Schon bei der Anfahrt ist klar: Hier im Wald nahe Amberg versteckt sich High-Tech-Ausrüstung. Riesige Antennen ragen in den Himmel und sind kaum zu übersehen. Die Funkstation in Amberg ist bestens ausgestattet – darunter sogar eine historische Multiband-Antenne, die einst bei der CIA im Einsatz war. Ihre Konstrukteure hätten wohl kaum erwartet, dass dieses technische Präzisionsinstrument eines Tages dabei hilft, internationale Freundschaften zu knüpfen.
Stimmen über 12.000 Kilometer
Drinnen im Funkraum sitzt Thomas an seinem Funkgerät. Über Kurzwelle spricht er mit Pablo in Buenos Aires und mit Si auf den Turks und Caicos-Inseln – ganz ohne Internet.
Damit das funktioniert, müssen Physik, Technik und viel Fingerspitzengefühl zusammenspielen. Die Funker müssen das richtige Band und die passende Frequenz wählen, die Antennen exakt ausrichten und gegebenenfalls den Signalverstärker justieren. Auch die Tageszeit spielt eine entscheidende Rolle, denn sie beeinflusst die Ausbreitungsbedingungen der Kurzwelle.
Wenn schließlich alles passt, entsteht eine Verbindung, die für beide Seiten jedes Mal etwas Besonderes ist. Thomas notiert Rufzeichen, Signalstärken und technische Details sorgfältig. Oft schicken sich die Funkpartner im Anschluss eine sogenannte QSL-Karte – quasi eine kleine Postkarte, die eine erfolgreiche Verbindung bestätigt.
Ein Rufzeichen für die Welt
Bevor jemand funken darf, steht eine Prüfung an. Danach erhält jeder Funker ein individuelles Rufzeichen, das ihn weltweit eindeutig identifiziert. Wolfgang, einer der Veteranen im Verein, trägt das Rufzeichen „Delta Juliet Drei Tango Foxtrot“. In seinen vielen Jahren am Funkgerät hat er mit nahezu jedem Land der Erde gesprochen – mit Ausnahme von Nordkorea. Er versucht gerne, mit entlegenen Inseln zu Funken. Thomas widmet sich am liebsten dem Bergfunk, bei dem er die Höhenlage von Berggipfeln zu seinem Vorteil nutzt. Das Amateurfunken bietet viele Sparten, und fast alle sind bei den rund 120 Mitgliedern der Amberger Amateurfunker vertreten.
Dass ihre Stimmen riesige Distanzen überwinden können, liegt an einem physikalischen Phänomen: Kurzwellen werden in einem bestimmten Bereich der Ionosphäre, der sogenannten „Heaviside-Schicht“ reflektiert und so über weite Strecken rund um den Globus getragen. Genau das macht für Viele den Reiz aus: In einer hochdigitalisierten Welt entsteht hier Kommunikation auf ganz analoge Weise – getragen allein von Radiowellen, Technikbegeisterung und der Faszination, mit der eigenen Stimme die Welt zu erreichen.
(sb)