Pflege aus dem Ausland: 24-Stunden-Betreuung auch in der Oberpfalz beliebt

Die Deutschen werden im Schnitt immer älter. Das gilt auch für die Menschen in unserer Region. Zwar steigt Einwohnerzahl im Regierungsbezirk laut Prognosen an, allerdings wird der Anteil älterer Menschen auch überproportional zunehmen.

Viele dieser Senioren werden in den kommenden Jahren auf Unterstützung angewiesen sein. Ein Großteil wünscht sich dabei Zuhause versorgt zu werden. Die Familien stellt dieser aber Wunsch oft vor große Herausforderungen.

Doch seit einigen Jahren findet ein Betreuungsmodell immer größere Verbreitung, dass diese häusliche Pflege und Betreuung möglich machen kann. Die Rede ist von der sogenannten 24-Stunden-Betreuung durch im Regelfall polnisches Personal. Auch immer mehr Oberpfälzer nutzen diese Angebote.

Häusliche Pflege mit Personal aus dem Ausland schon lange verbreitet

Bei einer 24-Stunden-Betreuung lebt die pflegende Person vorübergehend im Haushalt der betreuten Person und unterstützt diese über den Tag bzw. die Nacht. Grundsätzlich ist diese Versorgungform nicht neu. Bereits mit dem Ende des Eisernen Vorhangs wurden Pflege- und Betreuungskräfte aus Osteuropa immer verbreiteter.

Allerdings war dieser Markt über viele Jahre vor allem von Schwarzarbeit und fragwürdigen Arbeitsverhältnissen geprägt. Die Situation hat sich inzwischen jedoch grundlegend verändert. Statt der früher verbreitet Kleinanzeigen können Betreuungskräfte aus dem Ausland heute über professionell Agenturen engagiert werden, die sich auf die Vermittlung spezialisiert haben.

Nicht alle Anbieter von 24-Stunden-Betreuung sind seriös

Zwar bieten mittlerweile viele dieser Agenturen diese Dienste auch in der Oberpfalz an, dennoch sollte man den Anbieter genau prüfen. Die sogenannte Entsendung, mit der die Betreuungskräfte nach Deutschland geschickt werden, ist rechtlich nicht ganz unkompliziert und erfordert Fachkenntnisse im Arbeitsrecht.

Nicht alle Agenturen achten dabei auf die notwendigen Formalitäten, wie bspw. die Beantragung der A1-Bescheinigung. Dabei handelt es sich um ein Dokument, was im Heimatland beantragt werden muss, um die Abfuhr aller Sozialabgaben gegenüber den deutschen Behörden nachweisen zu können. Fehlt die A1-Bescheinigung bzw. kann nicht zeitnah vorgelegt werden, ist Vorsicht geboten.

Gute Vermittlungsagenturen schwer zu erkennen

Zwar wird die 24-Stunden-Betreuung immer beliebter, dennoch gibt es nach wie vor nur wenige Standards für dieses Modell. Umso wichtiger sind deshalb externe Prüfungen und Gütesiegel.

Julius Kohlhoff von der Agentur Pflegehilfe für Senioren kennt die Situation: „Einen guten Anbieter zu identifizieren ist leider nach wie vor nicht einfach. Wir haben beispielsweiße den TÜV mit einer Zertifizierung beauftragt um uns auch selbst sicher zu sein, dass wir unserem Qualitätsanspruch gerecht werden.“

Doch verpflichtende Prüfungen gibt es bislang in der Branche noch nicht. Das muss nicht zwangsläufig bedeuten, dass ein Anbieter ohne Gütesiegel oder externe Prüfung nicht empfehlenswert sein kann. Ein unabhängiges Prüfzeugnis oder Zertifikat ist dennoch ein guter Indikator für seriöse Anbieter.

24-Stunden-Betreuung als Alternative zum Pflegeheim?

Besonders während der Hochphase der Corona-Pandemie scheuten viele Senioren den Umzug in ein Pflegeheim und setzten stattdessen auf die Betreuung Zuhause.

Grundsätzlich kann das funktionieren. Wer medizinisch umfangreiche Unterstützung über Tag und Nach verteilt benötigt, ist allerdings oft besser in einer stationären Einrichtung aufgehoben, denn bei den 24-Stunden-Betreuungskräften handelt es sich in der Regel nicht um medizinisches Fachpersonal. Das Wechseln von Verbänden oder Sonden-Zugängen ist damit tabu.

Wird dagegen in erster Linie eine Alltagsbegleitung gesucht, die auch bei Körperpflege und Haushalt unterstützt, dann kann eine 24-Stunden-Betreuung eine gute Lösung für die Pflege Zuhause sein.

Das liegt nicht zuletzt auch an den, im Vergleich zum Heim, deutlich günstigeren Preisen. Eine Betreuungskraft mit mittleren Deutschkenntnissen lässt sich bereits ab etwas über 2.000 Euro finden. Davon können Familien verschiedene Unterstützungsleistungen abziehen, wenn vorher ein Pflegegrad beantragt wurde.

Übrig bleibt in der Regel ein Eigenanteil von 800 bis 1.5000 Euro nach Abzug aller Förderungen. In vielen Heimen Bayerns sind es bereits heute deutlich über 2.000 Euro.

(exb)