche des Menschen mit dem Waldboden – berührt Wurzeln und Erde. Und erhebt sich schließlich zu neuem Leben.

(eg)