Studieren in der Oberpfalz – welche Möglichkeiten bieten sich Studenten?

Was kommt nach dem Abitur? Jedes Jahr stellt sich diese Frage für hunderttausende Abiturienten, die in Deutschland ihre schulische Ausbildung abschließen. Mit dem Abiturzeugnis in der Tasche geht es auch darum, in welche Richtung sich die Karriere entwickeln soll. Zu den in Deutschland beliebten Studiengängen gehören – neben BWL und Maschinenbau – auch Jura und Medizin. Klassiker auf dem „Wunschzettel“ vieler Abiturienten, deren Zugang allerdings oft beschränkt wird. Die Zahl der Bewerber (auch aus der Oberpfalz) ist einfach zu groß. Muss es aber immer ein Studiengang aus den Top 5 sein? Wer seiner Heimat verbunden bleiben und quasi von zu Hause aus studieren will, hat auch in der Oberpfalz Chancen.

Auch wenn es vielleicht auf den ersten Blick nicht so wirkt: Die Oberpfalz kann in Sachen Studium ein Wörtchen mitreden. Einige der laut Hochschulrektorenkonferenz (HRK) ermittelten knapp 400 Hochschulen Deutschlands liegen schließlich mitten in der Oberpfalz. Dabei handelt es sich nicht nur um einige spezialisierte Standorte mit überschaubaren Studienangeboten. Einer der größten Wissenschaftsstandorte in der Oberpfalz ist Regensburg. Allein die Universität Regensburg kommt auf mehr als 20.000 – und eine große Zahl an Lehrstühlen. Mit welchen Punkten – außer der Entscheidung für eine Uni – sollten sich angehende Studenten noch auseinandersetzen?

Welche Universitäten sind in der Oberpfalz angesiedelt?

Im ersten Moment erinnert in der Oberpfalz wenig als Hochschulen und Studenten. Vielmehr wird zuerst an malerische Landschaften gedacht – wie das Oberpfälzer Seenland oder das Naabtal – und Städte wie Regensburg. Kurz: Die Oberpfalz ist eigentlich wie gemacht für Ferien.

Trotzdem – oder gerade deshalb – zieht es Abiturienten aus der Oberpfalz nicht in jedem Fall „in die Fremde“. Wer studieren will, hat auch als Oberpfälzer die Chance auf einen Platz in Wohnortnähe. Wie viele Hochschulen gibt es in der Region?

Universität Regensburg (UR): Als vierte Landesuniversität Bayerns 1962 gegründet, ist die UR heute eine der größten Lehr- und Wissenschaftseinrichtungen der Oberpfalz. Berühmte Namen im Zusammenhang mit der Universität sind unter anderem Kardinal Joseph Ratzinger oder Edmund Stoiber. Das Spektrum an Lehrangeboten umfasst verschiedene Gebiete, zu denen Biologie, Medizin oder Pharmazie genauso gehören wie Jura und Naturwissenschaften. Im Rahmen des Elitenetzwerk Bayern ist die UR in 5 Elite-Studiengänge eingebunden.

Ostbayerische Technische Hochschule Amberg-Weiden (OTH-AW): Mit der Gründung 1994 entstand eine sehr junge FH (Fachhochschule) mit dem Doppelstandort Amberg-Weiden. Heute sind an der Hochschule circa 3.500 Studenten eingeschrieben. Die OTH-AW kooperiert mit der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg. In der Lehre fokussiert sich die FH auf den technisch-wirtschaftlichen Bereich. Dabei sind die Studienangebote aus dem Bereich der Wirtschaftswissenschaften in Weiden, die technischen Studiengänge in Amberg angesiedelt.

Ostbayerische Technische Hochschule Regensburg (OTH Regensburg): Durch die OTH Regensburg wird der Hochschulstandort Regensburg seit 1971 gestärkt. Inzwischen bietet die Hochschule mehr als 2 Dutzend Studienfächer an, die mit einem Bachelor abgeschlossen werden. Zudem können Akademiker in der OTH Regensburg in verschiedenen Studiengängen ihren Master absolvieren. Aktuell sind mehr als 11.000 Studenten an der Hochschule eingeschrieben. Der Fokus der OTH Regensburg liegt auf technischen Studiengängen, umfasst aber auch Wirtschaftswissenschaften.

Hochschule für angewandtes Management (HAM): Die Hochschule für angewandtes Management ist eine private Hochschulbildungseinrichtung mit Sitz in München. In Neumarkt unterhält die HAM einen eigenen Campus, auf dem Studenten unter anderem in Betriebswirtschaftslehre und Immobilien- & Baumanagement unterrichtet werden. Insgesamt sind an der Hochschule für angewandtes Management 2.600 Studenten eingeschrieben.

Neben den genannten Standorten hat die Oberpfalz noch einige andere (ungewöhnliche) Hochschulen zu bieten. Hierzu gehören unter anderem die Hochschule für katholische Kirchenmusik und Musikpädagogik sowie auch die Hochschule für den öffentlichen Dienst in Bayern.

Wie sehen die Rahmenbedingungen aus?

