Es ist Sommerpause in der Politik – diese Zeit nutzen Mandatsträger ganz unterschiedlich. Der Grünen-Abgeordnete Johannes Becher aus Oberbayern hat sich entschieden, einmal zu Fuß von Nord nach Süd durch Bayern zu marschieren und dabei mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. 280 Kilometer Fußmarsch in 8 Tagen legt er dabei zurück.
Tag vier seiner Sommertour hat ihn nach Weiden geführt – wir haben ihn gefragt, ob ihm schon die Füße weh tun. „Ja, die Füße tun, weh, das ist klar“, antwortet er lächelnd. „Man schwitzt natürlich auch, ich bin ja auch nicht der fitteste.“ Aber Becher macht seine Sommertour trotzdem – weil er mit den Menschen in Bayern sprechen möchte. Rund 30 Ortstermine hat er geplant.
Windkraft, Heizungsgesetz, Energiewende
Einen davon beim Energietechnologischen Zentrum Nordoberpfalz, kurz ETZ, in Weiden. Dort spricht er mit seiner Landtagskollegin Laura Weber und den Energieberatern über die Energiewende – und was es dafür auf Bayernebene seiner Meinung nach braucht. „Das Allererste ist die politische Überzeugung.“, betont er. „Man darf nicht ständig die Richtung wechseln. Die Energiewende ist ein Prozess.“
Die Kritik der Grünen-Politiker richtet sich nicht nur gegen die Bayerische Regierung, sondern auch gegen die Gesetzgebung auf Bundesebene. Das Heizungsgesetz vom ehemaligen Grünen-Wirtschaftsminister Robert Habeck hat die Merz-Regierung inzwischen zurückgenommen und durch ein neues ersetzt, das Öl- und Gasheizungen wieder mehr erlaubt.
Das finden nicht nur die Grünen schlecht, sondern auch die Energieberater am ETZ. „Ja, da hat man politisch eigentlich alles falsch gemacht“, kritisiert Energieberaterin Tanja Schatz. Das Heizungsgesetz habe zwar für viel Wirbel gesorgt, aber sei für Verbraucher letztendlich nicht von Nachteil gewesen. „Das haben wir mit unserem Beratungsangebot auch vielen vermitteln können“. Jetzt hätten die Bürger zwar wieder die maximale Entscheidungsfreiheit, aber auch das maximale Kostenrisiko, erklärt Schatz. Eventuell müssten manche, die nun eine Öl- oder Gasheizung einbauen, sie in einigen Jahren wieder austauschen, weil fossile Brennstoffe einfach zu teuer werden. Das Ganze sei so komplex, „dass der Normalbürger es eigentlich gar nicht überblicken kann“, so Schatz.
Nah an den Menschen sein
Grüne Politik sei oft ideologisch, abgehoben, gehe an der Realität vorbei – solchen Vorwürfen sind die Politiker dieser Partei immer wieder ausgesetzt. Auch Johannes Becher kennt das – aber er will sich mit diesem Image nicht abfinden. „Selbstverständlich gibt es Vorurteile. Und vielleicht hat die Politik da auch selbst dazu beigetragen, dass die Leute skeptisch sind. Aber ich persönlich erlebe es eigentlich anders. Deswegen bin ich ja aktuell auch unterwegs, weil ich wissen will, wie es wirklich ist.“, betont Becher. Politiker dürften vor allem auch nicht verschweigen, wenn etwas auch Nachteile hat. „Man muss einfach ehrlich sein.“ Dieses Politikverständnis möchte Becher vertreten – auch auf seiner inzwischen neunten Sommertour.
(az)