Weigendorf/Oed: Ein Kräuterstrauß zu Mariä Himmelfahrt

Drei, sieben, neun oder gar 99 Kräuter für die heilige Maria: Es ist ein katholischer Brauch, zu Mariä Himmelfahrt am 15. August einen Strauß aus Kräutern zu binden. Die Pflanzen sollen an die Grabesöffnung Marias erinnern, als die Jünger anstelle eines Leichnams Blumen und Kräuter im Grab fanden. Am Feiertag wird der Strauß dann in der Kirche gesegnet. Wie Sie Ihr eigenes Kräuterbüschel für die Kräuterweihe binden können, das haben wir uns von einer zertifizierten Kräuterführerin zeigen lassen.

Gabriele Leonie Bräutigam betreibt ein Ferienhaus im Weigendorfer Ortsteil Oed. In dem idyllisch abgelegenen Fleckchen im Landkreis Amberg-Sulzbach hat sie eine alte Mühle – die Oedmühle - wieder hergerichtet und bietet dort Kräuterführungen und Kochkurse an. Die Kräuterführerin hat drei Bücher über Wildpflanzen und Heilkräuter veröffentlicht und teilt auf ihrem Blog www.herbalista.eu Wissenswertes rund um die heimische Kräuterwelt.

Auf einer blühenden Wiese in der Nähe der Oedmühle findet die Kräuterführerin genau, was sie braucht, um einen Kräuterstrauß zu Mariä Himmelfahrt zu binden. Das Kräuterbüschel besteht traditionell aus Heilpflanzen in einer „magischen“ Zahl. Also zum Beispiel drei für die heilige Dreieinigkeit, sieben für die sieben Sakramente oder auch zwölf für die zwölf Apostel. Theoretisch ist auch ein vielfaches dieser Zahlen möglich. Gabriele Bräutigam hat sich dafür entschieden, aus sieben Oberpfälzer Pflanzen einen Strauß zusammenstellen.

In der Mitte stets eine Rose und Königskerze
In der Mitte des Büschels solle stets eine Rose für die heilige Maria sowie eine Königskerze stehen. Darum scharen sich dann verschiedene Heilkräuter. Das erste im Bunde: Der Beifuß, eine alte Heil- und Raucherpflanze. Dazu kommt für den Bund der Kräuterführerin etwas vom rosa blühenden Dost – dem heimischen Oregano, wie Gabriele Bräutigam sagt.

Schon Hildegard von Bingen hat aus dem Dost einen heilenden Wein gegen Husten hergestellt. Es ist bei uns weit verbreitet und wirke außerdem verdauungsfördernd. Gerne werde es heutzutage auch als Pizzagewürz verwendet.

Kraut Nummer vier: Die Schafgarbe. Sie wirkt entzündungshemmend und ist ein Hausmittel bei Magen- und Darm Problemen, eignet sich aber auch für die äußerliche Anwendung, zum Beispiel bei kleinen Schnittverletzungen. Besucher bei Kräuterwanderungen erzählten Gabriele Bräutigam hin und wieder, dass sie als Kinder Schafgarbe gesammelt und den Amerikanern gebracht hätten, um sich damit Geld zu verdienen. Auch bei Pickeln helfe das Kraut, fügt Gabriele Bräutigam hinzu.

Das nächste Kraut, das Johanniskraut, ist heuer schon fast verblüht. Es sei ein Klassiker der Naturheilkunde. Die Pflanze mit den gelben Blüten soll bei Winterdepression helfen, sie wirkt nämlich photosensibilisierend. Im Sommer sollte man sie deshalb aber nicht verwenden, da sie sonst die Haut empfindlicher für die Sonne macht.

Für die vorletzte Pflanze braucht man am besten Handschuhe: Die Weberkarde ist nämlich stachelig. Sie kann gegen Borreliose helfen – aber nicht den Besuch beim Arzt ersetzen, warnt Gabriele Bräutigam. Die Weberkarde sei kein Mittel, um Borreliose zu heilen, aber sie könne Borrelien vergrämen, die Bakterien also in Schach halten.

Segnung am Feiertag
Nachdem auch die letzte Pflanze, die schwarze Königskerze, dem Strauß hinzugefügt wurde, ist der Kräuterbüschel komplett. Bis zum Feiertag am Samstag hebt Gabriele Bräutigam ihn an einem kühlen Ort in einer Vase auf. An Mariä Himmelfahrt kann er dann im Gottesdienst gesegnet werden. Anschließend wird der Kräuterstrauß aufgehängt und getrocknet. Gabriele Bräutigam hebt auch die Sträuße vergangener Jahre auf und kann so immer sehen, was zu Mariä Himmelfahrt in der Naturapotheke gerade zu finden war.

(az)