Streik: Real-Mitarbeiter legen auch in der Oberpfalz die Arbeit nieder

Es ist nicht das erste Mal, dass es im Einzelhandel zu Streiks kommt. Doch die Ausmaße des Arbeitskampfes am Montag, den 26. November 2018 waren durchaus außergewöhnlich: Bundesweit streikten die Mitarbeiter der SB-Warenhaus-Kette Real, die zur Metro-Group zählt. Auch in der Oberpfalz waren Filialen betroffen. In Amberg, Neumarkt, Regensburg und Pentling legten die Angestellten der Supermarkt-Kette ganztägig die Arbeit nieder. Doch warum kommt es zu Streiks und weshalb rufen Gewerkschaften wie ver.di immer wieder zum Arbeitskampf auf?

Gerade einmal Mindestlohn

Das Hauptproblem der Arbeitnehmer, nicht nur im Einzelhandel, ist der geringe Verdienst. Die meisten Angestellten erhalten gerade einmal den Mindestlohn von derzeit 8,84 Euro brutto pro Stunde. Praktikanten, Auszubildende sowie weitere Personengruppen sind sogar von dieser Regelung ausgenommen und dürfen per Gesetz nach wie vor weniger als den Mindestlohn verdienen. Auch befristete Verträge stellen im Einzelhandel keine Seltenheit dar. Obwohl die Warenhaus-Kette Real eigentlich im Rahmen des Flächentarifvertrags von ver.di höhere Löhne zahlen müsste, tut sie dies bei Neueinstellungen seit Juni 2018 nicht mehr. Das führt dazu, dass die Kassiererinnen und Mitarbeiter auf der Fläche von ihrem geringen Gehalt nicht mehr gut und sicher leben können. Ganz zu schweigen davon, dass sie zum Teil ihre Familien nicht mehr versorgen können. Nicht wenige Mitarbeiter träumen deshalb beispielsweise von einem Lottogewinn, um die Lücken in der Haushaltskasse zu schließen – und vielleicht sogar einmal in den Urlaub fahren zu können. Da dies ob der unsicheren Gewinnchancen beim Lotto wohl für die meisten vorerst ein Traum bleiben wird, hat ver.di zur ganztätigen Arbeitsniederlegung aufgerufen. Die Mitarbeiter wollen somit ihrer Forderung, den Flächentarifvertrag für alle Angestellten von Real einzuhalten, Nachdruck verleihen.

Das SB-Warenhaus gehört zur Metro Group

Die Warenhäuser der „Real“-Kette sind Teil der Metro Group mit Sitz in Düsseldorf. Metro-Chef Olaf Koch kündigte bereits im September dieses Jahres an, die Real-Filialen verkaufen zu wollen. Dies nahm ver.di als stärkste Gewerkschaft unter den 34.000 Real-Mitarbeitern zum Anlass, auf die Rückkehr des Unternehmens zum Flächentarifvertrag hinzuarbeiten. Das erklärte Ziel sei, einen umsichtigen Investor zu finden, der Rücksicht auf die Existenz der Beschäftigten nimmt. Es gehe nicht ausschließlich darum, Geld in die Kasse der Metro-Group zu spülen.

Die Hauptveranstaltung im Rahmen des Streiks am Montag fand dementsprechend in Düsseldorf statt. Mehrere Tausend Beschäftigte haben daran teilgenommen, ebenso der ver.di-Vorsitzende Frank Bsirske, der Betriebsratsvorsitzende Werner Klockhaus sowie der Bundesarbeitsminister Hubertus Heil. Die Streikversammlung diente zur Information der Beschäftigten und zur Aussprache. Auch Vertreter der Metro Group nahmen teil.

Die Warenhäuser der Real-Kette haben ein besonders breit gefächertes Angebot. Doch die Mitarbeiter werden oft nur sehr gering entlohnt, was zu Unmut bei der Belegschaft und den Gewerkschaften führt.

