Weihnachtsbräuche: Von Christbaumloben zu Spanischer Weihnachtslotterie

Weihnachten wird überall gleich gefeiert? Nein, denn selbst in Deutschland gibt es deftige Unterschiede, was schon ein Blick auf die Weihnachtsmärkte beweist. Während in NRW die Märkte spätestens Mitte November öffnen, ziehen Bayern, Berlin, aber auch Rheinland-Pfalz erst Ende November nach. Doch auch in anderen Ländern herrschen eigene Regeln und Bräuche, wie die Weihnachtslotterie in Spanien oder den wichtigen Nikolaustag in den Niederlanden.

Weihnachtsbräuche in der Oberpfalz

Vom Frauentragen zum Christbaumloben – in der Oberpfalz gibt es noch etliche Bräuche, die auch heute teilweise noch bekannt sind. Einige Bräuche sind jedoch oft abgewandelt und finden auch nicht mehr am klassischen Tag statt. Ein Überblick:

  • Frauentragen – dieser Brauch stammt aus dem 19. Jahrhundert und wird heute überwiegend noch in Nittenau, Hohenfels und in Amberg gelebt. Beim Frauentragen wird eine Marienfigur oder ein Marienbild von Tür zu Tür getragen, um in einer Familie ein Heim in der Krippe zu finden.
  • Christmette – sie ist kein rein oberpfälzischer Brauch, doch wird die Mitternachtsmesse in der Region besonders häufig besucht.
  • Baumsegnung – Bauern, aber auch Privatpersonen, gehen am 24. abends hinaus in den Garten und segnen einen Obstbaum. Hierbei werden die Worte »Baum wach‹ und trag‹, morgen ist der heilige Tag« gesprochen.
  • Ausräuchern – die Heilige Nacht gehört zu den Raunächten, in denen stets mit finsteren Mächten gerechnet werden muss. Stuben, Stall und Hof werden daher ausgeräuchert.
  • Christbaumloben – ursprünglich wurde der Brauch am 24.12. abgehalten, in den letzten Jahren kann er aber auch am letzten Advent stattfinden. Beim Christbaumloben geht man von Tür zu Tür von Freunden, Nachbarn und Bekannten und lobt überschwänglich deren Christbaum. Als Dank für das große Lob erhalten die Lobenden ein Glas Schnaps oder Likör. Häufig schließt sich der bereits Gelobte nun an und geht mit zur nächsten Tür. Das Christbaumloben wird demnach schnell zu einer lustigen und nicht nüchternen Angelegenheit.

Weihnachtsbräuche im europäischen Ausland

Und wie sieht es mit Weihnachten im Ausland aus? Da gibt es durchaus etliche Alternativen zum deutschen Weihnachten:

  • Niederlande – in den Niederlanden spielt der 24.12. kaum eine Bedeutung, denn hier wird zwar in die Kirche gegangen und mit der Familie gegessen, Geschenke gibt es jedoch kaum. Die Niederländer feiern dafür den Sinterklaasavond, also den Nikolaustag – und zwar am 5. Dezember. Der Nikolaus gilt zugleich als Schutzpatron der Seefahrer und reitet dem Glauben nach von Spanien aus zu den Hafenstädten. Kinder stellen am letzten Novemberwochenende bereits Stiefel auf und legen einen Wunschzettel hinein.
  • Spanien – in Spanien darf gesagt werden, dass einer der wichtigsten Weihnachtstermine wohl der 22.12. ist. Viele Spanier sitzen nun dauerhaft vorm TV und schauen sich die Ziehung der Weihnachtslotterie an, denn in der mehrstündigen Sendung wird irgendwann »El Gordo«, der Hauptgewinn gezogen. Wer sich näher dafür interessiert, kann umfangreiche Infos zur Weihnachtslotterie hier finden. Am 24. sitzt die ganze Familie zusammen und isst ein gemeinsames Essen. Nach dem Essen wird die Urne des Schicksals auf den Tisch gestellt. In ihr befinden sich kleine Geschenke und Nieten und jeder zieht so lange, bis er ein Geschenk hat. Die Bescherung hingegen findet erst am 6. Januar statt.
  • Skandinavien – Weihnachten ist das wichtigste Fest in Skandinavien, doch wird hier nicht allein Weihnachten ins Julfest integriert, sondern die Wintersonnenwendzeit. Der erste Höhepunkt der Zeit ist der 13. Dezember, das Lucia-Fest. Sie gilt als die Lichterkönigin. Übrigens werden die Geschenke an Heiligabend von den Kobolden Tamte, Nisse und Tomtebisse gebracht.
  • Großbritannien – die Briten feiern Weihnachten erst am 25. Dezember, was auch der einzige Feiertag ist. Traditionell werden hingegen am 26.12. alle Leute beschenkt, die das öffentliche Leben erhalten – Briefträger, Müllarbeiter, Busfahrer. Ein Pflichttermin, den sich alle Briten fest in den Kalender eintragen, ist der 25.12., 15:00 Uhr, denn da findet die Fernsehansprache der Queen statt. Ansonsten ist für die Briten noch ein Highlight mit Weihnachten verbunden: Die BBC dreht bei erfolgreichen Serien häufig ein Weihnachtsspecial.

