Im Jahr 1323 verlieh Kaiser Ludwig der Bayern dem Markt Kastl im Landkreis Amberg-Sulzbach das Marktrecht – ein Brauch, der bis heute lebendig ist. Jedes Jahr nutzen die Marktbewohner dieses historische Ereignis als Anlass zum Feiern. Der Kulturverein „Kulturkastl“ bringt dafür ein kurzes Sketchstück auf den Marktplatz, das weniger die Geschichte als aktuelle Themen aufgreift. Wie Vereinsvorsitzende Daniela Schuller erklärt, war das Kastler Recht vor rund 30 Jahren ein wenig eingeschlafen – auch in den Wirtshäusern herrschte damals Ruhe. Mit den Sketchen wurde das Brauchtum wiederbelebt und neu belebt.
Theater mit Lokalkolorit
Im Mittelpunkt des kleinen Theaters stand diesmal die Kommunalwahl in Kastl. Hauptfigur Harry Meier, bekannt durch seinen Podcast, sammelte Stimmen der Bürgerinnen und Bürger ein. Dabei äußerten viele Kritik daran, dass es bei den Bürgermeisterwahlen seit Jahren nur einen einzigen Kandidaten gibt.
Trotz Regen und Kälte verfolgten die Marktbewohner den Auftritt gespannt und freuten sich danach umso mehr auf ein gemütliches Aufwärmen im Wirtshaus.
Gstanzln und Geselligkeit
Traditionell zieht an diesem Tag das Trio „Roum Boum“ durch die Gaststuben und trägt Gstanzln vor, die die wichtigsten Ereignisse des vergangenen Jahres humorvoll zusammenfassen. Wie Musiker Dominik Heider erzählt, notiert er alle Ereignisse des Jahres und bereitet die Gstanzln kurz vor dem Kastler Recht auf Papier vor – eine Methode, die sich seit Jahren bewährt hat. So gelingt es den Kastlern, die über 700 Jahre alte Geschichte ihres Rechts mit Geselligkeit, Humor und modernen Akzenten zu verbinden.
(kw)