Oberpfalz TV

Tirschenreuth/Nabburg: Oberpfalz mit Ärzten überversorgt?

Die Oberpfalz ist mit Hausärzten nahezu überall überversorgt: Das zeigt der neue Versorgungsatlas des Kassenärztlichen Verbandes Bayerns. Aufgelistet sind dort Städte, Landkreise und einzelene Kommunen und die Anzahl der Ärzte. Die Ärzte werden in Relation gesetzt mit der Bewohnerzahl und daraus ergibt sich dann der Versorgungsgrad. In der Oberpfalz liegt der fast überall bei über 100%, manchmal gar bei 130%. Klingt auf dem Papier gut. In der Realitiät sind das allerdings anders aus, beklagen Ärzte und Politiker.

Vor allem auf dem Land herrsche demnach weiterhin ein eklatanter Ärztemangel, sagen Tirschenreuths Landrat Wolfgang Lippert und Thomas Ebeling, der Schwandorfer Landrat. Im Landkreis Tirschenreuth beispielsweise gibt es bisher drei Kinderärzte. Laut KVB ist das ausreichend. Laut Landrat nicht.

In Kemnath suche man seit Jahren händeringend nach einem weiteren Kinderarzt. Aber niemand lasse sich finden. Die Stelle wurde deshalb jetzt gestrichen. Im westlichen Landkreis gibt es nun keinen Kinderarzt mehr.

Dabei sei eine gute ärztliche Versorgung auch ein Standortfaktor, mahnen die Politiker. Die Lücken hier seien aber nicht nur für den Landkreis als Zuhause schlecht. Sondern vor allem für die Bevölkerung selbst. Weite Strecken, lange Wartezeiten und überarbeitete Mediziner seien inzwischen teilweise an der Tagesordnung.

Das deckt sich auch mit den Aussagen von Dr. Stephan Gilliar. Er ist Vorsitzender des Naabtal-Ärztebundes und Mitglied der Bayerischen Landesärztekammer. Auch er spricht von einer angespannten Situation. Alle Praxen seien überlaufen. Bereitschaftsärzte müssten sehr weite Wege zurücklegen. Selbst bei der notärztlichen Versorgung würden sich immer mehr Lücken ergeben. Und die Lage werde sich weiter verschärfen. Häufig fänden sich auf ausscheidenende Ärzte keine Nachfolger.

Im Versorgungsatlas zeigt sich deutlich: Oft sind ein Drittel der praktizierenden Ärzte über 60 Jahre alt. Viele von ihnen stehen kurz vor dem Eintritt in die Rente. Ausreichend Nachfolger sind nicht in Sicht. (eg)