Sich für die Hochschule entscheiden ist eine Sache. Sobald die Hürde der Bewerbung geschafft ist, geht es um ganz grundlegende Bedürfnisse – wie das Dach überm Kopf. Generell können sich Studenten hier für das Studentenwohnheim oder eine WG entscheiden. Die Rahmenbedingungen zwischen den einzelnen Standorten in der Oberpfalz variieren teils sehr deutlich.

Regensburg, das nicht nur aufgrund der Universität Studenten anzieht, gehört sicher zu jenen Standorten, in denen gerade die Situation beim Wohnraum alles andere als einfach ist. In verschiedenen Rankings bezüglich des Wohnungsmarkts rangiert Regensburg inzwischen in den Top-Rängen, wenn es um die Mieten geht. Studenten mit einem chronisch klammen Budget stoßen hier natürlich sehr schnell an Grenzen.

Ob die Situation in Weiden, Amberg oder Neumarkt besser aussieht, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Die Zahl eingeschriebener Studenten allein reicht als Messlatte nicht aus. Entscheidend ist am Ende auch, wie viele Studenten aus der Umgebung kommen und pendeln/noch bei den Eltern wohnen. Einen ersten Überblick bieten einschlägige Immobilienportale. Für Studenten, die allein wohnen wollen, sind 1-Raum-Appartments oder 2-Raumwohnungen ideal. Amberg bietet in diesem Zusammenhang durchaus Potenzial.

Wie sieht es mit der Finanzierung aus?

Neben dem Studienplatz und der Wohnung ist die Finanzierung eines Studiums der Knackpunkt, an dem Studenten immer wieder ins Rudern kommen. Angesichts steigender Mieten gehen die Lebenshaltungskosten durch die Decke. Das Problem: Finanzielle Hilfen stagnieren. Ein Beispiel dafür ist das BAföG. Die letzte Erhöhung gab es Wintersemester 2016/2017. Davor mussten Studenten sechs Jahre auf eine Anpassung warten. Sechs Jahre, in denen die Preise kontinuierlich gestiegen sind.

Wie sehen die Finanzierungsoptionen für Studenten in der Praxis aus?

  • BAföG: Die Abkürzung steht für Bundesausbildungsförderungsgesetz und erfasst eine Förderung, die Studenten unter bestimmten Voraussetzungen in Anspruch nehmen können. Dazu gehört auf der einen Seite, dass es sich um eine förderfähige Ausbildung handelt. Ein zweiter Punkt betrifft die persönliche Eignung. Studenten müssen das Ziel der Ausbildung erreichen können (Stichwort Ausbildungsnachweis). Der Bedarf orientiert sich schließlich an den persönlichen Vermögensverhältnissen und dem Einkommen der Eltern/des Lebenspartners. BAföG besteht aus einer Geldleistung, die zur Hälfte als Zuschuss und als zinsloses Darlehen vergeben wird. Die Besonderheiten dieser Förderform erstrecken sich zudem auch auf die Fristen und einen möglichen Teilerlass der Summe nach dem Studium.
  • Hilfen aus dem Familienkreis: Selbst wenn Studenten BAföG erhalten, decken die Zuwendungen den Bedarf selten. Viele angehende Akademiker sind deshalb auf Unterstützung von Zuhause angewiesen. Ein gängiges Konstrukt ist die Auszahlung des Kindergelds an die Eltern. Sehr oft greifen aber auch die Großeltern ihren Enkeln finanzielle unter die Arme.
  • Nebenjob: Neben dem Studium jobben – eine der wenigen Möglichkeiten, um sich als Student über Wasser zu halten. Speziell, wenn es kein BAföG gibt, wird diese Option in Anspruch genommen. Neben klassischen Nebenjobs in der Gastronomie oder im Einzelhandel bietet sich in Unternehmen die Möglichkeit, als Werksstudent einzusteigen. Parallel such auch Hochschulen immer wieder nach Assistenten, die in Laboren beschäftigt werden.
  • Studentenkredite: In den letzten Jahren ist diese Alternative zum BAföG für Studenten zur Möglichkeit geworden, das Studium komplett oder phasenweise zu finanzieren. Dabei ist zwischen dem Kredit durch Banken und die Finanzierung der KfW zu unterscheiden. Letztere gibt es zeitlich begrenzt, etwa um sich voll auf die Abschlussarbeit konzentrieren zu können. Die Höchstsumme des KfW Kredits liegt bei einer Auszahlung von 650 Euro pro Monat. Im Auge sollten immer die Rückzahlungskonditionen behalten werden.

Fazit: Studieren geht auch in der Oberpfalz

Jung, dynamisch und am besten weit weg von Zuhause – ein Klischee, das sehr gern für Studenten benutzt wird. Gerade mit dem Fernweh können einige der angehenden Akademiker nicht viel anfangen. Wer wohnortnah studieren will, zeigt keinen Mangel an Motivation. Vielmehr sind hier oft auch finanzielle Aspekte Vater des Gedankens. In der Oberpfalz drängen sich Universitäten zwar nicht in den Vordergrund. Mit Regensburg, Weiden oder Amberg hat die Region angehenden Akademikern die eine oder andere Chance zu bieten, sich als Wissenschaftler zu profilieren. Im Hinblick auf die Studienfächer ist die Region sowohl im Hinblick auf Wirtschaftswissenschaften als auch im technisch-naturwissenschaftlichen Bereich angemessen besetzt.

(exb)

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