Vor 80 Jahren hat sich in Deutschland extrem viel verändert. Der Krieg war zu Ende, die Gesellschaft orientierte sich neu, die politische Welt stellte sich neu auf. Genau in dieser Zeit gründete sich auch die CSU. 1945 auf Bayernebene. 1946, also vor genau 80 Jahren, dann auch in der Oberpfalz. Dieses Jubiläum war nun beim Bezirksparteitag der Christsozialen in Schwarzenfeld Thema. Doch die Redner haben weniger in die Vergangenheit, sondern mehr auf die Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft geblickt.
In den vergangenen 50 Jahren gingen die Wahlergebnisse für die Christsozialen bei den Landtagswahlen stetig nach unten. Trotzdem sei die CSU bis heute eine Volkspartei, beschwört Bezirksvorsitzender Albert Füracker in seiner Hauptrede. Aber die CSU trage auch eine Mitschuld daran, dass gegnerische Parteien groß geworden sind. „Wir konzentrieren uns immer sehr viel auf das, wo es Schwierigkeiten gibt.“, kritisiert er. „Die Frage, warum wir zum Beispiel eine AfD haben in dieser Stärke, hat natürlich auch damit zu tun, dass wir denen jeden Tag selber Argumente liefern. Anstatt mal wieder das Kollektiv zu bilden, das wir als CSU immer hatten und das uns stark gemacht hat. Und natürlich gibt es Putin, natürlich gibt es Trump. Und die Schwierigkeiten im Nahen Osten und die Weltwirtschaft. Aber es gibt noch ganz viele Dinge, die wir selber beeinflussen können.“, betont Füracker.
„Man kann nicht sagen: Grandioser Erfolg für die CSU“
Füracker fordert Optimismus von seinen Parteikollegen – auch trotz der vergangenen Kommunalwahlen. Er betont: Die CSU stelle insgesamt fast 60 Prozent der Bürgermeister in der Oberpfalz, das sind sogar zwei mehr als vor der Kommunalwahl. Aber er räumt auch ein: „Ja, sechs Stichwahlen haben wir verloren. Auf Oberbürgermeisterebene, auf Landratsebene… da kann man auch nicht sagen: grandioser Erfolg für die CSU.“ Die Konsequenz für die Partei müsse vor allem sein: Zusammenzuhalten. „Dort wo man nicht miteinander kämpft, verliert man von Haus aus.“, argumentiert Füracker. Und man müsse die Menschen immer wieder neu überzeugen und für die CSU gewinnen.
Gewinnen wollte Füracker seine Parteikollegen auch für die beschlossenen Reformen der Regierung in Berlin. Die Menschen müssten sich freuen, dass die schwarz-rote Koalition die Kraft hat, Reformen zu gestalten.
Krankschreibung ab dem ersten Tag – „Abwarten“
Doch diese Reformen haben in den vergangenen Tagen viel Kritik ausgelöst. Unter anderem die Ankündigung, dass künftig ab dem ersten Krankheitstag eine Krankschreibung nötig sein soll. Bei überlasteten Hausarztpraxen und Hausarztmangel, vor allem auf dem Land – ist es dann nicht der falsche Weg, die Hausarztpraxen noch mehr zu belasten?
„Die Frage ist: was ist leistungsfähig? Das wird ja momentan auch sehr kritisch diskutiert“, räumt Bundestagsabgeordnete Martina Englhardt-Kopf ein. „Möglicherweise kommt es da noch zu Veränderungen. Der Prozess ist mit der Ankündigung der Maßnahmen gestartet. Entscheidend ist, dass das von den Hausärzten auch zu bewerkstelligen ist.“
Bundestagsabgeordnete Susanne Hierl spricht sich in bei dieser Diskussion dafür aus, noch abzuwarten: „Also es ist jetzt ein Paket mit vielen Punkten, aber es gibt noch keine Gesetzestexte dazu. Ich würde darum bitten, zu warten, bis die Texte dann vorliegen, wie das ganze wirklich ausgestaltet wird.“, so Hierl.
Geschlossenheit und Zukunftsoptimismus
Schließlich konzentrierte sich die Oberpfälzer CSU aber beim Bezirkstag nochmal auf sich selbst. Bei einer Diskussionsrunde auf der Bühne beschrieb unter anderem Emilia Müller, ehemalige Bezirksvorsitzende, ihre Wünsche für die Zukunft der Partei: „Gültig ist immer der Spruch: Näher am Menschen. Also Diskussionen führen mit den Menschen vor Ort. Die CSU ist einfach eine gestaltende Kraft. Ich wünsche mir für die Zukunft Geschlossenheit, gelebten Teamgeist und Zukunftsoptimismus.“
Mit diesem Rezept will die Oberpfälzer CSU in die Zukunft gehen – und für mindestens 80 weitere Jahre Volkspartei sein.
(az)