Am 26. April 1986 erschüttert die Explosion von Reaktor 4 im ukrainischen Atomkraftwerk Tschernobyl die Welt. Die Katastrophe gilt bis heute als schwerster Unfall der zivilen Nutzung der Kernenergie. Auch 40 Jahre später sind ihre Auswirkungen noch spürbar – weltweit und in der Oberpfalz.
In der Fußgängerzone von Weiden hat die Bürgerinitiative „gegen atomare Anlagen“ mit einer Mahnwache an das Ereignis erinnert. Ihr Anliegen: Die Risiken der Atomenergie dürften nicht in Vergessenheit geraten. Gleichzeitig fordern die Aktivisten einen konsequenten Ausbau erneuerbarer Energien und verweisen darauf, dass auch nach dem deutschen Atomausstieg noch nukleare Infrastruktur – etwa in Form von Brennelementefertigung – existiert.
Tatsächlich hat Deutschland im April 2023 seine letzten Atomkraftwerke abgeschaltet. Die Debatte über eine mögliche Rückkehr zur Kernenergie bleibt jedoch politisch umstritten. Während einige Parteien eine Neubewertung fordern, sehen andere in Tschernobyl und später auch in Fukushima einen klaren Beleg für die Risiken der Technologie.
Wildschweine werden getestet
Dass die Katastrophe bis heute nachwirkt, zeigt sich auch in der Region. Radioaktives Cäsium, das damals über Niederschläge nach Mitteleuropa gelangte, ist weiterhin messbar. Besonders betroffen sind Wildschweine, die durch ihre Nahrung erhöhte Werte aufnehmen können.
Bei Dr. Günther Baumer in Kümmersbruck steht eine von 150 Messstationen des Bayerischen Jagdverbands. Es war damals nach der Katastrophe die erste in Bayern und sie ist noch heute in Betrieb. 500 g Fleisch pro Tier braucht Baumer, um den Becquerel-Wert zu ermitteln. Ab 600 Becquerel darf das Tier nicht mehr in den Umlauf kommen und muss vernichtet werden. Der Jäger wird dann entschädigt.
Die Halbwertszeit von Cäsium-137 beträgt rund 30 Jahre – ein Grund, warum die Folgen des Reaktorunfalls noch lange Thema bleiben werden. Die Mahnwache in Weiden versteht sich daher nicht nur als Erinnerung, sondern auch als Warnung für die Zukunft.
(pg)