Wichtige Tipps rund um den Autokauf und die neue Kfz-Steuer

Nach dem Einbruch auf dem Kfz-Markt im Coronajahr 2020 steigen die Zulassungszahlen wieder an. Doch Autofahren ist teurer geworden. Grund ist das neue Berechnungsmodell der Kfz-Steuer. Autokäufer sollten deshalb genauer hinsehen.

Die Corona-Pandemie hat dem Automarkt schwer zugesetzt. Nach Angaben des Kraftfahrzeugbundesamts wurden 2020 knapp 20 Prozent weniger Pkw zugelassen als noch im Jahr davor. In Bayern wurden mit 707 544 Kraftfahrzeugen 18,2 Prozent weniger als im Vorjahr zugelassen. Doch es geht offenbar wieder aufwärts. Bereits gegen Ende des Corona-Jahres, im Dezember, kletterten die Zulassungszahlen, wie aus einer Statistik des Kraftfahrt-Bundesamts ersichtlich ist. Als möglicher Grund für den Anstieg wird die Mehrwertsteuersenkung genannt.

E-Fahrzeuge und Hybride auf dem Vormarsch

Der Trend scheint sich zu stabilisieren: Im Mai 2021 wurden in Deutschland bereits 37,2 Prozent mehr Pkw zugelassen als noch im Mai 2020. Der Anteil der privaten Zulassungen beträgt 33,7 Prozent. Die Gewinner des Jahres 2020, das wegen der Pandemie als ein historisches Tief in die Geschichte der Autobranche eingeht, sind Elektro- oder Hybridfahrzeuge. Die Anzahl der Neuzulassungen betrug 6,7 Prozent (2019 waren es 1,8 Prozent), die Anzahl von Hybridfahrzeugen wuchs um 18,1 Prozent. Dieser Trend ist auch in der Oberpfalz zu beobachten, teilen die Stadtwerke Weiden mit, die gern weitere Ladestationen in der Region einrichten möchte. Bis zum heutigen Zeitpunkt sind es vier Stromzapfstellen, an denen E-Autobesitzer in der oberpfälzischen Stadt ihre Fahrzeuge aufladen können.

CO2-Prüfwert fließt stärker in die Steuerberechnung ein

Seit Oktober 2020, mit Änderung der Kfz-Steuer, will die Bundesregierung den Anreiz, auf emissionsarme Autos umzusteigen, noch einmal erhöhen. Diese Maßnahme ist ein Baustein des Klimaschutzprogramms 2030. Zur Berechnung der Pkw-Steuer dienen Hubraum und CO2-Prüfwert, wobei der Wert des Kohlendioxidausstoßes stärker in die Berechnung einfließt. Je höher also der CO2-Wert, desto mehr Steuern müssen abgeführt werden. Kein Wunder, dass Autobesitzer jeden Steuerspartipp dankend annehmen. Wer sich zum Beispiel ein emissionsarmes Fahrzeug mit Verbrennungsmotor (Kohlendioxyd-Wert bis 95 Gramm/Kilometer) anschafft, wird außerdem mit einem Betrag von 30 Euro pro Jahr belohnt, und das für fünf Jahre. Voraussetzung ist, dass das Fahrzeug im Zeitraum zwischen 12. Juni 2020 und 31. Dezember 2024 erstmalig zugelassen worden ist.