Zudem gibt es für fast alle Länder noch spezielle Traditionen, die von Region zu Region unterschiedlich sind.

Weihnachtsbräuche in Deutschland

Von vielen Menschen wird Weihnachten mit einem uralten Fest gleichgesetzt, das seit Ewigkeiten etabliert ist und dessen Bräuche ebenso lange in Stein gemeißelt sind. Doch stimmt das nicht. Etliche heutige Weihnachtsbräuche kamen erst im Mittelalter auf und selbst der 25.12. wurde erst von Rom zum Weihnachtstag ernannt – indem das Geburtsdatum des Sonnengottes Mithras in die Geburt Jesu geändert wurde. Und sonst? Ein Überblick:

  • Weihnachtsbaum – im Mittelalter bestand der Baum noch aus Mistel-, Tannen- und Eibenzweigen und galt als Hoffnungsbringer und Vertreiber böser Geister. 1419 wurde der erste Weihnachtsbaum in Freiburg aufgestellt, danach gab es weitere Weihnachtsbäume, die wie der Maibaum im Freien standen. Ab 1800 zog der Christbaum ins Wohnzimmer ein – und hing von der Decke.
  • Christkind – dieses geht auf Martin Luther zurück, der ein Äquivalent zum Heiligen Nikolaus suchte. Mittlerweile ist es vom Weihnachtsmann ersetzt worden.
  • Weihnachtsmann – er ist sehr jung und eigentlich weiß niemand, warum er auftauchte. Sehr wahrscheinlich ist aber, dass die Ursprünge auf Schokofiguren, Coca Cola und die USA zurückzuführen sind.
  • Weihnachtsmärkte – sie sind übrigens bereits im Mittelalter bekannt gewesen, während das Festessen zu Hause erst vor rund 150 Jahren eingeführt wurde. Das Weihnachtsfest zu Hause wurde erst gefeiert, als die Aufklärung öffentliche Umzüge verboten hatte.

Die Tradition des Festessens am Heiligen Abend hat sich in rund 36 Prozent der deutschen Haushalte nicht halten können. Ein Großteil der Deutschen isst nämlich klassisch Kartoffelsalat und Würstchen. Immerhin essen 27 Prozent Geflügel.

Abbildung 2: Ein schöner Weihnachtsbaum ist in vielen Ländern ein Muss.

Fazit – es gibt nicht das eine Weihnachten

Wer glaubt, dass das Weihnachten, wie man es selbst lebt, ganz normal ist, braucht teilweise nur in ein anderes Bundesland zu gehen. Kaum jemand in Bayern wird die Bergparaden des Erzgebirges oder die Mettenschicht kennen, so wie auch kaum jemand in Deutschland am Feiertag die Weihnachtsansprache eines Politikers anschauen würde. Dennoch hat ein Großteil Europas eine Gemeinsamkeit: Dort, wo die spanische Lotterie gespielt werden kann, hofft am 22.12. wohl jeder auf »den Dicken«.

Bildquellen:

Abbildung 1 (Titelbild): @ stux (CC0-Lizenz) / pixabay.com

Abbildung 2: @ Free-Photos (CC0-Lizenz) / pixabay.com

 

(exb)