Do., 23.06.2022 , 15:34 Uhr

Schwandorf

Biogas als Alternative zu Erdgas?

Russland liefert deutlich weniger Gas an Deutschland. Der Netzbetreiber Bayernwerk schlägt dezentrale Lösungen vor – und verweist auf ein Biomethan-Projekt in Schwandorf.

Bei der Gasbezugsstation in Hartenricht nahe Schwandorf wird eigentlich fossiles Gas – auch aus Russland – in das lokale Gasnetz eingespeist. Doch derzeit ist das kaum nötig. Denn drei Bionmethananlagen speisen stündlich so viel Gas ein, dass damit 35 Megawatt Energie gewonnen werden kann. Genug Energie für rund 21.000 Haushalte. Oder umgerechnet: Im Sommer wird hier im sogenannten Grüngasring zum Teil eben 100 Prozent durch Biogas abgedeckt, über das Jahr gerechnet sind es 35 Prozent. Für den Netzbetreiber Bayernwerk ist das daher ein mögliches Modell für die Zukunft.

Doch lässt sich dieser Ansatz auch über Schwandorf hinaus umsetzen? Viele sehen das skeptisch. Denn viele Biogasanlagen werden durch landwirtschaftliche Erzeugnisse wie Mais betrieben. Doch das Bayernwerk plädiert für einen anderen Ansatz: Müllabfälle.

Sollen Atomkraftwerke wieder eingeschaltet werden?

Abfälle als Energiequelle
Um das mit Zahlen zu verdeutlichen: 4,4 Millionen Tonnen Abfälle und Reststoffe wie Grünschnitte oder Biomüll werden in Deutschland jährlich erzeugt. Aber nur 89.000 Tonnen davon werden davon auch zur Gewinnung von Biogas verwendet. Der Rest ist Energie, die im wahrsten Sinne des Wortes weggeworfen wird.

Innerhalb des Bayernwerk-Netzes sind 400 Biogasanlagen innerhalb von fünf Kilometern um das Erdgasnetz in Betrieb. Allein: Diese Anlagen produzieren Biogas, das nur zu 50 Prozent aus Methan besteht. Für eine Einspeisung ins Gasnetz bräuchte es Biomethan, wie Ely Eibisch erklärt. Er betreibt in Kemnath im Landkreis Tirschenreuth eine Biogasanlage.

Für die Biogasanlagen bräuchte es Aufbereitungsanlagen, in denen das Biogas zu Biomethan veredelt wird. Das kostet Geld. Außerdem ist für die Veredelung Energie notwendig – beinahe die Hälfte, die in Biogasanlagen gewonnen wird.

Das Bayernwerk fordert Förderungen. Denn viele Biogasanlagen werden durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz EEG gefördert – aber zeitlich befristet. Eine sinnvolle Nachnutzung der Anlagen sei in der derzeitigen Situation aber zwingend erforderlich, sagt Alexander Radlbeck. Doch dafür brauche es jetzt sinnvolle politische Lösungen.

(mz)

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