Fahrzeug umschlüsseln oder aufrüsten

Denkbar ist zum Beispiel, sein Fahrzeug umzurüsten oder umzuschlüsseln. Häufig ist es so, dass ältere Fahrzeuge zwar in die Abgaskategorie Euro 1 vom Hersteller eingeordnet worden sind, im Grunde aber die Kriterien für Abgasnorm Euro 2 erfüllen. Ob ein solches Fahrzeug umgeschlüsselt werden kann, wissen die entsprechenden Fahrzeughersteller und Vertragswerkstätten. Andere Möglichkeit, wenn die Abgasnorm tatsächlich Euro 1 oder schlechter entsprechen sollte: Nachrüstsätze wie Katalysatoren oder Rußpartikelfilter einbauen, um in eine günstigere Schadstoffgruppe wechseln zu können. Wer plant, ein Elektrofahrzeug anzuschaffen, um möglicherweise keine Kfz-Steuern zahlen zu müssen, sollte wissen, sollte wissen, dass nur reine Elektroautos von der Steuer befreit sind (sogenannte Null-Emissionsfahrzeuge) – aus diesem Grund werden sie auch speziell markiert. Zwar findet sich auch an reinen „Stromern“ der normale EU-Standard der Markierung in Form von Eurokennzeichen; diese enden bei Elektrofahrzeugen jedoch immer mit einem „E“ . Und Achtung: Nach Paragraf 3 des Kraftfahrtsteuergesetzes müssen die Fahrzeuge bis Ende 2025 erstmals zugelassen worden sein. E-Auto-Besitzer können die –im Übrigen auf einen neuen Besitzer übertragbare – Ersparnis längstens bis 31. Dezember 2030 in Anspruch nehmen.

Neue CO2-Steuersätze (hubraumbezogener Teil der Steuer bleibt bestehen, ebenso der Ausgleich für Diesel-Pkw):

Stufe 1: CO2-Prüfwert (g/km) über 95 bis 115 ergibt einen Steuersatz von 2 Euro g/km
Stufe 2: CO2-Prüfwert (g/km) über 115 bis 135 ergibt einen Steuersatz von 2,20 Euro g/km
Stufe 3: CO2-Prüfwert (g/km) über 135 bis 155 ergibt einen Steuersatz von 2,50 Euro g/km
Stufe 4: CO2-Prüfwert (g/km) über 155 bis 175 ergibt einen Steuersatz von 2,90 Euro g/km
Stufe 5: CO2-Prüfwert (g/km) über 175 bis 195 ergibt einen Steuersatz von 3,40 Euro g/km
Stufe 6: CO2-Prüfwert (g/km) über 195 ergibt einen Steuersatz von 4 Euro g/km

Preisverhandlungen können sinnvoll sein

Wenn die Betriebskosten für ein Fahrzeug steigen, gibt es einige Möglichkeiten, an anderer Stelle Kosten einzusparen. Das fängt beim Kredit an: Oft ist es ratsamer, auf einen meist kostenintensiveren Händlerkredit zu verzichten und stattdessen einen herkömmlichen Kredit in Anspruch zu nehmen. Preisverhandlungen können helfen, die Kaufsumme zu reduzieren. Auf diese Weise können die Steuererhöhungen zumindest indirekt eingespart werden. Ein Versuch ist es allemal wert. Doch nicht jedem liegen solche Diskussionen. Deshalb: Oft reduziert sich der Kaufpreis eines Pkw, wenn das Fahrzeug bar bezahlt wird. Immerhin können Nachlässe bis zu zehn Prozent des Kaufpreises ausgehandelt werden. Eine andere Möglichkeit, beim Autokauf zu sparen, sind Verhandlungen über kostenlose Zusatzleistungen. Lässt sich der Kaufpreis nicht drücken, kommt der Autohändler dem Käufer möglicherweise mit kostenlosen Wartungsarbeiten oder Inspektionen entgegen. Ganz wichtig: Kritisches Verhalten gegenüber Fahrzeugen, das jede Begeisterung fehlen lässt, könnte dafür sorgen, dass der Händler von sich aus an der Preisschraube dreht.

