Weiden: Querdenker demonstrieren gegen Corona-Maßnahmen

Corona-Skeptiker und Masken-Verweigerer. Bei der Großdemonstration in Weiden kamen rund 900 „Querdenker“ zusammen – und das aus ganz Deutschland. Gegenwind gab es auf der Straße und im Netz.

Die Corona-Ampel steht in Weiden nach wie vor auf dunkelrot – mit einem aktuellen Inzidenzwert von über 200 ist die Stadt weiterhin einer der Corona-Hotspots schlechthin in ganz Bayern. Auch am Wochenende lag der Wert schon bei um die 170. Die seit Wochen geplante und heftig kritisierte Corona-Demo wurde jedoch nicht abgesagt. Eröffnet wurde die Demo der Querdenker-Gruppen am Samstagmittag mit einem Bus-, Auto- und Fahrradcorso. Vom Weidener Festplatz aus ging es in Kolonne einmal um die Stadt herum. Polizeibeamte waren überall stationiert, um das Geschehen zu kontrollieren. Anschließend fanden sich die Querdenker wieder am Festplatz zusammen. Pünktlich um 14 Uhr hat dann die eigentliche Kundgebung begonnen – und hierbei wurde kein Blatt vor den Mund genommen. Masken übrigens auch kaum.

Harte Kritik an Maßnahmen und Politiker
Zur Demo angemeldet wurden 200 Menschen. Letztendlich waren es jedoch mehr als viermal so viele Menschen – etwa 900. Und dabei kamen nicht nur Querdenker aus der Region zusammen, sondern aus ganz Deutschland. Beispielsweise aus Berlin, Ulm, Ravensburg, Stuttgart, Fürth, Erlangen, Regensburg, München.
Und sie alle haben eins gemeinsam: Sie wollen die Corona-Maßnahmen der Regierung nicht akzeptieren.
Hart kritisiert wurde unter anderem Bayerns Ministerpräsident Markus Söder. Helmut Bauer, Mitorganisator der Demonstration, bezeichnete Söder als „Märchenprinz wie er im Bilderbuch steht“ und als „unwürdig“ den Posten eines Ministerpräsidenten innezuhaben. Insgesamt seien die Maßnahmen sowohl der bayerischen als auch der bundesweiten Regierung reine Freiheitsberaubung, was auch Querdenker-Gründer Michael Ballweg aus Stuttgart betonte. Er war bei der „friedlichen“ Demo am Samstag der wohl „prominenteste“ Sprecher in diesen Kreisen. Die Corona-Pandemie wurde zudem als „Plan“-Demie bezeichnet.

Gegenwind aus dem Internet
Heftigen Gegenwind gab es von Maßnahmen-Befürwortern, etwa aus den Reihen der Weidener Kommunalpolitik. Vor allem Stadtratsmitglied Ali Daniel Zant (Die Linke) äußerte sein Unverständnis. Für ihn sei es ein Skandal, dass die Demo nicht abgesagt werden konnte. Rechtlich konnte die Demo jedoch nicht verhindert werden – so die Antwort von Oberbürgermeister Jens Meyer.

Auch im Netz wurde klare Kante gezeigt. Und zwar unter dem Motto #wirzeigenmaske – organisiert vom Oberpfälzer Bündnis für Menschenrecht und Toleranz. Sprecher des Bündnisses, Hans Lauterbach bezeichnet die Querdenker als albern und eine Schande. Natürlich habe jeder ein Recht auf Demonstration. Aber die Querdenker-Gruppierung würde in seinen Augen zu weit gehen. Am schärfsten kritisierte Lauterbach den von den Querdenkern geplanten Fackelmarsch. Fackelmärsche würde man aus einem ganz anderen historischen Zusammenhang kennen – die Querdenker würden sich damit nur selbst feiern wollen.

In den Augen der Querdenker war der Fackelmarsch ab 19:30 Uhr stattdessen der Höhepunkt der stundenlangen Demo. Gemeinsam zogen etwa 250 übriggebliebene Querdenker in die Stadt zu einer Abschlusskundgebung – in diesem Fall sogar überwiegend mit Maske.

Helmut Bauer von der Querdenker-Gruppe Weiden stellte hinterher klar: Den Fackelmarsch in die Weidener Innenstadt habe die Weidener Gruppierung nicht organisiert.
Er habe mit seinem Querdenker-Team ausschließlich die Kundgebung am neuen Festplatz organisiert. Diese sei gegen 19:30 Uhr am Samstagabend beendet gewesen.

(cg)