Weiden/Grafenwöhr: Weiteres Urteil im „Rio-Prozess“

Mit einem Schuldspruch ist vor der Ersten Strafkammer des Weidener Landgerichts ein zweiter Prozess im sogenannten Fall „Rio“ zu Ende gegangen. Der zweite von vier Haupttätern, ein 55-jähriger Familienvater aus der Ukraine, wurde zu sieben Jahren und sechs Monaten Gefängnis wegen schweren Raubs, gefährlicher Körperverletzung und schweren Diebstahls verurteilt.

Er hatte nach einer Prozessabsprache gestanden, am 11. April 2016 mit einer Verbrecherbande die ehemaligen Betreiber des Lokals „Rio“ in dessen Wohnung in Grafenwöhr überfallen und ausgeraucht zu haben. Das damals 89 und 80 Jahre alte Paar ist dabei brutal niedergeschlagen, gefesselt, ausgeraubt und hilflos liegengelassen worden. „Es war nur Zufall und Glück, dass die beiden nicht gestorben sind“, ergab die Beweisaufnahme. Nach Angaben der Opfer sind bei dem Überfall rund 70 000 Euro Ersparnisse erbeutet worden.

Mitangeklagt war ein Einbruch in eine Zahnarztpraxis bei Rosenheim.

Das Urteil entsprach genau dem Antrag von Oberstaatsanwalt Peter Frischholz. Eingearbeitet ist darin eine Vorgabe des Bundesgerichtshofes und des Europäischen Gerichtshofes. Die schreiben quasi eine Art „Strafrabatt“ für in mehreren Ländern Europas Verurteilte vor, da eine Gesamtstrafenbildung über Landesgrenzen hinweg nicht möglich ist. Im Fall des Ukrainers ist eine Verurteilung in Österreich berücksichtigt worden. Dort hatte der Wiederholungstäter eine Strafe von viereinhalb Jahren wegen Raubs abzusitzen. Ohne diesen „Rabatt“ hätte der Oberstaatsanwalt 9 Jahre und zehn Monate Gefängnis für den Ukrainer gefordert.

Dessen Verteidiger, Rechtsanwalt Wolfgang Müller aus Regensburg dagegen hielt eine Strafe von sieben Jahren für tat- und schuldangemessen. Sein Mandant habe aus einer wirtschaftlichen Notlage heraus gehandelt und durch sein frühes Geständnis zur Aufklärung der Tat beigetragen. Dennoch wollen Verteidigung und Angeklagter das Urteil akzeptieren, so dass keine Revisionsanträge zu erwarten sind.

Die beiden noch verbleibenden Haupttäter des Raubüberfalls, die durch DNA-Spuren bereits identifiziert sind, sind noch flüchtig. (gb)