Tirschenreuth: SuedOstLink im Fokus des Stadtrats

Der Netzbetreiber Tennet hat es angeboten und die Stadt Tirschenreuth hat es als einer der ersten in der Region angenommen: Ein Informationsangebot zum aktuellen Stand des SuedOstLinks. Durch die Corona-Pandemie war das Vorhaben in den vergangenen Wochen und Monaten etwas aus dem Blickpunkt der Öffentlichkeit verschwunden. Auch deshalb war es gestern ganz bewusst im Fokus des Tirschenreuther Stadtrats.

Thomas Arnold und Torsten Grampp von Tennet waren gestern Abend live zugeschaltet, als der Tirschenreuther Stadtrat im großen Saal des Kettelerhauses tagte. Die beiden informierten in einem kurzen Vortrag über den aktuellen Stand des SuedOstLinks. Darüber, dass der von Tennet erarbeitete Trassenvorschlag jetzt der Bundesnetzagentur zur Prüfung vorliegt, wie die Baumaßnahmen aussehen und ablaufen werden und dass diese wohl nicht vor 2023 beginnen werden. Außerdem betonte Grampp, Referent für Bürgerbeteiligung bei Tennet, dass auch in Zeiten der Corona-Pandemie der Netzbetreiber immer im Austausch mit den Menschen stand. Der Vortrag der beiden war aber nicht der zentrale Grund dafür, dass man sie in die Sitzung eingeladen hatte. In erster Linie sollte es darum gehen, Fragen zu stellen und Einwände vorzubringen.

Davon gab es nämlich eine ganze Menge: In Tirschenreuth verstehe man beispielsweise nicht, warum die Trasse einen so großen Schwenk nach Osten mache, anstatt den direkten und kürzeren Weg westlich der Stadt zu nehmen.

Wir haben da schon Bedenken, dass unsere Wasserversorgung, die ja im östlichen Bereich von Tirschenreuth liegt, durchtrennt wird. Außerdem haben wir Bedenken, dass die Bau- und Flächenentwicklung in Tirschenreuth eingeschränkt wird.Wir sehen hier durchaus große Einschnitte, die die zukünftige Entwicklung von Tirschenreuth in einem gewissen Grenzbereich tangieren.

Franz Stahl, Bürgermeister von Tirschenreuth

Die Einwände habe man schriftlich Tennet und der Bundesnetzagentur mitgeteilt, jedoch keinerlei Resonanz erhalten, so Stahl weiter. Dazu erklärten die beiden Tennet-Vertreter, man habe die Einwände erhalten und auch in den Planungen berücksichtigt. Der Schwenk nach Osten sei notwendig, weil im Westen der Stadt die vielen Seengebiete nicht gut geeignet seien für die Erdverkabelung, so Grampp. Die Bedenken bezüglich der Wasserversorgung seien laut Arnold auch unbegründet, da es ein gängiger Vorgang sei Leitungen zu queren. Die Wasserversorgung werde durch die Stromtrasse nicht beeinflusst.

Ein großes Thema in der Fragerunde war -wieder mal, möchte man schon fast sagen- die A93. Tenor aus dem Stadtrat: Man verstehe nach wie vor nicht, warum die Trasse nicht entlang der Autobahn verlaufen kann. Dazu erklärte Thomas Arnold:

Die Distanz wäre entlang der Autobahn tatsächlich kürzer. Das ist aber auch der einzige Vorteil. Ansonsten hätte man sehr viele bautechnische Nachteile, die man eingehen müsste.

Thomas Arnold, Tennet-Vertreter

Die Entscheidung gegen den Verlauf entlang der Autobahn sei deshalb aus fachlichen und nicht, wie oft behauptet, aus monetären Gründen getroffen worden, ergänzte Grampp. Das Thema Autobahn sei auch bereits endgültig vom Tisch, da der Trassenkorridor bereits verbindlich festgelegt worden sei. Auch den Vorwurf, man habe andere Korridore nicht genauso intensiv geprüft wie den ausgewählten, wies Tennet gestern entschieden zurück.

Bürgermeister Stahls Fazit fiel am Ende ernüchternd aus. Viel schlauer als vorher sei er nicht und auch nicht alle Fragen seien zur vollen Zufriedenheit des Stadtrats beantwortet worden. Aber: eine vernünftige Grundlage für zukünftige Diskussionen sei auf jeden Fall gelegt worden.

(ac)