Preis-Watten wird Sportverein FC Laub zum Verhängnis

Ein Preis-Watten beim Sportverein FC Laub in Zeitlarn führte im März diesen Jahres zu einer Ermittlung der Staatsanwaltschaft. Illegales Glücksspiel lautete der Vorwurf, weil es bei dem Watt-Turnier um Geld anstelle von Sachpreisen gehen sollte.

Plötzlich herrschte Aufregung im Vereinsheim des FC Laub im Landkreis Regensburg, dabei sollte es ein lustiger Abend werden wie jeder andere auch. Diesmal war aber plötzlich die Polizei mit von der Partie. Der Grund war eine anonyme Anzeige vor dem Turnier. Die Staatsanwaltschaft reagierte unmittelbar und so musste der Verein die Werbeplakate abhängen und die Geld- in Sachpreise umwandeln. Das Turnier fand dennoch statt, jedoch in weniger ausgelassener Atmosphäre als erhofft. Das Landratsamt, die Gemeinde und sogar die Bezirksregierung wurden in den Fall eingeschaltet. Ein viel zu großer Aufwand in Anbetracht des Hauptpreises von gerade einmal 200 Euro, beschwerten sich die Watter im Vereinsheim.

Unverständnis: Ein Spiel für Kinder wird zum Glücksspiel

Beim FC Laub herrscht Unverständnis, trotzdem hat sich der Sportverein an alle von der Staatsanwaltschaft auferlegten Regeln sowie Änderungen der Veranstaltung gehalten. Dennoch bleibt ein bitterer Nachgeschmack: Watten ist häufig eines der ersten Spiele, welches Kinder aus der Region erlernen. Es sei quasi ein bayerisches Kulturgut, beschwert sich einer der Teilnehmer. Das Gesetz sieht das allerdings anders: Hier wird nicht zwischen den einzelnen Kartenspielen unterschieden. Fakt ist, dass beim Watten nicht alle Karten ausgegeben werden und somit fällt es in die Kategorie der Glücksspiele. Demnach darf nach deutschem Recht beim Watten nicht um Geld gespielt werden. Die Höhe der Geldpreise hat darauf keinen Einfluss. Auf die anonyme Anzeige musste die Staatsanwaltschaft zwangsläufig reagieren.

Glücksspiel um Geld ist nach deutschem Recht strafbar

Bei Glücksspielen handelt es sich um Spiele, deren Verlauf hauptsächlich vom Zufall bestimmt wird. Dies reicht von reinen Glücksspielen wie Roulette über Spiele wie Black Jack, wo die Spieler den Zufall durchaus mit ihren Entscheidungen beeinflussen können, bis hin zu Spielen wie Poker, wo das Glück nur noch eine untergeordnete Rolle innehat. Sie alle fallen laut Glücksspielvertrag in die Kategorie der illegalen Glücksspiele, sofern es um mögliche Geldgewinne geht. Die Suchtgefahr gilt als zu hoch und demnach das Glücksspiel nicht nur in Deutschland als unmoralisch. Auch in vielen anderen Ländern sind entsprechende Veranstaltungen daher strengen Richtlinien unterworfen. Ungeregeltes Glücksspiel ist beinahe weltweit illegal und wird oft mit der organisierten Kriminalität in Verbindung gebracht. Das war gewiss nicht das Ansinnen des FC Laub in Zeitlarn.

Legales Glücksspiel mit Sondergenehmigung

Das bedeutet keinesfalls, dass das Glücksspiel in Deutschland gänzlich verboten ist. Stattdessen unterliegt es strengen Auflagen, sofern es um Geldgewinne geht. So dürfen klassische Glücksspiele sowie Spielautomaten nur in Spielbanken mit entsprechender Genehmigung angeboten werden. Gewisse Spiele wie das Lotto oder Rubellose sind zudem in Zeitschriften- sowie Tabakläden zulässig. Gaststätten und Spielhallen können ebenfalls eine Sondergenehmigung für gewisse Glücksspiele erwirken. Zulässig sind weiterhin Lotterien für den wohltätigen Zweck sowie Sportwetten – online oder offline. Legal ist das Glücksspiel weiterhin in Casinos, welche der staatlichen Kontrolle unterliegen. Weniger eindeutig ist die Rechtsprechung im Bereich der Online Casinos. Das Spiel in ausländischen Online Casinos gilt in der Regel als illegal und ist somit strafbar. Nur eine spezielle Lizenz ermöglicht in Deutschland ein legales Glücksspiel. Um als Anbieter eine solche Lizenz zu erhalten, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. Eine Ausnahme gibt es jedoch in Schleswig Holstein, denn dieses Bundesland vergibt eigene Lizenzen mit eigenen Auflagen.

