Tirschenreuth: Faschingsverein Tursiana erobert das Rathaus unter Coronabedingungen

Fasching, Fastnacht oder doch Karneval? Und woher kommt dieser Brauch eigentlich, der traditionell am 11.11. um 11:11 Uhr beginnt?

Seinen Ursprung nimmt dieser Brauch, der traditionell vor der Fastenzeit, also vor Ostern gefeiert wird und seit dem 19. Jahrhundert am 11.11. um 11:11 Uhr beginnt, schon in der Antike. Es ist überliefert, dass dieser zum ersten Mal vor ungefähr 5.000 Jahren im damaligen Mesopotamien gefeiert wurde. Dabei standen für kurze Zeit sowohl die Arbeiter als auch der Adel auf einer Linie.
Der Rosenmontag als Highlight des Karnevals nimmt seinen Lauf im 12. bis 16. Jahrhundert, in dem niedrigstehende Träger der Kirche für kurze Zeit gespielt höhere Ämter annahmen und so einen sogenannten Pseudopapst wählten. Dabei wurde der Zeitpunkt des Festes auf den Rosenmontag gelegt.
Der Brauch ist eher in katholischen Religionen verbreitet, da die evangelische Kirche den Sinn der Fastenzeit und somit auch die Fastnacht hinterfragt.

Karneval dauert bis Aschermittwoch
Der Hintergrund dieser Tradition vor der Fastenzeit ist Folgender: bevor die Fastenzeit beginnt wollte man noch einmal alles verzehren, was in der Fastenzeit verboten war. Daher kommt auch der Begriff „Fastnacht“.

Der Karneval dauert bis zum Beginn der Fastenzeit, dem sogenannten Aschermittwoch. Der Höhepunkt des Faschings ist der Montag vor der Fastenzeit, der Rosenmontag, aber auch der schmotzige Donnerstag, auch fetter Donnerstag genannt, oder die Weiberfastnacht.

Doch heißt es nun Fasching, Fastnacht oder doch Karneval?
Dies kommt ganz auf die verschiedenen Regionen in Deutschland an. Während man in Bayern und in Sachsen diesen Brauch Fasching nennt, wird dieser in Baden-Württemberg als Fastnacht bezeichnet. Im Rheinland, also auch in Köln, wo der berühmteste Karneval Deutschlands stattfindet, wird diese Feier, für die sich so viele Menschen begeistern können, Karneval oder auch Fastelovenden (=Fastenabend) bezeichnet. Des Weiteren kann man diese Tradition allerdings auch noch 5. Jahreszeit oder Fasnet nennen.

Ein weiterer Bestandteil des Karnevals, neben den kreativen Verkleidungen bis hin zu den gestalteten Umzugswagen mit den „fliegenden“ Süßigkeiten, den sogenannten Kamelle, sind auch die spezifischen Speisen, die Berliner/Krapfen.

Verschiedene Narrenrufe je nach Region
Auch die Narrenrufe unterscheiden sich, ebenso wie die unterschiedlichen Begriffe, von Region zu Region:
In Düsseldorf, Mainz, Koblenz oder in weiteren Gegenden in Rheinhessen lautet der Narrenruf Helau, der seit 1830 in diesen Regionen Tradition ist. Die Herkunft ist leider nicht überliefert, deswegen bezeichnet man diesen Narrenruf auch gerne als „mysteriösen“ Narrenruf.
Alaaf, wie man ihn in Köln, Bonn, Aachen oder Leverkusen vorfindet, ist der Älteste der aufgezählten Narrenrufe. Dieser ist wahrscheinlich zurückzuführen auf einen uralten Trinkspruch aus Köln: „all af“, was so viel bedeutet wie „alles weg“.
Im Norden Deutschlands, in Baden und in der Pfalz zeigt sich der Narrenruf Ahoi, ein alter Seemansgruß, wohingegen man im schwäbisch-alemanischen Narri Narro ruft. Dabei ist ebenfalls die Herkunft nicht überliefert. Man grüßt sich mit Narri und der Gegenüber antwortet mit Narro.
Ein weiterer Narrenruf nennt sich Wauwau, welcher in den unterschiedlichsten Regionen in ganz Deutschland zu finden ist, beispielsweise in Nettersheim, Alzey-Weinheim oder in der Gegend um Bayreuth.
Ein bekannterer Narrenruf kommt im Saarland zum Vorschein. Dort ist der Narrenruf „Alleh hopp“ vorzufinden. Dieser stammt aus dem Französischem, was für die Nähe des Saarlandes zu Frankreich spricht. „Allez hop“ bedeutet nämlich im Französischen soviel wie „Auf geht’s, Los geht’s!“.

Die bekanntesten Umzüge in Deutschland trifft man in Düsseldorf, Mainz und natürlich in Köln an.
Weltweit betrachtet gehören zu den bekanntesten Umzügen der Karneval in Rio de Janeiro, in Venedig oder der Umzug in Nizza.

Fasching und Corona
In Zeiten von Corona ist allerdings kein Fasching im herkömmlichen Sinn möglich. Aber die Mitglieder der Turisana Tirschenreuth haben es sich nicht nehmen lassen, am 11.11. die Faschingszeit einzuläuten – mit gebührendem Abstand. Die Statements zur virtuellen Übernahme des Tirschenreuther Rathauses finden Sie hier.

Tursiana Tirschenreuth
Der Faschingsverein Tursiana Tirschenreuth ist seit April 1977 Mitglied im Fastnacht-Verband Franken – Bezirk Oberfranken und im Bund Deutscher Karneval. Der 1. Vorstand der Tursiana Tirschenreuth ist Klaus Behnke. Die Präsidentin, welche seit Mai 1994 im Amt ist, ist Iris Fennerl. Der Verein wurde am 10. Februar 1976 von Faschingsnarren gegründet. 2 Wochen darauf fand dann auch schon der erste Komiteeball statt. Pro Jahr sind mehr als 80 Personen in diesem Verein tätig.

(kw)