Weinanbaugebiete in Deutschland: große Vielfalt für Genießer

In vino veritas – im Wein liegt Wahrheit ist ein verbreitetes Zitat, das viele kennen. Zugeschrieben wird er dem Griechen Alkaios von Lesbos. Er ist aber längst nicht der einzige Hinweis darauf, dass bereits früher bekannt war, welche Wirkung Wein haben kann. Getrunken wird Wein bereits seit der Antike. Erste Zeugnisse, welche einen Anbau bzw. eine Kultivierung von Weinreben belegen, stammen aus der Jungsteinzeit. Seinen Ursprung hat der Weinbau in einem Gebiet, welches das heutige Georgien und die Türkei umfasst. Von hier aus verbreitete sich der Weinbau im Mittelmeerraum und zwar Richtung Mittelmeerküste (Levante) Richtung Ägypten und über die griechischen Inseln weiter nach Griechenland.

Mit den griechischen Kolonnisten und Phöniziern kam der Weinbau auch in das westliche Mittelmeer. Angebaut wurde Wein bereits vor Christi Geburt in Südfrankreich. Mit den Feldzügen der römischen Legionen kam der Wein schließlich nach Mitteleuropa und Deutschland. Die Römer führten den Weinbau an Mosel und Rhein ein. Rechtsrheinisch wird Weinbau im 6. Jahrhundert und 7. Jahrhundert erwähnt. Im 16. Jahrhundert erreichte der Weinbau seine größte Ausdehnung. Anbaugebiete reichten bis Doberan oder ins damalige Preußen und Schlesien. Der Grund: In dieser Zeit war das Klima milder. Heute konzentriert sich der Weinbau auf Rhein, Mosel und Ahr. Laut Bundesverband der Deutschen Spirituosen-Industrie und -Importeure (BSI) trinkt jeder Deutsche im Jahr rund 20 Liter Wein.

Mosel: Wein aus Rheinland-Pfalz und Saarland

Das Weinbaugebiet Mosel zählt zu den in § 3 Weingesetz besonders gewürdigten deutschen Anbaugebieten. Bis 2006 als Mosel-Saar-Ruwer bekannt, umfasst es eine Fläche von circa 8.600 Hektar. Was das Weinbaugebiet als solches besonders macht, ist zum einen die lange Tradition und auf der anderen Seite die Tatsache, dass im Bereich der Mosel einige der teuersten landwirtschaftlich genutzten Flächen liegen.

Ein Beispiel hierfür ist Bernkasteler Doctor. Gelegen oberhalb Bernkastel-Kues, zeichnet sich die Steillage durch den Boden und die besonderen mikroklimatischen Bedingungen aus. Winzer, welche Wein auf dem Bernkasteler Doctor anbauen wollen, müssen tief in die Tasche greifen. Mit 3,25 Hektar eigentlich eine überschaubare Einzellage, liegt der Pachtzins bei bis zu acht Euro.

Die Pachtverträge für die Lage werden regelmäßig neu ausgeschrieben. Ein Ereignis, das auch in den regionalen Medien, wie dem Trierischer Volksfreund, ein entsprechendes Echo findet. Trier ist übrigens eine der ältesten Gründungen der Römer auf deutschem Boden (Augusta Treverorum) und damit auch einer der ältesten Weinorte.

Die Rebsorten des Weinbaugebiets Mosel

Im Weinbaugebiet Mosel dominieren ganz klar die weißen Rebsorten. Hierzu gehören:

  • Riesling
  • Müller-Thurgau/Rivaner
  • Elbling.

Alle drei machen zusammen etwa 80 Prozent der Anbaufläche aus. Rotweine sind für die Region Mosel eher von untergeordneter Bedeutung. Angebaut werden auf den Rebflächen unter anderem:

  • Spätburgunder/Pinot Noir
  • Dornfelder
  • Regent.

Diese drei Rebsorten erreichen im Weinbaugebiet Mosel rund acht Prozent Anbaufläche.

Weinbaugebiet Mosel: Bekannte Winzer

Entlang der Mosel wird Wein seit Jahrhunderten angebaut. Es verwundert daher nicht, dass einige Winzer nicht nur regional und in Deutschland bekannt sind, sondern auch internationalen Ruhm unter den Weinliebhabern erreicht haben.

  • Weingut Schloss Lieser: Das Weingut und dessen Winzer Thomas Haag haben in der Vergangenheit Besonderes erreicht. 2015 zum Winzer des Jahres gekürt, gehört der Winzer auch im Gault Millau zur Spitze. Seit 2016 ist Haag einer der beiden Pächter, die in den kommenden Jahren Wein auf der Einzellage Bernkasteler Doctor anbauen kann.
  • Phillips-Eckstein: Das zwischen Bernkastel und Traben-Trarbach Weingut bewirtschaftet mehrere Hektar in verschiedenen Lagen – darunter den Graacher Domprobst oder den Abtsberg. 2007 wurde das Weingut zum DLG Winzer des Jahres Bereich Mosel.

Rheinhessen: Deutschlands größtes Weinbaugebiet

Rheinhessen ist mit über 26.000 Hektar Anbaufläche das größte der deutschen Weinbaugebiete. Mehrere tausend Winzer produzieren jedes Jahr einige Millionen Hektoliter Wein. Circa zwei Drittel der bestockten Rebfläche entfallen auf helle Traubensorten. Angebaut werden unter anderem der in Deutschland verbreitete Riesling sowie Müller-Thurgau und Silvaner sowie Grauburgunder. Zusammen machen diese vier Rebsorten etwa 45 Prozent der Anbaufläche aus.

