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Weiden: 3. Verhandlungstag – Anhörung der Gutachter

„Mein Mandant ist nicht schuldfähig!“, das sagte der Verteidiger von Klaus E. heute vor Prozessbeginn auf OTV-Nachfrage. Klaus E. habe psychische Probleme und die Tat sei durch die erklärbar. Die Einschätzung von Klaus E.s Verteidiger teilte der forensische Psychiater heute nicht so absolut. Am dritten Prozesstag verlas er sein Gutachten vor dem Landgericht Weiden. Nach seiner Einschätzung hätte Klaus E. anders handeln können. E. ist wegen versuchten Totschlags angeklagt. Er soll vergangenes Jahr mit der Dienstwaffe eines Polizisten auf diesen selbst gezielt und viermal abgedrückt haben. Ein Schuss löste sich aber nicht. Klaus E. selbst rechtfertigte die Tat mit psychischen Problemen.

Der Gutachter bestätigte zwar, dass Klaus E. seit Jahren schwer depressiv sei. Außerdem habe er zeitweise Wahnvorstellung. Dazu kämen finanzielle und körperliche Probleme. Doch zum Tatzeitpunkt müsse er zumindest handlungs- und einsichtsfähig gewesen sein. Sonst hätte er die Waffe nicht aus dem Holster des Polizisten bekommen, da ist sich der Psychiater sicher. Dennoch sei der Angeklagte vor und nach der Tat wirr gewesen und habe versucht sich umzubringen. Dann sei er wieder ruhig und geordnet gewesen. Atypische Symptome einer Depression, sagte der Gutachter. Allerdings sei die auch nie behandelt worden und habe Klaus E. deshalb fast vollständig eingenommen.

Warum Klaus E. nach der Waffe griff, ist weiter ungeklärt. Möglicherweise habe E. gehofft, dass er selbst erschossen werde, wenn er die Polizei provoziert, sagte der Psychiater. Diese Theorie hält auch der Beschuldigte für wahrscheinlich. Er könne sich aber an nichts erinnern.

Gestern sagte der betroffene Polizist aus. Er sagte, er habe das Gefühl, verrückt zu werden. Der Polizist sei damals zu einem Streit nach Waldershof gerufen worden. Er habe beim Eintreffen seinen Holster geöffnet, um im Notfall schnell an seine Waffe zu kommen. So habe er das Anwesen betreten. Klaus E. sei zunächst sehr ruhig gewesen, habe ihm dann aber völlig unvermittelt die Waffe entrissen und auf ihn gezielt. An viel könne er sich nicht erinnern.

Nur an den Lauf der Waffe vor seinem Gesicht und den komischen Gesichtsausdruck von Klaus E.. Und an das Klicken. Insgesamt viermal hörte er es. Klaus E. habe den Abzug der Dienstwaffe viermal getätigt, da ist sich der Polizist sicher. Nur habe er die Sicherung nicht lösen können. Nur deshalb sei er noch am Leben.

Zwar sei er wieder im Dienst. Aber auch in psychologischer Behandlung. Er stehe seither neben sich, könne nicht mehr lachen, nicht mehr schlafen. Und vor allem mache er sich selbst Vorwürfe. Er frage sich immer und immer wieder, ob er seine Waffe nicht besser hätte sicher können. Immer wieder überlege er, wie das überhaupt passieren habe können. Eine Entschuldigung von Klaus E. gestern nahm der Polizist nicht an. Er sagte, er könne das nicht, da er seit dem Vorfall solch große Probleme habe. Er könne Klaus E. nicht verzeihen.

Am ersten Verhandlungstag sagte der Beschuldigte selbst, dass es ihm sehr leid tue. Er könne es nicht glauben, dass er es gewesen sei, der das gemacht haben soll. Er sei mit vielen Polizisten befreundet.

Des Weiteren äußerte er, dass er Selbstmordgedanken gehabt habe und das Gefühl habe, schizophren zu sein. An die Tat selbst könne er sich nicht erinnern. Auch seine Frau und sein Sohn hätten nur eine vage Erinnerung.

Ein Gutachter beobachtet den ganzen Prozess. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Beschuldigte erheblich beeinträchtigt in seiner Steuerungsfähigkeit war. Er selbst sagte am ersten Prozesstag, dass er viele Medikamente nehmen müsse und seither immer wieder Halluzinationen habe. Unter anderem habe er zeitweise geglaubt, ein Kind überfahren zu haben. (eg)