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Weiden: Waffe gegen Polizist gerichtet – 2. Verhandlungstag

„Ich habe das Gefühl, verrückt zu werden.“: Das sagte heute der betroffene Polizist vor dem Schwurgericht am Landgericht Weiden aus. Dort steht derzeit der 59-jährige Klaus E. wegen versuchten Totschlags vor der 1. großen Strafkammer. Er soll im August vergangenen Jahres eine Waffe auf den Polizisten gerichtet haben.

Der Polizist sei damals zu einem Streit nach Waldershof gerufen worden. Er habe beim Eintreffen seinen Holster geöffnet, um im Notfall schnell an seine Waffe zu kommen. So habe er das Anwesen betreten. Klaus E. sei zunächst sehr ruhig gewesen, habe ihm dann aber völlig unvermittelt die Waffe entrissen und auf ihn gezielt. An viel könne er sich nicht erinnern.

Nur an den Lauf der Waffe vor seinem Gesicht und den komischen Gesichtsausdruck von Klaus E.. Und an das Klicken. Insgesamt viermal hörte er es. Klaus E. habe den Abzug der Dienstwaffe viermal getätigt, da ist sich der Polizist sicher. Nur habe er die Sicherung nicht lösen können. Nur deshalb sei er noch am Leben.

Zwar sei er wieder im Dienst. Aber auch in psychologischer Behandlung. Er stehe seither neben sich, könne nicht mehr lachen, nicht mehr schlafen. Und vor allem mache er sich selbst Vorwürfe. Er frage sich immer und immer wieder, ob er seine Waffe nicht besser hätte sicher können. Immer wieder überlege er, wie das überhaupt passieren habe können. Eine Entschuldigung von Klaus E. heute nahm der Polizist nicht an. Er sagte, er könne das nicht, da er seit dem Vorfall solch große Probleme habe. Er könne Klaus E. nicht verzeihen.

Am ersten Verhandlungstag sagte der Beschuldigte selbst, dass es ihm sehr leid tue. Er könne es nicht glauben, dass er es gewesen sei, der das gemacht haben soll. Er sei mit vielen Polizisten befreundet.

Des Weiteren äußerte er, dass er Selbstmordgedanken gehabt habe und das Gefühl habe, schizophren zu sein. An die Tat selbst könne er sich nicht erinnern. Auch seine Frau und sein Sohn hätten nur eine vage Erinnerung.

Ein Gutachter beobachtet den ganzen Prozess. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Beschuldigte erheblich beeinträchtigt in seiner Steuerungsfähigkeit war. Er selbst sagte am ersten Prozesstag, dass er viele Medikamente nehmen müsse und seither immer wieder Halluzinationen habe. Unter anderem habe er zeitweise geglaubt, ein Kind überfahren zu haben. (eg)