Verkehr in der Oberpfalz: Unfallstatistik und Entwicklung

Der Trend der vergangenen Jahre hat sich auch 2017 fortgesetzt. Auf Bayerns Straßen gibt es insgesamt weniger Tote und Verletzte. Dennoch hat die Zahl an Unfällen insgesamt zugenommen. Dies gilt auch für die Region Oberpfalz. Ein besonderer Fokus liegt hier bei dem Anstieg der Wildunfälle und bei Situationen mit Fahrerflucht. Diese Punkte stellen Polizei und Regierung vor besondere Herausforderungen.

Was sich bayern- und bundesweit in den Statistiken abzeichnet, zeigt sich auch in der Oberpfalz: Schwere Unfälle werden immer weniger, Unfälle mit Blechschäden und Kleinunfälle hingegen steigen immer noch an. Vor allem auf Landstraßen kracht es besonders oft. Die Polizei setzt auf Kontrollen und Aufklärung, um die Bevölkerung gezielt auf Unfallschwerpunkte hinzuweisen und für die Gefahren zu sensibilisieren.

Jährliche Schwankungen stark wetterabhängig

Wenn die Temperaturen jetzt wieder steigen, rückt die Verkehrsstatistik wieder mehr in den Blick. Denn das Wetter hat einen entscheidenden Einfluss auf die Unfallzahlen. Die Sonne lockt verstärkt Motorradfahrer auf die Straßen, was automatisch zu einer höheren Unfallrate führt. So war im Jahr 2016 aufgrund des guten Wetters eine besonders hohe Zahl an verunglückten Motorradfahrern zu verzeichnen. 23 Tote gab es damals, eine außergewöhnliche Abweichung im Langzeitvergleich. Im vergangenen Jahr waren es lediglich acht.

Sie zählen zur besonderen Risikogruppe, immerhin war 2017 jeder fünfte Verkehrstote mit dem Motorrad unterwegs. Die Bayerische Polizei hat deshalb eine eigene Sicherheitskampagne gestartet um Kradfahrer im direkten Gespräch über mögliche Unfallrisiken aufzuklären. Zu Beginn der Motorradsaison fand dazu ein erster Aktionstag in Schwarzenfeld statt. Im größten Teil der Fälle sind die Zweiradfahrer selbst für die Verursachung eines Unfalls verantwortlich.

Zusätzlich zu den Gesprächen wurden Aufklärungsbroschüren entwickelt. Darüber hinaus können bei der Verkehrswacht spezielle Fahrsicherheitstrainings für Motorradfahrer gebucht werden. Sie finden im Flug- und Freizeitzentrum Jesenwang oder auf dem Gelände der Bayerischen Bereitschaftspolizei in Dachau statt.

Auch die Witterung im Winter spiegelt sich in den Statistiken wider. Durch den deutlich kälteren Winter und Schneefälle und Frost auch im zeitigen Frühjahr nahm die Zahl an Blechschäden ebenfalls zu. Die Oberpfalz war an einzelnen Tagen wie der Nacht zum 30. Dezember besonders betroffen. Starker Schneefall und Straßenglätte führten allein an diesem Tag zu 95 witterungsbedingten Unfällen in der Region. Der schwere Busunfall auf der A9 im Dezember mit insgesamt 18 Toten wirkte sich zudem im vergangenen Jahr besonders negativ auf die Zahl der Verkehrsopfer aus.

Fahrerflucht nimmt zu

Vorfälle, bei denen sich der oder die Unfallverursacher unerlaubt vom Tatort entfernen haben ebenfalls zugenommen, um ganze 4,1 Prozent im Vergleich zu 2016. Auch hier wurde ein neuer Höchststand innerhalb der vergangenen zehn Jahre erreicht. Dieser Trend zeigt sich im gesamten Bundesgebiet.

 

Ein großes Problem dabei: Wird der Unfallverursacher nicht gefunden, bleibt der Geschädigte unter Umständen selbst auf den Kosten sitzen. Ausschlaggebend ist hierfür die Art der Autoversicherung. Je nachdem welcher Schutz gewählt wurde, sind Unfallschäden auch bei Fahrerflucht abgedeckt – oder eben nicht. Nur wer eine Vollkaskoversicherung abgeschlossen hat, bekommt die Kosten erstattet. Alle anderen müssen zudem in Kauf nehmen, durch den Unfall gegebenenfalls in eine schlechtere Schadenfreiheitsklasse abzurutschen.

Wir beobachten eine zunehmende Neigung, Regeln zu missachten. Ursachen dafür sind ein sich veränderndes gesellschaftliches Wertesystem, das unter anderem von Konkurrenz und Hetze, aber auch durch individuelle Überforderung geprägt ist“, so Oliver Malchow, Bundesvorsitzender der Polizeigewerkschaft zu den Gründen. Dies spiegelt sich vor allem auch beim Verhalten im Straßenverkehr wider.

