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Schönsee: Erinnerung als beste Waffe gegen das Vergessen

Sie forderten ihre Bürger- und Menschenrechte ein, die Mitglieder der Charta 77. Eine Bürgerrechtsbewegung in der damaligen Tschechoslowakei vor 40 Jahren. Die Antwort des Staates damals: Verhaftungen und Verleumdungen. Mit den Persönlichkeiten der Bewegung, ihrem Gedankengut und ihrem weiteren Schicksal beschäftigt sich die Ausstellung „Charta 77 – Europäer hinter dem Eisernen Vorhang“ im Centrum Bavaria Bohemia in Schönsee, die neben der Ausstellung „Jüdische Spuren im bayerisch-böhmischen Grenzgebiet“ gestern Abend eröffnet wurde.

Autor der Ausstellung „Charta 77 – Europäer hinter dem Eisernen Vorhang“ ist Jan Šícha, er war Berater des tschechischen Außenministers und ist Kurator des Aufbaus der Sammlung des Collegium Bohemicum in Ústí nad Labem. Autoren der Ausstellung „Jüdische Spuren im bayerisch-böhmischen Grenzgebiet“ sind Karl Schubsky sowie der Journalist Hermann Höcherl.

Mehr als 500 Dokumente gibt es von der „Charta 77“. Aus dieser Bürgerrechtsbewegung wurde von einer ursprünglich moralischen am Ende eine politische Bewegung. 16 Tafeln in der Ausstellung zeigen die Persönlichkeiten hinter der Bewegung, ihre Gründe sich anzuschließen und ihre weiteren Schicksale. Denn der Staat reagierte grausam. Verhaftungen und Verleumdungen waren die Folge. Über 3.000 Mitglieder hatte die „Charta 77“. Vertreten seien alle Schichten gewesen, von Arbeitern, ehemaligen Kommunisten bis hin zu Professoren, so Jan Šícha.

Die zweite Ausstellung „Jüdische Spuren im bayerisch-böhmischen Grenzgebiet“ befasst sich mit dem Erbe der jüdischen Gemeinden, ihrer kulturellen Bedeutsamkeit und was davon heute noch übrig ist. Gemeint sind vor allem Friedhöfe und Synagogen von Süd- bis Westböhmen und von Niederbayern bis zur Oberpfalz. Und zwar die, die erhalten geblieben oder wieder aufgebaut worden sind. Die Ausstellung wurde bereits zwanzigmal gezeigt, weiß Hermann Höcherl, einer der beiden Autoren der Ausstellung. Antisemitismus sei auch heute noch ein nicht zu unterschätzendes Problem. Die Ausstellung sei deswegen auch ein Mittel um aufzurütteln und die Tragweite der Vergangenheit zu vermitteln.

Beide Ausstellungen sind bis zum 9. März zu sehen. (sd)