Warum Preisunterschiede bei gleicher Zahnbehandlung?

Wenn die zweiten Zähne ihren Dienst versagen, dann muss über einen Zahnersatz nachgedacht werden. Der ersetzt wahlweise als festsitzende oder als herausnehmbare zahnmedizinische Prothese den beziehungsweise die fehlenden Zähne. Zum gängigen Zahnersatz gehören Brücken, Implantate und Kronen.

Der Zahnersatz ist grundsätzlich ein Leistungsfall sowohl für die gesetzliche als auch für die private Krankenversicherung. Doch der Begriff „Leistungsfall“ ist in Bezug auf die finanzielle Leistung von Krankenkassen und Krankenversicherungen überaus dehnbar.

• Die gesetzliche Krankenversicherung, kurz GKV, orientiert sich an dem absoluten Minimum der medizinischen Notwendigkeit
• Die private Krankenversicherung richtet sich mit ihrer Leistung nach dem individuellen zahnärztlichen Tarif des Versicherten. Das gilt sowohl für den in der privaten Krankenversicherung, der PKV Vollversicherten als auch für den GKV-Versicherten mit einer privaten Zahnzusatzversicherung

GKV und PKV erwarten vor ihrer Kostenzusage die Vorlage eines Heil- und Kostenplanes des behandelnden Zahnarztes. Dieser Kostenvoranschlag gibt detaillierte Auskunft über die Kostenarten und Kostenhöhen der Zahnbehandlung.

Hier zeigen sich teils erhebliche Unterschiede zwischen den Kostenvoranschlägen und im weiteren Sinne zwischen den Zahnärzten.

Dem Patienten stellt sich die Frage nach dem Grund und dem Anlass für Differenzen, die je nach Zahnbehandlung im drei- bis vierstelligen Bereich liegen – können.

BEMA vs. GOZ

• Der Einheitliche Bewertungsmaßstab für zahnärztliche Leistungen, abgekürzt BEMA ist die Grundlage der GKV zur Abrechnung jeglicher Zahnbehandlungen. Gleichzeitig ist der BEMA die Basis für das vertragsärztliche Honorar

• Die GOZ, Gebührenordnung für Zahnärzte regelt alle zahnmedizinischen Leistungen, die nicht über die gesetzlichen Krankenkassen abrechenbar sind

Es ist sowohl für den GKV- als auch den PKV-Versicherten kaum möglich, dass die tatsächlichen Zahnersatzkosten ungekürzt, also in voller Höhe vom Versicherungsträger bezahlt werden. Die Frage ist daher nicht ob, sondern wie hoch der Eigenanteil beziehungsweise Selbstbehalt ist.

Darauf kann der Versicherte auf zweierlei Weise Einfluss nehmen:

• als GKV-Versicherter durch den Abschluss einer privaten Zahnzusatzversicherung

• durch die Auswahl der günstigsten unter mehreren günstigen Zahnersatzbehandlungen

Sicherlich ist es nicht üblich, sich bei mehreren Zahnärzten nach den Behandlungskosten für den Zahnersatz zu erkundigen. Andererseits geht es in Bezug auf den Eigenanteil ums eigene Geld. Auf jeden Fall aber gibt es mehrere gute Argumente für eine Zahnzusatzversicherung.

Die Kosten einer Zahnersatzbehandlung werden durch die folgenden variablen Faktoren direkt beeinflusst

• Steigerungsfaktor anhand des Schwierigkeitsgrades der Behandlung
• Unterschiedliche Honorarkosten im Bereich der Privatleistungen nach GOZ
• Laborkosten als „unregulierte“ Dienstleistung

Der BEMA lässt dem Zahnarzt keinen Spielraum für mögliche Kostensteigerungen. Da die BEMA-Finanzierung so gut wie nie ausreicht, ist der Patient geradezu gezwungen, einen privaten Eigenanteil zu bezahlen. Diese Aufstockung der Kosten wird nach der GOZ abgerechnet. In diesem Teilbereich wird der ansonsten GKV-Versicherte zum Privatpatienten. Hier gelten die gegenüber dem BEMA ohnehin schon höheren Abrechnungssätze. Jeder Zahnarzt ist frei in seiner Entscheidung, welchen GOZ-Satz er abrechnet – wenn der Patient dem zustimmt. Auch heutzutage ist es noch recht ungewöhnlich, an dieser Stelle mit dem Zahnarzt zu verhandeln.

Das betrifft sowohl den Steigerungsfaktor, der nicht im BEMA vorgesehen ist als auch die GOZ-Honorierung außerhalb der BEMA; kurz gesagt alles, was nicht BEMA-finanziert wird.

Zu einem Problem bis hin zum Ärgernis können sich die Laborkosten entwickeln. Das Dentallabor ist ein unabhängiger Dienstleister. Es unterliegt keinen vergleichbaren Regelungen wie GOZ oder BEMA. Zwar gibt es branchenübliche Honorare, sie können jedoch von Labor zu Labor unterschiedlich ausfallen. In den meisten Fällen werden die Laborkosten über den kooperierenden Zahnarzt abgerechnet. Ein direkter Verhandlungskontakt zwischen Dentallabor und dem Patienten ist so gut wie nicht möglich bis ausgeschlossen. Somit besteht nahezu keine Einflussmöglichkeit auf die Höhe der Laborkosten. Das bezieht sich nicht nur auf die Handwerks- und Dienstleistung, sondern auch auf das verwendete Material für den Zahnersatz, aufgeteilt in in Gebrauchs- sowie Verbrauchsmaterialien.

FAZIT

Als Resümee bleibt festzuhalten, dass die Regelversorgung der GKV nach BEMA weder zufriedenstellend noch qualitativ ausreichend gut ist. Abhängig von dem gewählten Tarif einer privaten Zahnzusatzversicherung kann der GKV-Versicherte:

• einen dem Privatversicherten gleichwertigen Zahnersatz sicherstellen
• über die Zahnzusatzversicherung eine hundertprozentige Kostenerstattung erreichen, also komplett ohne Selbstbehalt

Als Mediziner ist der Zahnarzt sowohl humaner Dienstleister als auch Kaufmann. Er muss mit seiner Zahnarztpraxis Umsatz und Gewinn erzielen. Nur mit Abrechnungen nach dem BEMA ist das kaum bis gar nicht möglich.

Der Zahnarzt braucht also Patienten, deren Zahnbehandlungen er auch oder bestenfalls ausschließlich nach der GOZ abrechnen kann. Umgekehrt hat der GKV-Versicherte mit einer privaten Zahnzusatzversicherung die Garantie auf einen optimalen Zahnersatz – für welche Lösung er sich auch entscheidet.