Augen auf beim Gebrauchtwagenkauf

Das neue Gebrauchtfahrzeug soll günstig, schick, mit toller Ausstattung und am besten noch mit dem Wunschkennzeichen versehen sein? Weil die neue Kfz-Steuer sowie die gestiegenen Preise für Kraftstoff die Kosten fürs Autofahren über das Jahr in vielen Fällen deutlich erhöhen, sollten Käufer besonders genau hinsehen. Besonders beim Gebrauchtwagenkauf können sich böse Überraschungen einstellen. Ziel sollte sein, den CO2-Ausstoß des neuen Fahrzeugs möglichst gering zu halten und beim Kauf darauf zu achten, in welcher Euroklasse das Fahrzeug eingeordnet ist. Generell gibt es – wie in jeder anderen Branche auch – schwarze Schafe unter den Autohändlern. Wenn zum Beispiel keine lückenlose Dokumentation vorliegt, TÜV-Berichte, Serviceheft oder AU-Bescheinigung fehlen oder nur lückenhaft ausgefüllt sind, ist Vorsicht geboten. Gleiches gilt, wenn das Fahrzeug schon häufig den Besitzer gewechselt hat. Das kann darauf hindeuten, dass mit dem Fahrzeug nicht alles in Ordnung ist. Bei einem Privatverkauf ist außerdem wichtig, ob es sich beim Verkäufer tatsächlich um den Eigentümer handelt. Folgende Faktoren können ebenfalls auf mangelnde Seriosität hinweisen:

  • Der Autoverkäufer übt Druck aus, sich schnell zum Kauf entscheiden zu müssen
  • Der Autohändler beantwortet Fragen ausweichend
  • Der Autoverkäufer fixiert sein Angebot nicht schriftlich

Betrüger versuchen immer wieder, Kaufinteressenten über das Ohr zu hauen. Eine gängige Betrugsmasche, so der ADAC, geschieht über das Internet: Hier wird ein Fahrzeug, das sich im Ausland befindet, mit deutschem Kennzeichen angeboten. Dem potenziellen Käufer wird angeboten, den Wagen einige Tage Probe fahren zu dürfen. Allerdings muss der Interessent die Transportkosten und möglicherweise eine Anzahlung an ein Transportunternehmen zahlen. Das Fahrzeug wird jedoch nie ausgeliefert. Vorsicht auch bei Inseraten, in denen um einen Rückruf gebeten wird. Sehr häufig landet der Kaufinteressent in einer Warteschleife mit extrem teuren Telefongebühren – ein Autokauf kommt nicht zustande.

Wichtig: Die Probefahrt

Auch wenn das neue Fahrzeug optisch einen guten Eindruck macht – eine Probefahrt gehört zum Autokauf dazu. Genauso wie die richtige Vorbereitung: Weil bei bestimmten Modellen häufig schwerpunktmäßige Mängel vorliegen können, ist wichtig, sich über die Schwächen des jeweiligen Modells zu informieren. Der Besichtigungstermin sollte tagsüber stattfinden. Bei der Einschätzung des Fahrzeugs während der Probefahrt kann es hilfreich sein, möglichst unterschiedliche Streckenabschnitte zu wählen. So kann besser beurteilt werden, wie sich der Pkw bei höheren Geschwindigkeiten, bei Stopp-and-Go oder bei hohem Verkehrsaufkommen innerorts macht. Bei Schrittgeschwindigkeit zum Beispiel lassen sich Klappergeräusche gut vernehmen. Nötig für eine Probefahrt bei einem privaten Anbieter ist auch eine Übernahme-Bestätigung, damit klar ist, wer im Schadensfall haftbar gemacht werden kann, beziehungsweise die Selbstbeteiligung übernimmt. Vollkasko-Versicherung sollte in der Bestätigung nicht fehlen. Und noch etwas: Eine Nacht über die Entscheidung schlafen.

Hilfreich bei einer Probefahrt ist außerdem:

  • Einparken (passt das Fahrzeug in die Parkflächen?)
  • Zwischenstopp einlegen und die Funktionen des Fahrzeugs überprüfen
  • In einschlägiger Literatur Testberichte zum Modell lesen und vergleichen

Jahreswagen und EU-Import

Mit Jahreswagen können Autokäufer möglicherweise ein echtes Schnäppchen schlagen. Sehr häufig sind diese Modelle Rückläufer von Leasingverträgen oder wurden als Firmenfahrzeuge nur für kurze Zeit genutzt. Genauso Vorführwagen der Autohäuser, die oft als Jahreswagen angeboten werden und deshalb wesentlich günstiger gegenüber dem Listenpreis sind. Bis zu 25 Prozent Preisnachlass sind hier möglich. EU-Importe sind ebenfalls attraktiv für Käufer, viele Modelle sind deutlich preisgünstiger, wenn sie nach Deutschland importiert werden.