Weiden: Flutkanalprozess geht weiter

Warum musste Moritz G. sterben und hätte er gerettet werden können? Dieser Frage geht derzeit das Landgericht Weiden nach. Der heutige Prozesstag war vor allem von vielen Emotionen geprägt.

Der 11. September 2020 gegen 18:30 Uhr, Moritz G. steigt hinten links in einen weißen VW-Golf und fährt mit Freunden nach Weiden. Diesen Moment werde sein Vater nie wieder vergessen. Es ist das letzte Mal, dass er seinen Sohn lebend sieht. Seine Aussage als Zeuge heute vor dem Landgericht in Weiden dürfte bei allen Beteiligten einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben. Er und seine Frau stellen sich nur eine Frage: Warum? Warum musste ihr Sohn sterben? Warum haben die drei Angeklagten ihn zurückgelassen und damit seinem Schicksal überlassen?

Als er seinen Sohn am 12. September gegen 08:30 Uhr nicht in seinem Zimmer gefunden hatte, habe er sich noch nichts dabei gedacht. Er sei davon ausgegangen, dass Moritz bei einem Freund übernachtet habe. Gegen 09:00 Uhr habe er seinem Sohn dann eine Nachricht geschrieben ob alles okay sei. Erst als diese Nachricht über Stunden nicht zugestellt geschweige denn beantwortet wurde, habe er angefangen sich Sorgen zu machen.

Moritz G. habe Diabetes gehabt, habe deshalb seine Grenzen in Bezug auf Alkohol genau gekannt. Dass bei ihm mehr als zwei Promille und Spuren von Drogen festgestellt wurden, sei seinen Eltern bis heute ein Rätsel. Das unterstrich auch die Freundin des Verstorbenen. Das passe ganz und gar nicht. Auch ihre Aussage war hochemotional. Sie berichtete davon, wie sie am Tag danach mit dem Angeklagten Richard G. nach Moritz in Weiden gesucht habe. Dass sie bei einer Shisha-Bar und am Wasser nach ihm gesucht hätten. Am Flutkanal hätten sie nicht gesucht. Richard habe gesagt, da könne Moritz gar nicht sein. Nachfragen ihrerseits was in der Nacht genau passiert sei, hätte Richard G. nicht beantworten können. Er könne sich an nichts mehr erinnern.

Nicht nur die Zeugenaussagen waren heute sehr emotional, auch zwischen Gericht und Verteidigung, sowie zwischen Verteidigung und Staatsanwaltschaft wurde der Ton heute mehrfach lauter und rauer. Verteidiger Rechtsanwalt Andre Miegel forderte den Oberstaatsanwalt Voit auszutauschen. Das wurde vom Gericht zurückgewiesen. Bereits zu Beginn des Prozesstages hatte Miegel einen Ablehnungsgesuch gegen Richter Matthias Bauer gestellt. Weil seine Unvoreingenommenheit in den Augen der Verteidigung nicht gegeben sei. Die Entscheidung darüber wurde zurückgestellt.

(ac)