Teublitz: Protest gegen Gewerbegebiet vor Stadtratssitzung

Umweltschutzverbände und Bürgerinitiativen protestieren gegen ein geplantes Gewerbegebiet bei Teublitz – in der gestrigen Stadtratssitzung wurde trotzdem der Bebauungsplan auf den Weg gebracht.

„GewerbeHALT – rettet den Wald“. Mit diesem Slogan haben gestern Umweltschutzverbände sowie Bürgerinitiativen gegen das geplante Gewerbegebiet an der A93 bei Teublitz protestiert. Der Wald, um den es geht, ist ein etwa 20 Hektar großes Gebiet östlich der Stadt. Dieser Wald soll weichen, um ein Gewerbegebiet zu schaffen, so der mehrheitliche Wille im Stadtrat. Das Gremium beschloss in seiner gestrigen Sitzung, den Bebauungsplan auf den Weg zu bringen. Es gab nur zwei Gegenstimmen von den Stadträtinnen der Bündnisgrünen.

Der Landesbund für Vogelschutz, der Bund Naturschutz und Bürgerinitiativen aus Teublitz und Maxhütte-Haidhof protestieren: Das Gebiet sei ein gesunder Zukunftswald. Er sei gut mit Wasser versorgt und mit seiner Mischbepflanzung gut gegen den Klimawandel aufgestellt. Auch viele bedrohte Arten wären hier beheimatet, so Christian Stierstorfer, Waldreferent des LBV. Im Kampf gegen den Klimawandel sei dieses Gebiet enorm wichtig, betonen die Umweltschützer.

In München würden sich Spitzenpolitiker das Thema Flächensparen und Umweltschutz auf die Fahnen schreiben – doch in den Kommunen vor Ort werde das nicht umgesetzt, kritisiert Benjamin Schmid von der Bürgerinitiative „Am Schwarzer Berg – schützt Wald und Wasser“. Die BI hat sich vergangenen Sommer gegründet, um Widerstand gegen das Gewerbegebiet zu leisten.

Der Teublitzer Bürgermeister Thomas Beer widerspricht diesen Vorwürfen: Die Stadt sei sehr wohl sparsam in ihrem Flächenverbrauch. In den letzten 30 Jahren sei kein Gewerbegebiet ausgewiesen worden. Wären alle Kommunen in Bayern so sparsam mit ihren Flächen umgegangen, gäbe es heute keine Diskussion ums Flächensparen, so das Stadtoberhaupt. Und das neue Gewerbegebiet brauche die Stadt, um sich wirtschaftlich zu entwickeln. Es gebe in Teublitz sehr viele Auspendler, für die man wohnortnahe Arbeitsplätze schaffen wolle.

In der gestrigen Sitzung des Stadtrates wurden die Einwände gegen das Gewerbegebiet nochmals thematisiert. Im Zuge der Öffentlichkeitsbeteiligung waren 617 Stellungnahmen bei der Stadt eingegangen – unter anderem Vorbehalte mit den Aspekten Klimaschutz, Wasserversorgung, alternative Standorte bis hin zum Lärmschutz. Etwa eineinhalb Stunden lang stellte die Bauverwaltung die Einwände vor und bezog zu ihnen Stellung. Bei der anschließenden Abstimmung des Stadtrates fiel die Entscheidung eindeutig aus: Die 18 Stadträte von CSU, SPD und den Unabhängigen Wählern stimmten dafür, den Bebauungsplan auf den Weg zu bringen. Es gab nur zwei Gegenstimmen von Bündnis 90/Die Grünen.

Mit dieser Entscheidung hatten die Projektgegner gerechnet – doch sie wollen ihren Widerstand fortsetzen. Man wolle sich nun an höhere Politiker wenden. Auch der Weg nach München sei ihnen nicht zu weit, so Benjamin Schmid von der BI. Denn es seien auch noch nicht alle Fragen abschließend geklärt: Ein hydrogeologisches Gutachten etwa, das die Wasserströme in dem Waldgebiet untersucht, ist noch nicht abgeschlossen – diese Ergebnisse müssten erst noch abgewartet werden, so die Umweltschützer. In jedem Fall ist ihnen der Erhalt des Waldes am Schwarzen Berg zu wichtig, um die Entscheidung des Stadtrates einfach hinzunehmen.

(az)