Sulzbach-Rosenberg: Papageien-Gnadenhof zwischen Baurecht und Tierschutz

Der Papageien-Gnadenhof in Sulzbach-Rosenberg von Ulrike Jackson und ihrem Sohn Terrel braucht Hilfe. Ohne bestimmte Gutachten erhalten sie von der Stadt keine Baugenehmigung. Die kosten jedoch beide jeweils mehr als 6.000 Euro. 

Baumaterialien die langsam, aber sicher verwittern, halb fertige Volieren, rund 50 Papageien sowie eine Mutter und ihr Sohn die allmählich nicht mehr weiterwissen. Das ist das Bild, dass sich derzeit auf dem Papageien Gnadenhof in der Pulvermühle in Sulzbach-Rosenberg zeigt. Ulrike und ihr Sohn Terrel Jackson wollten hier eigentlich einen Ort schaffen, an dem nicht mehr erwünschte, kranke oder verletzte Papageien einen schönen Lebensabend verbringen können. So wie sie es in ihrem vorherigen Zuhause schon acht Jahre lang getan haben.

Die Probleme fingen an, als das gemietete Haus verkauft und die Jacksons und ihre Papageien kurzfristig ein neues Zuhause brauchten. Juni 2020 zogen sie um. Seit August 2020 stehen die Bauarbeiten still. „Das größte Problem liegt zurzeit bei den Baugenehmigungen. Von uns werden Gutachten zur Geräusch- und Immissionsmessung verlangt. Die betragen jeweils um die 6.000 Euro“, erklärt Terrel Jackson. Das zweite Problem liegt darin, dass Teile des Grundstücks Hochwassergebiet sind und dort deshalb ebenfalls nicht einfach gebaut werden darf. „Wir reden da von ca. 35 Zentimetern.“ Die Stadt fordert deshalb, die Volieren auf Stelzen zu stellen. Das geht nicht, sagt Terrel Jackson. „In der Voliere ist Naturboden und so ist es unmöglich sie auf Stelzen zu stellen.“ 

Auf Nachfrage zum Thema Baugenehmigung erhielten wir von der Stadt Sulzbach-Rosenberg folgende Stellungnahme: 

Im Baugenehmigungsverfahren sind gemäß Art. 65 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 Bayerische Bauordnung diejenigen Stellen zu beteiligen, ohne deren Stellungnahme die Genehmigungsfähigkeit des Bauantrags nicht beurteilt werden kann. Deswegen wurde im laufenden Verfahren die Untere Immissionsschutzbehörde am Landratsamt Amberg-Sulzbach als Fachstelle beteiligt. In der Stellungnahme vom 11.02.2021 zeigt diese auf, dass das Vorhaben aus Sicht des Immissionsschutzes sehr kritisch zu sehen sei und hinsichtlich Schallimmissionen schädliche Umwelteinwirkungen an den umliegenden Immissionsorten zu erwarten, aber auch hinsichtlich der Geruchsimmissionen schädliche Umwelteinwirkungen nicht ausgeschlossen werden können. Das Vorhaben sei deswegen entweder abzulehnen oder es sei über entsprechende Sachverständigengutachten in den Bereichen Schallschutz und Luftreinhaltung nachzuweisen, dass es durch die geplante Nutzung nicht zu schädlichen Umwelteinwirkungen an den benachbarten Immissionsorten unter Berücksichtigung der jeweiligen Vorbelastungen komme. Solange ein solches Gutachten nicht vorliegt, kann keine Baugenehmigung erteilt werden.

Da das Vorhaben im festgelegten Überschwemmungsgebiet gelegen ist, muss mittels eines gesonderten Antrags auf Erteilung einer Ausnahme vom Wasserhaushaltsgesetz nachgewiesen werden, dass eine Bebauung im Überschwemmungsgebiet an dieser Stelle überhaupt möglich ist. Auch diese Zulässigkeit konnte noch nicht nachgewiesen werden.

Stellungnahme der Stadt Sulzbach-Rosenberg vom 11. Mai 2021

Zur Einordnung: Der Papageien Gnadenhof liegt in einem Gewerbemischgebiet, in der Nähe der Hauptstraße und direkt neben einem Pferdehof. Ob die Papageien also geruchs- und lärmtechnisch hier ein allzu großes Problem darstellen, sei dahingestellt. Das ändert aber nichts an der Tatsache: Keine Gutachten, keine Baugenehmigung. Hier stellen sich zwei Probleme dar: Erst müssen Gutachter gefunden werden und dann müssen diese auch bezahlt werden. Dafür fehlt das Geld. Den Gnadenhof betreiben die beiden ehrenamtlich, zahlen alles aus eigener Tasche bzw. sind auf Spenden angewiesen.

Die Situation scheint festgefahren irgendwo zwischen Baurecht und Tierschutz. Die Jacksons wollen auf jeden Fall nicht aufgeben. Die Tiere wegzugeben sei keine Option erklärt Ulrike. Mutter und Sohn hoffen weiter auf eine zeitnahe Einigung mit der Stadt und eine Baugenehmigung. Damit sie ihren Traum von einem öffentlichen Papageiengnadenhof in die Tat umsetzen können. 

Mehr Informationen, Spendenkonto und den Kontakt des Papageien-Gnadenhofs Jackson finden Sie hier. 

(ac)