Wiesau hat an die Opfer von Flucht und Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg erinnert. Vor 80 Jahren wurde der Bahnhof des Marktes zu einem zentralen Ankunftsort für hunderttausende Menschen, die ihre Heimat im Osten verloren hatten.
Rund 600.000 Vertriebene kamen 1946 über Wiesau an. In Zügen zusammengepfercht erreichten sie den Ort, wurden versorgt und anschließend weiter verteilt. Für viele begann dort ein völlig neues Leben.
Niemals wieder
Einer von ihnen ist Heinz Leitner. Der heute 85-Jährige kam als Kind mit seiner Familie aus dem Sudetenland nach Wiesau. An die genaue Ankunft erinnert er sich kaum noch, die Folgen der Vertreibung begleiten ihn aber bis heute.
„Niemals wieder“ – dieser Gedanke sei für ihn besonders wichtig, erzählt Leitner. Trotz des Verlusts der alten Heimat sei es gelungen, in Wiesau eine neue Existenz aufzubauen. Viele Vertriebene brachten handwerkliches Wissen mit und prägten den Ort nachhaltig – unter anderem die Porzellanindustrie.
Bei der Gedenkfeier wurde auch die Bedeutung der Integration hervorgehoben. Staatskanzleichef Florian Herrmann erinnerte daran, dass die Aufnahme der Vertriebenen nach dem Krieg eine große Herausforderung gewesen sei. Auch Bürgermeister Michael Dutz betonte, dass die Geschichte der Ankommenden bis heute Teil der Identität Wiesaus ist.
Der Gedenktag soll die Erinnerung an die Schicksale der Vertriebenen wachhalten – und gleichzeitig zeigen, wie aus einer schwierigen Situation ein gemeinsamer Neuanfang entstehen konnte.
(pg)