Oftmals liegt einer Fahrerflucht auch der Irrglaube zugrunde, dass das Hinterlassen der persönlichen Daten an der Windschutzscheibe des Geschädigten genügt. Die Straßenverkehrsordnung sieht in einem solchen Fall allerdings vor, dass der Verursacher eine „den Umständen angemessene Zeit“ warten muss, wenn der Geschädigte nicht vor Ort ist. Sicherer ist es, dann die Polizei zu verständigen und den Unfall so offiziell zu melden. Je nach Region in Deutschland liegt die Aufklärungsquote zwischen 20 und 50 Prozent, vor allem auch abhängig davon, wieviel Spuren am Tatort hinterlassen werden.

 

Problempunkt Wildunfälle

Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Wildunfälle auf den Oberpfälzer Straßen nach einer leichten Entspannung 2016 wieder um 2,2 Prozent gestiegen. Insgesamt 9.943 Fälle wurden offiziell verzeichnet. Allerdings waren diesmal neben den 72 dabei Verletzten (wie im Vorjahr) auch zwei Todesopfer zu beklagen. In ganz Bayern werden heute im Vergleich zu 2006 doppelt so viele Wildunfälle registriert.

 

 

Das Bayerische Innenministerium und die Polizei hat dafür verschiedene Erklärungen parat. Einerseits ist in den vergangenen Jahren das Verkehrsaufkommen ebenfalls erheblich gestiegen. Darüber hinaus wird auch das veränderte Freizeitverhalten der Menschen dafür verantwortlich gemacht. Wälder werden von uns immer stärker für die verschiedensten Aktivitäten genutzt. Das Wild wird dabei zunehmend in seinem natürlichen Rückzugsgebiet gestört. Professor Dr. Jörg Müller, Tierökologe an der Universität Würzburg vermutet zudem eine Zunahme des natürlichen Wildtierbestandes. „Wenn man es um alle Dinge bereinigt, dann haben wir in einer Studie für Bayern zeigen können, dass über zehn Jahre der Bestand an Rehen um über 20 Prozent gestiegen ist“, so der Experte.

Auch hier setzen die Behörden noch stärker auf Aufklärung und Kennzeichnung besonders gefährdeter Stellen mit starkem Wildwechsel. Darüber hinaus hat sich der Einsatz eines sogenannten Duft-Zaunes besonders bewährt. Durch charakteristische Geruchsstoffe, die an den typischen Übergängen platziert werden, kann das Wild relativ effektiv von der Straße ferngehalten werden.

Häufigste Unfallursachen

Fahrfehlen zählen mit 11,7 Prozent zur häufigsten Unfallursache auf unseren heimischen Straßen. Dahinter kommen mit Abstand Verstöße gegen den Mindestabstand und die Vorfahrt. Die Zahl der Unfälle aufgrund nichtangepasster Geschwindigkeit und Fahren unter Alkoholeinfluss stieg um 0,2 Punkte auf 3,4 Prozent. Allerdings sind diese Verstöße besonders gefährlich: In 36,4 Prozent der Fälle gab es dabei im vergangenen Jahr Tote.

61 Personen starben in der Oberpfalz bei einem Unfall, weil sie nicht angeschnallt waren. Ebenfalls eine alarmierend hohe Zahl. Die Polizei will deshalb auch in diesem Jahr ihre Aufklärungskampagnen in dieser Richtung noch stärker ausbauen.

Das Smartphone am Steuer sorgt ebenfalls immer noch viel zu häufig für Ablenkung und löst so Unfälle aus. Das Problem: dieser Punkt lässt sich von der Polizei besonders schwer kontrollieren. Dennoch konnte allein die Verkehrspolizeiinspektion Amberg 2017 doppelt so viele Verstöße in diesem Bereich ahnden, als noch im Jahr zuvor. 100 Euro kostet dieses Vergehen seit Oktober 2017.

Weitere Entwicklungen

2017 ist die Zahl der Radunfälle ebenfalls angestiegen, um 2,8 Prozent gegenüber 2016, der höchste Stand in den letzten zehn Jahren. Der Grund hierfür liegt sicherlich mit in der Tatsache, dass immer mehr Menschen aufs Rad umsteigen und dies im alltäglichen Straßenverkehr nutzen. Zudem sind auch immer mehr Pedelecs und E-Bikes auf unseren Straßen unterwegs.

Auf Landstraßen passieren im Vergleich überdurchschnittlich viele Unfälle, darunter auch die meisten mit tödlichem Ausgang. Über eine allgemeine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 80 Stundenkilometer, wie es dieses Jahr in Frankreich ab ersten Juli eingeführt wird, wird hierzulande nicht diskutiert.

Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat hält hingegen eine situationsbedingte Geschwindigkeitsregulierung für sinnvoller. Vor allem auf schmalen Straßen macht eine Begrenzung auf 80 oder gar 70 km/h Sinn, so die Experten. Auf gut ausgebauten Verkehrswegen sollte jedoch dennoch weiter Tempo 100 erlaubt sein. Wilfried Pukallus vom ADAC empfiehlt zudem, an gefährlichen Stellen weitere Überholverbote und Warnschilder einzurichten. Denn der Großteil der tödlichen Unfälle ist hier neben der unangepassten Geschwindigkeit auf Fahrfehler, etwa beim Überholen oder auf Fehleinschätzungen zurückzuführen.

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