Di., 11.03.2025 , 13:45 Uhr

Amberg

Amberger Chefärzte richten Appell an Bayerische Regierung: Mehr Steuerung bei der Krankenhausreform

Appell der Chefärzte des Klinikums St. Marien Amberg: Die Mediziner fordern, dass die Landespolitik die Umstrukturierungen in der Krankenhauslandschaft aktiver gestaltet – sie haben deswegen einen offenen Brief nach München geschrieben.

23 Unterschriften – von allen Chefärzten und dem Ärztlichen Leiter des Klinikums St. Marien Amberg. Die Mediziner stellen in einem offenen Brief Forderungen an die Bayerische Regierung. Auch wenn die Krankenhausreform auf einem Bundesgesetz beruht, müsse das Land Bayern aktiver werden, so ihr Appell. „Wir würden uns mehr Aktivität wünschen seitens des Bayerischen Gesundheitsministeriums. Ähnlich wie in Nordrhein-Westfalen, hier hat das Gesundheitsministerien eine sehr aktive Rolle eingenommen in der Leistungsplanung für seine Regionen“, erklärt Dr. Harald Hollnberger, Ärztlicher Direktor am Klinikum St. Marien.

Ärzte befürchten „Parallelstrukturen“

Die Krankenhausreform strukturiert die Finanzierung der Krankenhäuser neu: Krankenhäuser erhalten zukünftig Geld für Leistungen und Abteilungen, die sie anbieten. Diese Abteilungen müssen dann aber auch gewisse Anforderungen an Ärzten und Geräten erfüllen. Damit soll die Krankenhauslandschaft effizienter werden. Denn: Viele Krankenhäuser sind in finanzieller Schieflage.

Die Amberger Ärzte kritisieren nun: Ohne aktive Steuerung würden bei dem Reformprozess aber auch „kannibalisierende Parallelstrukturen“ weiterbestehen. Chefarzt Prof. Dr. Christoph Birner erklärt das so: „Wir haben hier in Amberg tolle Strukturen und können vieles sehr gut. Allerdings haben wir zehn Kilometer entfernt ein weiteres Krankenhaus, das ähnliches anbietet. Mit Sicherheit auch in guter Qualität. Aber es wird irgendwann voraussichtlich dazu kommen, dass beide Häuser gewisse Leistungsmengen, die von der Politik gefordert sind, nicht mehr erfüllen können. Und dann haben die Patienten verloren, denn das würde bedeuten, dass die Leistungen an keinem der beiden Häuser mehr angeboten werden könnten.“

Zusammenarbeit mit Sulzbach-Rosenberg gefordert

Gemeint ist das St. Anna Krankenhaus in Sulzbach-Rosenberg, das vom Landkreis Amberg-Sulzbach betrieben wird. Die Amberger Ärzte betonen, dass eine Zusammenarbeit nötig sein wird. Doch sie befürchten, dass das ohne eine politische Ansage aus München nicht passieren wird, denn bisher war der Landkreis nicht zu Gesprächen bereit.

„Das Gesundheitsministerium muss letztendlich die Veränderungen nicht nur passiv moderieren, sondern aktiv gestalten. Die Politik darf es nicht den Regionen selbst überlassen, das auszuhandeln.“ sind Dr. Birner und seine Kollegen überzeugt. „Das gelingt nicht, weil da immer ökonomische Interessen im Hintergrund stehen.“ Den Chefärzten gehe es um die ideale Versorgung der Patienten, betonen sie.

Dass es grundsätzlich eine Krankenhausreform brauche, stehe außer Frage, sind sich die Chefärzte einig. „Wo Herr Lauterbach recht hat, ist damit, dass wir in Deutschland zu viele Betten haben“, erklärt etwa Prof. Dr. med. Thomas Papathemelis gegenüber OTV. „Es geht einfach darum, Effizienz umzusetzen, sowohl medizinisch als auch wirtschaftlich. Und angesichts des Fachkräftemangels sind das auch zwei Ziele, die sich nicht widersprechen.“, so der Chefarzt für Frauenheilkunde.

Verwunderung aus dem Gesundheitsministerium

Die Amberger Ärzte haben bis jetzt noch keine Reaktion aus München auf ihren Appell erhalten. Auf OTV-Anfrage reagierte die Bayerische Gesundheitsministerin Judith Gerlach mit Verwunderung auf den Ärzte-Appell.

 

„Vorwürfe, der Freistaat sei bei den anstehenden Strukturanpassungen zu passiv, gehen an der Realität vorbei und sind nicht nachvollziehbar. Denn der Freistaat gestaltet den notwendigen Wandel sehr aktiv mit verschiedenen Instrumenten.“

 Bayerisches Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention

 

Zum Beispiel habe die Staatsregierung Leitplanken veröffentlicht, an denen sich Krankenhausträger orientieren sollen. Gerlach betonte in dem schriftlichen Statement außerdem: Krankenhausplanung bedeute nicht Planwirtschaft – für die Krankenhausversorgung seien die Landkreise und Städte verantwortlich, nicht der Freistaat.

„Forderungen nachvollziehbar“

Auch an den Amberger Landtagsabgeordneten Dr. Harald Schwartz von der CSU ist der offene Brief ausdrücklich adressiert. Er erklärte gegenüber OTV, er könne die Forderungen der Chefärzte verstehen. „Bayern hat hier auch eine Verantwortung. Man muss natürlich differenzieren, wo die genau liegt. Für den Betrieb und die operativen Defizite in den Krankenhäusern trägt der Bund die Verantwortung. Für die Krankenhausplanung ist das Land zuständig, deswegen kann ich die Forderungen gut nachvollziehen.“, so Schwartz.

Bei einer weiteren Forderung in dem Appell sind sich Schwartz und Ministerin Gerlach einig: Die Chefärzte betonen nämlich auch, dass die Krankenhäuser dringend einen Inflationsausgleich brauchen. Auch bei den Krankenhäusern in Amberg und Sulzbach-Rosenberg müssen die Träger aktuell Defizite in Millionenhöhe ausgleichen. In diesem Punkt weist Bayern aber die Verantwortung von sich: Für die Finanzierung der Betriebskosten sei ausschließlich der Bund zuständig.

(az)

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