Jeder dritte Deutsche beteiligt sich an Glücksspielen

Die Wichtigkeit einer schnellen Klärung der Rechtslage wird durch eine Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung aus dem Jahr 2015 deutlich. Demnach beteiligen sich 37,3 Prozent der Deutschen regelmäßig an Glücksspielen und damit mehr als jeder Dritte. Bei den Männern liegt der Wert etwas höher bei 43,3 Prozent, bei den Frauen hingegen unter dem Durchschnitt mit 31,3 Prozent. Insgesamt wurden im betreffenden Jahr allein in Deutschland 10,4 Milliarden Euro umgesetzt – abzüglich der ausgeschütteten Gewinne. Hinzu kommen weitere 2,3 Milliarden Euro für unregulierte Angebote, also illegales Glücksspiel wie beispielsweise über ausländische Online Casinos. Die Einnahmen aus Lotterien betrugen im Jahr 2016 zudem 3,6 Milliarden Euro. Alles in allem lässt sich somit eine Steigerung in allen Spielangeboten feststellen.

Ermittlungen eingestellt: FC Laub geht straffrei aus

Die Strafen auf das illegale Spielen oder Veranstalten von Glücksspielen variieren und können sowohl als Geld- als auch im Sinne einer Freiheitsstrafe verhängt werden. Dabei handelt es sich stets um eine Einzelfallentscheidung durch die Staatsanwaltschaft. Im Fall des Sportvereins FC Laub hatten die Veranstalter Glück. Die Ermittlungen gegen das Turnier wurden eingestellt, da der Veranstalter keine gewerblichen Absichten verfolgt habe. Der 66-Jährige konnte demnach glaubhaft machen, dass er mit dem Watten-Turnier keinerlei Gewinne erzielt hätte beziehungsweise erzielen wollte. Demnach dienten die Geldpreise rein zu Werbezwecken, denn diese seien schlichtweg beliebter als Sachpreise. Ein bitterer Nachgeschmack im Sinne eines Imageschadens bleibt dennoch, denn der Vorfall sorgte in der Region für viel Aufregung und der Sportverein FC Laub war Mittelpunkt zahlreicher negativer Schlagzeilen. Angeblich wird das Preis-Watten dort zweimal jährlich veranstaltet und das bis zur anonymen Anzeige bislang ohne Zwischenfälle. Ziel war schlichtweg die Stärkung der Gemeinschaft im Verein. Aus diesem Grund hat der Veranstalter nun auch die Preise geändert und zu gewinnen gibt es als Hauptpreis einen „Fresskorb“. Die Begeisterung der Teilnehmer hält sich in Grenzen. Hauptsache, die Staatsanwaltschaft ist zufrieden mit dem Ergebnis und die Veranstalter haben keinerlei Konsequenzen mehr zu befürchten.

Glücksspiele sind so alt wie die Menschheit selbst

Alles in allem bleibt aus dem Fall nur ein Fazit zu ziehen: Beim Thema Glücksspiel ist Vorsicht geboten, denn die Rechtslage in Deutschland ist schwammig und hält einige Fallen bereit. So wäre das artverwandte Kartenspiel Schafkopf beispielsweise nicht in die Kategorie Glücksspiel gefallen, da hier im Gegensatz zum Watten alle Karten ausgegeben werden. Auf staatlicher Ebene gibt es vor allem angesichts der Entwicklung von Online Casinos großen Handlungsbedarf. Dabei handelt es sich beim Glücksspiel eigentlich um alles andere als ein neues Thema. Die ältesten Funde stammen aus dem Jahr 3.000 v. Chr. – sechsseitige Würfel aus Knochen. Bereits 2.000 v. Chr. wurden die heutigen Würfel im damaligen Ägypten erfunden und in der römischen Antike waren die zugehörigen Spiele bereits mit Strafen belegt. Erste wissenschaftliche Untersuchungen zur Glücksspielsucht wurden im 17. Jahrhundert durchgeführt und rund zweihundert Jahre später gab es erstmalig moralische Diskussionen, welche zu zahlreichen Gesetzeseinführungen sowie -änderungen im Bereich Glücksspiel führten. Einem generellen Glücksspielverbot in Deutschland im Jahr 1872 folgte schließlich die Wiedereröffnung durch die Nationalsozialisten im Jahr 1933. Die Liste der verbotenen Spiele aus dem Jahr 1904 gilt aber bis heute als maßgeblich.

Dennoch gab es seither etliche Änderungen der Rechtslage und der gegenwärtigen Situation nach zu urteilen, werden solche auch in naher Zukunft erneut erfolgen. Vielleicht bleibt Veranstaltern wie dem Sportverein FC Laub eine ähnliche Geschichte durch die klarere Rechtslage in Zukunft dann endlich erspart. Bis dahin gilt weiterhin äußerste Vorsicht im Umgang mit Glücksspielen jeder Art – aus rechtlicher Sicht sowie aufgrund der hohen Suchtgefahr.

(exb)

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