Bei den roten Rebsorten rückt Dornfelder mit mehr als 13 Prozent auf Platz 3 vor. Auf Spätburgunder und Blauen Portugieser entfallen jeweils etwa fünf Prozent Rebfläche. Das Anbaugebiet Rheinhessen umfasst insgesamt zwei Dutzend Großlagen, die sich in mehrere hundert Einzellagen aufgliedern.

Bekannte Großlagen des Weinbaugebiets Rheinhessen:

  • Sankt Rochuskapelle
  • Kaiserpfalz
  • Sankt Alban
  • Petersberg

Seit 2008 gehört Rheinhessen zu den Great Wine Capitals und steht damit auf einer Stufe mit dem Bordeaux oder Napa Valley.

Weinbaugebiet Rheinhessen: Bekannte Winzer

Rheinhessen hat einige bekannte Weingüter und Winzer hervorgebracht, deren Weine in der Vergangenheit auch international Beachtung fanden, wie:

  • Weingut Erich und Eric Manz – DLG Winzer des Jahres 2015 und Träger von drei Trauben des Gault Millau. Weine der Winzer sind mehrfach prämiert.
  • Weingut Kurt Erbeldinger & Sohn – Weingut aus dem Wonnegau, das sich seit drei Generationen für Qualität im Weinbau einsetzt. Baut einige sehr hochwertige Weine an.

Weinbau in der Pfalz

Das Weinbaugebiet Pfalz hieß bis in die frühen 1990er Jahre noch Rheinpfalz. Wie Rheinhessen umfasst die Rebfläche mehr als 23.000 Hektar. Insgesamt ist die Pfalz allerdings etwas kleiner und damit flächenmäßig Nummer 2 unter den deutschen Weinbaugebieten.

In der Hauptsache werden in der Pfalz (ehemals Rheinpfalz) Weißweine angebaut. Allerdings ist das Verhältnis nicht ganz so deutlich wie in anderen Regionen. Rotweine machen immerhin etwa zwei Fünftel der Fläche aus.

Bei den Weißweinen sind es besonders Riesling, Müller-Thurgau und Silvaner. Eine weitere in der Pfalz sehr verbreitete Sorte ist Kerner. Bei den Rotweinen werden:

  • Blauer Portugieser
  • Dornfelder
  • Spätburgunder/Pinot Noir

angebaut.

Weinbaugebiet Pfalz: Bekannte Winzer

Die Pfalz zählt zu den größten deutschen Weinbaugebieten. Es verwundert daher nicht, dass auch einige der großen deutschen Winzer hier ihre Heimat gefunden haben.

  • Vier Jahreszeiten Winzer: Die Winzergenossenschaft aus Bad Dürkheim hat in den letzten Jahren durch Qualität auf sich aufmerksam gemacht. Eine Tatsache, die sich auch in diversen Auszeichnungen niederschlägt. So gehört Vier Jahreszeiten laut DLG zu den Top 100 (Platz 2) der Weinerzeuger 2017 in Deutschland. Zudem wurde die Genossenschaft mit dem 24. DLG Bundesehrenpreis ausgezeichnet.
  • Weingut Darting: Das Weingut steht für Tradition. Dessen Wurzeln reichen bis ins späte 18. Jahrhundert zurück. Honoriert wurde die Arbeit in den letzten Jahren mit Staats- und Bundesehrenpreisen.

Weinbaugebiet Oberpfalz: Eines der kleinsten Weinbaugebiete

Oberpfalz und Pfalz/Rheinpfalz haben eine historische Verbindung, die Zugehörigkeit zu Bayern (bis 1946). Die Oberpfalz und Pfalz teilen aber noch eine Gemeinsamkeit: Bei beiden handelt es sich um Weinbaugebiete. Allerdings sind die Unterschiede hinsichtlich der Größe beachtlich. Während die Pfalz zu den größten Anbaugebieten gehört, platziert sich die Oberpfalz genau am anderen Ende der Skala.

Seit dem 6./7. Jahrhundert wird in den Südlagen der Donau Wein angebaut. Derzeit umfasst das Weinbaugebiet in der Oberpfalz einige Hektar Anbaufläche, die sich in der Region um Regensburg entlang der Donau erstrecken.

Vornehmlich produzieren die Winzer Weißweine– im Besonderen den Müller-Thurgau sowie Elbling und Bacchus. Bei den roten Rebsorten, die in den kleinen Anbaugebieten eine Minderheit darstellen, dominieren Dornfelder, Domina (Züchtung aus Blauer Portugieser und Spätburgunder) sowie Regent.

Bild: Auch der Spätburgunder und der Dornfelder sind sehr beliebte Weine in Deutschland. Quelle: @ magicbeam – 124131935 / Fotolia.com

Fazit: Weinbau hat in Deutschland Tradition

Deutschland ist eine Nation der Biertrinker, zumindest im Hinblick auf den absoluten Konsum. Allerdings hat auch der Weinbau eine sehr lange Tradition, die bereits Jahrhunderte zurückreicht. Wesentlich gehen die Impulse auf die Römerzeit zurück. Neben den großen Weinbaugebieten Rheinhessen und Pfalz sind es aber auch die kleinen Anbaugebiete, wie die Oberpfalz oder das Meißner Elbtal und die Saale-Unstrut Region, welche den Charakter deutscher Weine abrunden.

 

Titelbild: Weinanbau in Deutschland hat lange Tradition – einige der berühmtesten Rieslinge stammen aus Deutschland. Quelle: @ Jürgen Fälchle – 177140216 / Fotolia.com

(exb)