Mo., 01.06.2026 , 16:40 Uhr

Grafenwöhr

Abrüsten statt Aufrüsten: Friedensaktivisten demonstrieren in Grafenwöhr

Ein Nationalpark statt Truppenübungsplatz, Abrüstung statt Aufrüstung, Gewaltfreie Konfliktlösung statt Krieg. Bei einer Kundgebung in Grafenwöhr haben Friedensaktivisten weitreichende Forderungen gestellt.

Erst vor vier Wochen sorgte die Nachricht für Schlagzeilen: US-Präsident Donald Trump erwägt, 5.000 Soldaten aus Vilseck abzuziehen. Während diese Aussicht in der Region vielerorts Sorgen auslöst, würde Willi Rester von der Deutschen Friedensgesellschaft einen solchen Schritt begrüßen. Bei der Kundgebung „Keine Mittelstreckenraketen in Grafenwöhr und anderswo!“ forderte er sogar den vollständigen Abzug aller US-Streitkräfte aus Grafenwöhr, Vilseck und Hohenfels. Rester sprach sich dafür aus, den Truppenübungsplatz langfristig in einen Nationalpark umzuwandeln. Als Vorbilder nannte er ehemalige militärisch genutzte Gebiete, die inzwischen als Nationalparks wirtschaftlich erfolgreich seien. Lediglich auf dem Wohnungsmarkt erwartet er Schwierigkeiten. Diese könnten seiner Ansicht nach jedoch durch Konversionshilfen des Freistaats abgefedert werden.

Sorge vor Mittelstreckenraketen

Im Mittelpunkt der Kundgebung stand die mögliche Stationierung von US-Mittelstreckenraketen. Zwar hat US-Präsident Donald Trump entsprechende Pläne für Deutschland gestoppt, die Teilnehmer befürchten jedoch, dass diese Entscheidung künftig wieder rückgängig gemacht werden könnte. Da die in Grafenwöhr stationierte 41. Feldartillerie-Brigade als einzige Einheit in Europa solche Systeme bedienen kann, sehen die Kritiker den Standort als potenzielles Angriffsziel.

Die Redner warfen der Bundesregierung vor, weiterhin an der Stationierung solcher Waffensysteme festhalten zu wollen. Diese Politik schaffe ihrer Ansicht nach Unsicherheit, binde finanzielle Mittel und stärke politische Kräfte an den Rändern.

Soziale Verteidigung statt Aufrüstung

Die Teilnehmer sprachen sich grundsätzlich für Abrüstung aus. Deutschland solle nach ihrer Auffassung auf das Konzept der sogenannten Sozialen Verteidigung setzen. Dabei gehe es darum, Widerstand gegen Angreifer durch zivile Maßnahmen, gesellschaftlichen Zusammenhalt und gewaltfreie Aktionen zu leisten. Als Beispiele wurden historische und internationale Erfahrungen genannt, in denen solche Strategien erfolgreich angewandt worden seien.

Zur Einordnung: Friedensforscher sehen die Soziale Verteidigung als mögliche Ergänzung zur Sicherheitsvorsorge. Ob sie militärischen Schutz vollständig ersetzen kann, wird unter Experten jedoch kontrovers diskutiert.

Positive Bilanz der Veranstalter

Die Veranstalter zogen insgesamt ein positives Fazit der Kundgebung. Für einen kurzen Zwischenfall sorgte lediglich eine Gruppe mit Deutschlandflaggen. Da diese bei der Veranstaltung nicht zugelassen waren, wurden die Teilnehmer vom Platz verwiesen.

(kw)

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