 

Streiks sind per Grundgesetz erlaubt

Auch in der Oberpfalz existiert ein flächendeckendes Netz von Real-Märkten. Neben den Märkten in Regensburg, Amberg, Neumarkt und Pentling, die am 26. November 2018 vom ver.di-Streik betroffen waren, gibt es unter anderem weitere Filialen in Weiden und Eschenbach. Denn natürlich nimmt nicht jede Filiale an der Arbeitsniederlegung teil. Rechtlich ist es zwar grundsätzlich so, dass jeder an einem Streik teilnehmen darf, unabhängig davon, ob er Gewerkschaftsmitglied ist oder nicht. Aber es gibt bei jeder Arbeitsniederlegung sogenannte Streikbrecher, die nicht streiken, obwohl sie in der Gewerkschaft sind. Genauso gibt es auch Menschen, die arbeiten, weil sie kein Mitglied von zum Beispiel der ver.di sind. Laut Artikel 9, Absatz 3 des Grundgesetzes gehören Gewerkschaften und auch das Recht, zu streiken, zu den Grundrechten der in Deutschland lebenden Menschen. Das heißt aber nicht, dass jeder einfach so streiken kann. Streiks müssen organisierte Veranstaltungen sein.

Bereits Anfang 2018 hatte die Gewerkschaft ver.di in der Oberpfalz zu Streiks aufgerufen, damals allerdings im öffentlichen Dienst. Auch Amberg war im April dieses Jahres von den Arbeitsniederlegungen betroffen. Am meisten sind von den Streiks grundsätzlich die Endverbraucher betroffen, auch wenn diese im Normalfall keine Schuld am zugrunde liegenden Tarifkonflikt tragen. Doch ein Streik soll in erster Linie ein Zeichen sein und den Beschäftigten und Gewerkschaften Gehör verschaffen.

 

Gründe für den Tarifkonflikt

Im Gegensatz zu anderen Streiks, beispielsweise bei der Deutschen Bahn oder im öffentlichen Dienst, geht es beim Arbeitskampf bei Real nicht darum, neue Tarifverträge auszuhandeln. Vielmehr ist das Ziel der Streiks, grundlegende Vereinbarungen vonseiten des Konzerns wiedereinzuhalten.

Real hat derzeit einen Billig-Tarifvertrag mit dem Verein „DHV“ geschlossen. Allerdings hat dieser Verein bei Real so gut wie keine Mitglieder, die ver.di hingegen die meisten. Eigentlich gehört die SB-Warenhausgruppe Real dementsprechend dem Flächentarifvertrag von ver.di an. Zudem wurden seit Juni 2018 rund 4.500 befristete Arbeitsverträge nicht verlängert. Das wollten die Gewerkschaft und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Real nicht hinnehmen und kämpfen nun für die Wiederaufnahme des Flächentarifvertrags. Gerade im Hinblick darauf, dass ein neuer Besitzer für die Real-Märkte gesucht wird, wünscht sich die Gewerkschaft ver.di eine schnelle Einigung in der Tariffrage. So soll die Existenzgrundlage der Beschäftigten gesichert werden und ein neuer Investor direkt mit den gültigen Regelungen vertraut sein. Geplant ist nämlich, dass der neue Besitzer der Real-Märkte auch die Beschäftigten übernimmt. Das soll einen reibungslosen Verkauf sichern. Die Gewerkschaft ver.di setzt sich im Rahmen des Verkaufs nach wie vor für die Belange und Rechte der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ein.

 

Wer mit den Bedingungen des Einzelhandels überhaupt nicht mehr zurechtkommt, kann jederzeit aussteigen und sich in einer anderen Branche bewerben. Die Möglichkeiten sind vielfältig, auch in der Oberpfalz.

 

Weg vom Einzelhandel?

Nicht für jeden Mitarbeiter erscheint der Job im Einzelhandel immer noch als das „Nonplusultra“. Immer mehr Menschen suchen sich angesichts der geringen Bezahlung und der zum Teil schlechter werdenden Arbeitsbedingungen einen neuen Arbeitsplatz, oft sogar eine neue Herausforderung. Auch in der Oberpfalz gibt es viele Möglichkeiten, sich frei zu entfalten und beruflich durchzustarten. Dafür ist es natürlich unabdingbar, sich über seine eigenen Stärken und Schwächen klarzuwerden, um beruflichen Erfolg zu haben. Doch es sei gesagt: Nicht nur der Lottogewinn, auch eine berufliche Umorientierung können Erfolg, finanzielle Absicherung und Zufriedenheit bringen.

 

 

 

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Titelbild:

Nicht nur in Köln, sondern deutschlandweit legten Real-Mitarbeiter die Arbeit nieder. Die ver.di möchte so auf die Tarifvertragsflucht des Konzerns aufmerksam machen – und ihn zur Rückkehr bewegen.

 

(exb)